Nachdem sich nun der berühmt berüchtigte Harry Potter für immer von der großen Schar seiner Fans verabschiedet hat, da tritt nun plötzlich die weit entfernt residierende Amilla in seine Fußstapfen. Und sie will versuchen, eine weibliche Variante ihres Vorgängers für Kinder zu werden. You know...

Jedoch haben die Stories bisher leider noch kein Lektorat durchlaufen...

 

Peter Mandryka

Kontakte Mobil: 01577 601 81 71 oder 0176 305 393 82

E-Mail: nitroxtine@web.de

E-Mail: charlywasyl@yahoo.de

 

Expose und Klappentext

für Amilla im Nibiruanerland

 

Die Geschichte vom zehnten Planeten ist zunächst eine Fiktion. Ob es ihn nun wirklich gibt oder nicht, gehört somit ins Reich der Fantasie. In diesem Märchen wird von Nibiru gesprochen. Angeblich soll es sich um den Planeten der Götter handeln. Und der Leser taucht ein, in eine sehr abenteuerliche Welt, die bewohnt wird von kleinen interaktiven Gnomen. Diese Wesen nennen sich seit Urzeiten ‚Die Nibiruaner’. Welche ein sehr sauberes Leben führen und genießen, in dem Begriffe wie Moral, Ethik und Ästhetik nicht nur einen großen Stellenwert besitzen, sondern auch eine führende Rolle spielen. Gerade diese Verhaltensform könnte den menschlichen Wesen als ein großes Vorbild dienen. Denn alles was dort tagtäglich geschieht, ist von einem hohen charakterlichen Wert umhüllt. Und zwar auf eine Art und Weise, wie er in der realen menschlichen Welt nur äußerst selten praktiziert wird.

Einer der dort lebenden Zwerge - mit Namen Witho - tritt eines Tages aus seiner interaktiven Welt in die Menschenwelt hinaus, weil er und seine Freunde dringend die Hilfe der Menschen brauchen. Denn so sauber sie im Nibiruanerland auch leben, so sehr sind sie von den Menschen und deren Fähigkeiten abhängig.

Amilla, ein zwölfjähriges Mädchen, sitzt zur Ferienzeit traurig unten am Hafen und träumt vor sich hin, weil sie selbst nicht in den Urlaub fahren kann. Da wird sie plötzlich von Witho, einem dieser Zwergenwesen angesprochen...

 

 

 

 

 

Amilla im Nibiruanerland

Ein interaktives Märchen

 

 

Es war einmal ein kleines Mädchen, mit dem schönen Namen Amilla. Und da in jener Zeit die großen Schulferien anstanden, da saß sie - so wie fast an einem jeden Nachmittag - dort unten im Hafen, auf einem der vielen Poller an dem langen Kai, und sie ging dabei ihrer liebsten Beschäftigung, dem stundenlangen Träumen nach. Sie sah die vorbeifahrenden Seeschiffe, die aus aller Herren Länder zurückkehrten, und die riesigen und schwer beladenen Frachter, die hinausfuhren, um weltweit ferne Ziele anzustreben.

All ihre Freundinnen waren mit den Eltern in Urlaub gefahren. Nur sie selbst musste - wie schon so oft in der Vergangenheit - daheim bleiben. Denn ihre Familie war sehr arm und konnte sich solch eine Reise nicht leisten. Obwohl ihr die Eltern zum letzten Geburtstag den großen Wunsch nach einem eigenen Computer erfüllt hatten...

Amilla schaute in den wolkenlosen Himmel, sah den laut kreischenden, sich endlos streitenden Möwen nach und träumte davon, irgendwann auch einmal auf solch einem großen Seeschiff mitzufahren, um dann auf ihren Reisen viele Abenteuer zu bestehen.
In ihre Gedanken vertieft, da hörte sie plötzlich, wie sie jemand leise zu rufen schien. Ein kaum vernehmbares Stimmchen rief völlig verzweifelt:
„Hallo… Haaaaallo… Ja hörst und siehst du mich denn auch nicht? Ich bin doch hier unten. Gleich neben dir. Aber pass bitte auf, dass du mich nicht gleich zerquetscht. Denn ich bin nur ein kleiner Zwerg.“
Das Mädchen blickte sich höchst verwundert um, konnte aber im ersten Moment niemanden entdecken. Doch dann sah sie mit einem Mal - gleich neben ihrem Rucksack - ein kleines Männlein stehen. Und dieses Wesen war kaum größer als einer ihrer Daumen. Sie wischte sich über die Augen und fragte den Zwerg irritiert:
„Wer bist denn du?“

„Na endlich.“, antwortete der Wichtel erleichtert.
„Ich hatte schon Angst, dass auch du mich, so wie die meisten anderen Menschen, vollkommen übersiehst…“

Du fragst mich wer ich bin? Ich bin Witho, der Nibiruaner. Und ich fühle mich hier - auf eurer Welt - gar nicht so wohl. In diesem Land der Riesen. Denn hier ist alles so groß und mächtig, dass wir Zwerge aus dem Nibiruanerland - aus großer Angst - nur selten in eure seltsame Welt hinaus kommen. Nur dann, wenn wieder einmal etwas Furchtbares passiert ist und wir selbst nicht mehr weiterwissen. Nur dann kommen wir heraus in eure Welt, und bitten euch um eure Hilfe. Und nun, vor nur wenigen Tagen, da ist uns wieder etwas Furchtbares passiert.“

Was ist euch denn so Furchtbares widerfahren?“, fragte das Mädchen erstaunt, aber auch sichtlich neugierig geworden.
„Solch kleine Wesen wie dich, die habe ich noch niemals in meinem Leben gesehen. Und auch von eurem Nibiruanerland habe ich noch nie etwas gehört. Ich dachte immer, so etwas gibt es nur im Märchen.“
„Ja, das glaub ich dir gerne, meine große Freundin. Mich gibt es ja in der Wirklichkeit auch gar nicht. Nur dann, wenn ihr, also die Riesen die sich Menschen nennen, an euren Maschinen - ihr nennt so etwas Computer - sitzt, dann werden wir von einigen von euch zum Leben erweckt. Und wir können uns dann für einige Stunden frei bewegen und unser Dasein fristen. Jetzt sage mir bitte aber auch deinen Namen. Wie heißt denn du?“

Ich? Ich bin die Amilla.“, antwortete das Mädchen sichtlich stolz und fragte dann ihrerseits:
„Und ihr Nibiruaner seit alle so winzig klein?“

Ja, natürlich.“, antwortete Witho der Zwerg. Und dazu gibt es bei uns nur drei verschiedene Völker. Da sind zunächst die Römer. Dann gibt es die Germanen und dazu noch die Gallier. Das sind eigentlich schon alle.“

Und zu welchem dieser Völker gehörst du, mein kleiner Nibiruaner?“, wollte das Mädchen wissen.

„Ich…? Ja, ich bin ein Gallier und mächtig stolz darauf. Lebe nun schon in der fünften Generation in diesem Spiel. Verstehst du mich nun?“
„Ach, so ist das. Nibiruaner, das ist also ein Spiel?“

Ja, nun hast du mich endlich verstanden. Nibiruaner, das ist ein beliebtes Spiel aus dem Internet.“, antwortete der Wichtel.

Aber zum Spielen bin ich doch schon viel zu groß. Spielen, das ist doch nur etwas für kleine Kinder.“, beschwichtigte Amilla.

Oh, sag das bitte nicht. Denn für dieses Spiel braucht man schon eine gehörige Portion Intelligenz und Fantasie. Und das scheinst du beides zu besitzen.“, meinte Witho.

Ich habe keine Fantasie. Ich weiß doch gar nicht was das ist.“, wich Amilla aus.

„Doch Amilla. Davon hast du mehr als genug. Sonst hätte ich dich gar nicht erst angesprochen. Denn nur wer Schmetterlinge lachen hört, weiß auch wie Wolken schmecken. Ich habe dich vorhin beobachtet, und dabei ist mir das gleich aufgefallen.“, antwortete der kleine Zwerg verschmitzt.

"Und wozu brauchst du gerade meine Hilfe?“, fragte Amilla irritiert.
„Weil du eins dieser menschlichen Wesen bist. Denn nur ein Mensch kann uns zum Leben erwecken. Damit wir dann unsere vielen Aufgaben erfüllen können. Denn nur ihr Menschen wisst, wie so ein Elektrotrick Computer funktioniert.“

Was meinst du denn damit? Was ist denn ein Elektrotrick?“

Das will ich dir gerne erklären. Denn das ist so. Diesen Namen hat der Kämpfer Stragrami aus unserer Gilde einmal erfunden. Weil das Leben im Nibiruanerland eben nur mit eurem Strom funktioniert. Also mit elektrischer Energie. Und er sah diesen Strom als einen elektrischen Trick an. Somit ist dann dieser Name entstanden. Verstehst du mich nun?“, fragte der Wicht.

Ach so ist das. Es hört sich jedenfalls äußerst komisch an. Elektrotrick! Aber egal. Bitte, sag mir lieber, welche Aufgaben ihr denn dort lösen müsst?“,

Und der Zwerg antwortete:

Bei uns, ja bei uns da ist fast alles genauso wie bei euch hier draußen im richtigen Leben. Auch wir müssen täglich essen, trinken und schlafen,  uns waschen und dazu hart arbeiten, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Dann müssen wir unser Haus einrichten, mit den erarbeiteten Rohstoffen Handel treiben, laufend die Bösen bekämpfen und draußen im Sumpf verborgene Schätze suchen und finden. Wir müssen in die Arena, nahe unseres Dorfes, um dort sportliche Kämpfe gegeneinander zu führen und zwischendurch noch komplizierte Quests meistern. Du siehst also, es ist fast alles genauso wie bei euch in der menschlichen Welt. Aber einen kleinen Unterschied gibt es da schon. Bei uns, da geht alles viel netter und freundlicher zu als bei den Menschen. Denn von euch, da hört man immer nur von großem Druck, Streit und jeder Menge Stress. Wie haltet ihr das alles nur aus. Ganz ehrlich, ich glaube, dass ihr Menschen noch viel von uns Nibiruanern lernen könntet. Leider fühlt ihr euch allen anderen Lebewesen gegenüber immer so weit überlegen. Obwohl ihr das doch eigentlich gar nicht seid. Und mittlerweile hat es sich auch schon überall herumgesprochen, dass die Natur in der menschlichen Welt sehr, sehr krank ist und nun langsam stirbt. Daran könntet nur ihr etwas ändern. Doch ihr tut es leider nicht...“

Aber nun zu meiner eigentlichen Frage. Bist du so nett und wirst uns helfen? Denn unser bisheriger Betreuer - bei uns heißt er Sitter - der wurde plötzlich schwer krank und musste in ein Hospital. Und nachdem er wieder aus dem Krankenhaus entlassen war, da wurde er mit einem Male sehr mürrisch und depressiv. Plötzlich hatte er keinerlei Interesse mehr an unserer Gesellschaft. Eines Tages sagte er bitterböse:

Sucht euch sofort einen neuen Sitter. Habt ihr kapiert? Und lasst mich dann endlich und für alle Zeiten in Ruhe. Denn ich hab‘ nun genug von eurem verrückten Zwergenland…!“

Das hat mich - und natürlich auch meine Freunde - unglaublich traurig gemacht. Seitdem bin ich auf der verzweifelten Suche nach einem netten Menschen, der uns versteht und auch helfen wird. Und wenn ich nicht bald einen finde, dann müssen wir alle - meine Brüder, Schwestern und natürlich auch ich - sterben. Das ist leider so. Uns wirklich am Leben erhalten könnt eben nur ihr Menschen.“
„Wenn ich dazu bereit wäre, was müsste ich denn tun, um euch in eurer großen Not zu helfen?“, fragte Amilla nervös.

Das ist so. Wirklich helfen kannst du uns nur dann, wenn ein Computer in deinem Besitz ist. Hast du denn solch ein Ding?“

Einen Computer? Ja Witho, den besitze ich schon. Denn den haben mir meine Eltern zum zwölften Geburtstag geschenkt. Und dazu noch, weil in meinem letzten Zeugnis solch gute Noten standen. Darum haben sie ihn mir geschenkt. Obwohl sie leider sehr arm sind.“, sagte Amilla voller aber auch traurigem Stolz.

Oh, du hast tatsächlich einen Computer? Das schon mal gut. Ja, das ist sogar sehr gut. Amilla, du scheinst mir ein gutes Mädchen zu sein.“, meinte der gallische Zwerg und hüpfte dabei hocherfreut auf der Stelle.

Denn dann ist ja das erste Problem schon mal aus der Welt. Und wenn du einverstanden bist und uns hilfst, dann verrate ich dir auch ein Geheimnis. Eine magische Zauberformel. Denn nur mit dieser Formel kannst du uns wieder finden und Kontakt zu uns aufnehmen. Ich trage einen versiegelten Brief bei mir. Und in diesem Brief, da steht dieses Zauberwort.“

Ein richtiges Zauberwort?“, fragte Amilla erstaunt.

„Ja. Eine geheime, magische Formel.“, piepste der Wichtel.

Ich glaube, bei euch heißt so etwas ein Passwort. Und nur mit diesem Wort könnt ihr uns wieder zum Leben erwecken.“

Und wie geht es nun weiter?“, wollte Amilla wissen. Und sie dachte:
‚Wenn ich auch noch nicht auf solch einem großen Seeschiff mitfahren kann, aber vielleicht ergeben sich dort in dem Land der Nibiruaner einige Möglichkeiten Abenteuer zu erleben. Und niemand weiß etwas davon. Das soll auch so bleiben und ist von nun an mein ganz großes Geheimnis.’
Und sie fragte den Zwerg:

Also gut, dann werde ich euch helfen. Denn ich habe gerade Ferien und darum viel Zeit. Aber sage mir bitte, wie geht es nun weiter, was soll ich denn jetzt tun?“

Verstecke mich zunächst in deiner Tasche. Nimm mich mit in dein Zuhause und warte dort solange bis ich dich rufen werde.“, sagte Witho.
„Und achte bitte sorgsam darauf, dass mich andere Menschen erst gar nicht zu Gesicht bekommen. Denn sie können unsere kleine Welt nicht verstehen. Meist lachen sie nur über uns. Viele von ihnen sind einfach zu dumm, um unsere Welt zu begreifen. Hast du mich auch richtig verstanden?“
Amilla bejahte, legte den Rücken ihrer Hand auf den Boden, ließ den kleinen Gallier auf die Handfläche klettern und schob ihn vorsichtig in ihre Jackentasche. Dann stand sie auf, verließ geschwind und gut gelaunt den Hafen und lief schleunigst den Weg zu ihrem Elternhaus zurück. Dort grüßte sie die Mutter und den Vater und ging sofort hinauf auf ihr Zimmer. Dort griff sie vorsichtig in ihre Jackentasche, hörte aber sofort den Zwerg leise flüsternd protestieren:

Halt Amilla. Du solltest doch warten bis ich dich rufe.“                      

„Oh, entschuldige bitte Witho. Das habe ich in der Aufregung ja ganz vergessen.“, flüsterte Amilla nervös.

Doch plötzlich, da war in ihr ein großes Interesse, als Hilfe für die kleinen Nibiruaner einzutreten geweckt. Sie war sich zwar nicht sicher warum, aber irgendwie hatte sie Vertrauen zu diesem Wichtel gewonnen und so beschloss sie, ihn und seine Freunde in der Zukunft zu schützen.

Bist du auch wirklich allein?“, fragte Witho vollkommen unruhig.        

„Ja, im Moment schon. Aber ich weiß leider nicht, wie lange das noch sein wird.“

Gut, dann muss jetzt alles sehr schnell gehen. Versteck’ mich bitte für eine kurze Zeit hier irgendwo in deinem Zimmer. Am besten dort, wo mich auch niemand finden wird. Und dann starte sofort deinen Rechner. Als nächstes gehst du ins Internet und gibst Nibiruaner ein. Und wenn dann das Spielfeld auf dem Bildschirm erscheint, dann kommt die Frage nach den magischen Worten. Öffne den Briefumschlag, gib meinen Namen ein und gleich darunter das Zauberwort. Klick auf Ok, und schon hast du deine Arbeit getan. Dann bin ich wieder frei und endlich zurück in meiner geliebten Welt der Nibiruaner. Und erst dort wirst du mich wieder sehen. Denn dort bin ich Zuhause, brauche mich nicht mehr zu fürchten und vor den Menschen zu verstecken.“

Amilla ging zu ihrem Schreibtisch, startete ihr Laptop und wartete ungeduldig. Als endlich auf dem Bildschirm das Internet erschien, gab sie Nibiruaner ein und erspähte gleich darauf erfreut das Land dieser sieben Zwerge. Sie tippte Withos Formeln ein, und fast im gleichen Augenblick war der Wichtel von ihrem Schreibtisch verschwunden. Jedoch schon kurze Zeit später sah sie ihn im Land der Nibiruaner wieder. Der winkte ihr zu und sagte geheimnisvoll in einer Sprechblase:

Der erste Schritt ist nun getan, Amilla. Nur, verlasse uns bitte in den nächsten Tagen nicht. Warte wenigstens solange, bis Charly gesund ist und uns vielleicht wieder selbst betreut. Und vernichte den Brief mit der magischen Formel. Die musst du aber vorher unbedingt auswendig lernen. Und die darf niemand außer dir zu Gesicht oder zu Ohren bekommen. Denn jeder der sie kennt, der kann uns zu jeder Zeit vernichten. Und du weißt doch sicher, es gibt so viele böse Menschen auf eurer Welt. Traue nichts und niemandem, sondern immer nur dir selbst. Leider ist das nun mal so. Verstehst du mich, Amilla?“

Ja Witho. Obwohl ich noch sehr jung bin, hat man auch mich in meinem Leben schon sehr oft enttäuscht.“

Dann hast du ja schon viel gelernt. Aber sage mir. Ich kann mich doch auf dich verlassen, Amilla?“, fragte Witho nervös.

Ja, frag mich nicht so dumm. Denn das kannst du ganz bestimmt, mein Freund. Und natürlich auch deine anderen Freunde. Wenn eine Amilla etwas verspricht, dann hält sie das auch. Aber sag mir bitte. Sind in eurem Nibiruanerland eigentlich all die Anderen auch so nett wie du es zu mir bist?“, fragte Amilla und wurde von einer inneren Unruhe geplagt.

Ja, aber gewiss doch. Das sind sie eigentlich alle. Das heißt, bis auf die Nachkommen des Druiden. Seine bitterbösen Zöglinge. Die sind äußerst gefährlich. Und wir müssen sie bekämpfen, sobald sie bei uns auftauchen. Und sie tauchen immer wieder auf. In jeder Generation wiederholt sich das. Manche von uns haben diese Aufgabe noch vor sich. Aber erst dann, wenn sie stark genug sind und gute Waffen mit sich führen.“

Gut. Ich werde tun was in meiner Macht steht, um euch zu helfen.“, sagte Amilla, nun wieder leise flüsternd.

"Aber ich will dann auch zu euch, in eure kleine Welt, um dort genauso wie ihr große Abenteuer zu bestehen.“

Dann komm doch einfach zu uns, denn das ist gar nicht so schwer. Aber erst am Morgen, dann werde ich dir erklären was du dafür tun musst. Denn die letzten drei Tage waren für mich äußerst anstrengend. Und nun fühle ich mich sehr, sehr müde. Kannst du das verstehen?“

Natürlich verstehe ich das, Witho. Also, dann schlaf gut.“

Du auch Amilla. Und vergiss uns bitte nicht.“

Nein, nicht schon wieder die alte Leier.’, dachte Amilla genervt und ging schlafen.

Am nächsten Morgen wurde das Mädchen schon früh wach, und wurde schon wieder von einer inneren Unruhe geschüttelt. Sogleich fragte sie sich, ob das Erlebte vielleicht alles nur ein Traum war. Sofort stand sie auf und ging zu ihrer Schultasche. Denn dort hatte sie am Abend zuvor den Wichtel versteckt, fand ihn nun aber nicht wieder.                         

‚Er ist ja garnicht mehr dort.’, dachte Amilla und wurde dabei traurig. Verzweifelt durchsuchte sie ihre Tasche, konnte Witho den Zwerg jedoch nirgends entdecken.

Also war das wohl doch alles nur ein Traum.’, dachte sie enttäuscht.
'Diesen Witho, den gibt es in Wahrheit ja gar nicht.’

Angestrengt grübelte sie nach, und plötzlich fiel ihr ein, dass sie den gallischen Wichtel - schon am Abend zuvor - zurück in seine eigene Welt gebracht hatte. Sofort startete sie ihr Laptop und gleich darauf fiel ihr auch wieder die Zauberformel ein. Und nur kurze Zeit später, da tauchte auf ihrem Bildschirm das verwunschene Land der kleinen Nibiruaner auf. Nachdem sie die magischen Worte notiert hatte, erschien auch Zwerg Witho auf der Mattscheibe.

Ich bin hocherfreut dich wieder zu sehen!“, empfing er sie mit dem strahlensten Lächeln seines Lebens. Und er fügte hinzu:

„Unten auf deinem Bildschirm, da siehst du ein kleines freies Fenster. Und wenn du mir etwas sagen möchtest, dann schreib es dort hinein. Ich werde dir auch gleich darauf antworten.“ 

Amilla sah den Balken, klickte ihn an und schrieb:

"Guten Morgen, Witho mein kleiner Freund. Hast auch du so gut geschlafen?“
„Allerbestens Amilla. Denn nun bin ich ja wieder zurück in der schönsten aller Welten.“

Bitte Witho, dann erklär' mir jetzt sofort, wie auch ich in eure kleine Welt komme.“

Das ist eigentlich gar nicht so schwer.“, sagte der Wicht.

Also, dann pass nun gut auf. Dazu brauchst du zunächst einmal eine E-Mail Adresse, also einen elektronischen Briefkasten. Hast du denn so etwas?“

Ja natürlich. Genauso wie auch all meine Freundinnen. Als ich meinen Computer geschenkt bekam hat sie mir mein Vater gleich eingerichtet.“

Gut, jetzt brauchst du noch einen persönlichen Namen und ein Passwort, also die berühmte Zauberformel. Such dir ein Wort aus, das du dir auch gut merken kannst. Als Namen kannst du deinen eigenen Namen nehmen. Das heißt, sofern es ihn noch nicht gibt. Denn in diesem Spiel, da gibt es jeden Namen nur ein einziges Mal. Ab heute heißt du bei uns Amilla, genauso wie in deiner Welt. Sollte der Name jedoch schon vergeben sein, dann setzt du einfach einen Stern davor und dahinter ein. Hast du mich richtig verstanden?“                        

„Gewiss doch Witho.“, meinte Amilla.

Und nun gib alles ein, und kurz darauf bist du schon bei uns und lernst eine ganz neue Welt kennen. Wir sehen uns bei deinem Onkel Honorio. Das ist dein Nibiruaneronkel, von dem du auch bald sein Häuschen erben wirst. Denn du sollst nun seine Nachfolgerin werden. Und wenn du in der nächsten Zeit erst einmal die Stufe Fünf erreicht hast, dann kannst du auch in unsere große Gilde ‚Valparaiso’ eintreten. Du bist dann unser achtes Mitglied, und dir gehört dort - wie einem jedem von uns - ein eigenes Bett. Und du genießt genauso wie wir alle, die Vorteile die eine Gilde zu bieten hat. Und nun verlier keine Zeit, denn das Leben ist viel zu kurz um es zu verbummeln. Mach jetzt hinne. Wir warten so sehr auf dich. Kannst du dir denn auch alles merken, was ich dir gerade erzählt habe?“

Ja natürlich Witho. Ich bin doch nicht blöd.“

Moment, da ist noch etwas Amilla. Dich selbst, ja dich selbst gibt es gleich zweimal. Die Kleine und die Große.“, schrieb der Zwerg ungeduldig.
„Das kann ich mir denken und bin ja auch schon unterwegs.“, schrieb Amilla zurück und machte sich an die Arbeit. Sie verschaffte sich den Zugang zum Spiel, gab weiblich, Gallierin und dazu *Amilla* ein und dachte angestrengt über ein Passwort nach.

Ich brauche ein Wort, das ich niemals vergessen werde.’, sagte sie sich. Daraufhin sah sich noch einmal das Passwort von Witho an. Ohtiw las sie dort. Ohtiw? Was ist denn das für ein komisches Wort, dachte sie zunächst. Doch dann fiel ihr auf, dass dieses Wort Ohtiw nichts anderes als Witho bedeutete. Und zwar in Spiegelschrift oder von hinten gelesen.

Ganz schön raffiniert von diesem Wichtel, dachte Amilla. Er hat seinen Namen einfach herumgedreht. Wenn ich das auch so mache, dann heißt mein Passwort Allima. Das kann ich mir auch sehr gut merken.’, sagte sie sich zufrieden.

Und da sie nun endlich ihre magische Formel gefunden hatte, begann für sie die große Reise ins Wunderland der Nibiruaner...


Fortsetzung folgt


 


                                                       Die Entführung…

 

Schon am frühen Morgen erkannte die Römerin Phytia - beim Blick aus ihrem Küchenfenster - den kleinen dunklen Schatten, der sich hinter dichten Sträuchern und Büschwerk verbergend, durch die heimatlich dörfliche Gemeinde schlich. Es war einer dieser Zöglinge des Druiden, der wohl wieder etwas düsteres im Schilde führte.

‚Da sind sie also mal wieder.’, sagte sich Phytia verängstigt.

‚Ich sollte jetzt sofort all meine Freunde vor ihm warnen, bevor ein noch größeres Unheil geschieht.’, dachte sie und verließ ihr Häuschen über die hinten am Garten gelegenen hölzernen Pforte. Dann lief sie ein Stück durch den angrenzenden, von Pilzen bewachsenen Mischwald und blickte auf den Hauptweg hinunter zum Dorf.

Dort sah sie Stragrami, der laut ächzend - so wie schon seit jeher gewohnt, einen seiner - schon am frühen Morgen gefällten - Bäume zum Marktplatz hinunter schleppte.

„Stragrami, Stragrami, so bleib doch stehen und höre mir zu...!“, zischte sie ihm leise entgegen. Der Kämpfer wandte sich überrascht in ihre Richtung und erkannte, dass sie einen Finger vor ihrem Mund hielt.

„Psssst, ganz leise Stragi. Einer der Winzlinge macht wieder unsere Gegend unsicher. Ich habe ihn vorhin von meinem Küchenfenster aus durch die Büsche unten am Marktplatz huschen sehen. Mir war bei seinem Anblick angst und bange. Wir sollten sofort dem Witho davon berichten. Der weiß doch sicher was nun zu tun ist.“

Stragrami stellte vorsichtig seine gefällte Buche auf den Boden und gesellte sich schleunigst zu Phytia, die sich nervös am Wegesrand verborgen hielt.

„Du hast tatsächlich einen dieser Zöglinge gesehen?“

„Ja, Und das ist noch gar nicht allzu lange her.“, antwortete sie aufgeregt, nachdem sie auf einem Baumstumpf Platz genommen hatte.

„Dann lass uns gleich zur Gilde laufen.“, meinte der Kämpfer.           „Denn soviel mir bekannt ist, wollte Witho am heutigen Morgen die monatliche Abrechnung für unsere Gilde schreiben.“

"Gut zu wissen, dann brauchen wir ihn ja erst gar nicht zu suchen."

Und sofort machten sich die Beiden - dabei auch weiter hinter dem schützenden Buschwerk verbergend - auf den Weg zu ihrem Gildenhaus. Draußen vor dem Haus, da stand Xtine und war gerade dabei, die von ihr gewaschene Wäsche der Mitglieder zum Trocknen aufzuhängen.

„Hallo Xtine, komm doch bitte sofort mit uns. Denn es gibt eine erschreckende Nachricht.“

„Was ist denn passiert? Ihr seid ja ganz aufgekratzt...“, fragte Xtine irritiert.

„Dafür gibt es auch einen triftigen Grund. Aber warte bis wir bei Witho sind, dann erfährst du mehr.“

Die Drei gingen ins Haus, liefen die lange Diele hinunter und betraten ihr Versammlungszimmer. Witho, der angestrengt über seinen Rechnungen brütete, sah erschreckt von seinem Schreibpult auf und fragte nervös:

„Gleich Drei auf einmal? Und dazu zu solch früher Stunde? Wenn mich nicht alles täuscht, dann stimmt doch irgendetwas nicht. Sagt mir sofort was geschehen ist.“

„Noch ist nichts geschehen Witho. Aber man weiß bei den verfluchten Winzlingen ja nie so genau was sie nun wieder im Schilde führen.“

„Winzlinge? Wem von euch sind sie denn über den Weg gelaufen?“, wollte Witho wissen.

„Mir Witho. Aber es war nur ein Zögling.", sagte Phytia von Unruhe geschüttelt.                                                                                    

"Ich hab einen von ihnen gleich heut’ Morgen, beim Blick aus meinem Fenster, verstohlen durchs Dorf huschen sehen. Er trug einen Sack unter seinem Arm. Und dieser Sack zappelte ganz gewaltig.“, sagte Phytia und war aufs höchste erregt.

„Einen zappelnden Sack sagst du?“, fragte der Gildenchef.

„Ja Witho. So ein alter verwitterter Sack war das. Aber mein Fenster war noch verschlossen, deshalb war kein Laut zu hören.“

„Also, dann halten wir zunächst einmal fest. Tatsache ist, dass wieder ein Winzling sein Unwesen zu treiben scheint. Schließlich hat ihn Phytia gesehen. Tatsache ist auch, dass er in einem Sack etwas fortschleppte, was sich heftig zu wehren schien. Habe ich das bis jetzt alles richtig verstanden?“

„Ja, genauso ist es gewesen.“, pflichtete ihm Phytia bei.

„Dann schlage ich euch vor, zunächst all unsere Freunde zusammen zu trommeln, denn so etwas sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir wissen doch alle, welche Gefahr von dieser Teufelsbrut ausgeht. Von nun an werden wir uns bis auf weiteres nur noch in Dreiergruppen durch unsere Gemeinde bewegen. Das ist zwar auch kein perfekter Schutz, aber drei Nibiruianer sehen nun mal mehr als einer allein. Jeder von uns sollte von nun an seine Waffen und Ausrüstung mit sich führen. Zwei von euch packen Proviant für unsere ganze Sippe - für mindestens drei volle Tage - ein. Wer weiß wie lange unsere Expedition dauern wird. Alles klar oder habt ihr noch Fragen?“

„Nein Witho, uns ist bis jetzt soweit alles klar. Aber sollten wir nicht vorher noch dem Wachmann Rombo davon berichten? Du weißt doch, dass der immer sehr sauer reagiert wenn man ihn bei so einer Sache übergeht.", warf Nitron ein.

„Du hast ganz recht Nitron. Das dürfen wir auf keinen Fall vergessen. Jeder von euch holt sich jetzt seine Ausrüstung und wir treffen uns in einer halben Stunde wieder hier bei mir. Einverstanden?“

Nachdem alle ihre Zustimmung gegeben hatten, wollte jeder zu seinem Haus, um seine Ausrüstung zu besorgen. Doch Witho hielt sie sofort zurück, indem er sagte:

„Halt Freunde, ich habe euch doch eben gesagt, dass wir im Moment nur noch zu dritt durchs Gelände laufen. Doch jeder von euch rennt in eine andere Richtung. Von nun an nur noch zu dritt. Haltet euch bitte daran, denn das ist viel sicherer.“

Und so machten sie sich gemeinsam auf den Weg. Informierten gleich ihre Freunde, und gingen dann gemeinsam zu ihrem jeweiligen Haus. Nachdem alle wieder vereint waren, sollte es zunächst zum Wachmann Rombo gehen. Der döste - so wie gewohnt - oben an der Kreuzung seinen täglichen Dienst ab.

„Guten Tag Rombo.“, sprach ihn Witho an. Wir sind alle hier, um eine wichtige Frage an dich zu stellen. Ist dir heute schon irgendetwas ungewöhnliches  aufgefallen?“       

Daraufhin streckte sich der Wachmann verschlafen und meinte:

„Mir selbst nicht. Aber der stets betrunkene Honorio torkelte vorhin wieder mal an mir vorbei und er lallte mir etwas von schemenhaften Gnomen vor, die er in unserem Gebiet gesehen haben will. Ich hab’ ihn aber nicht für voll genommen. Denn ich kenne ihn ja schon lang genug. Er trug wieder eine Weinflasche mit sich herum. Und ihr wisst doch, wenn er trinkt, dann schlägt seine Fantasie nunmal Purzelbäume. Sonst ist mir aber heute nichts aufgefallen.“, antwortete der Wächter.

„Nimm das Gesagte von Honorio nicht auf die leichte Schulter, Rombo. Denn auch unsere Phytia hat schon am frühen Morgen von ihrem Haus aus eine mehr als üble Entdeckung gemacht.“, sagte Witho.

„Deshalb sind wir ja auch alle gemeinsam hier.“

„So? Was hast du denn gesehen Phytia?“

Und die kleine Römerin erstattete dem großen Wachmann ihren Bericht über das Erlebte. Der runzelte seine Stirn und meinte zu Amilla gewandt:

„Dann habe ich deinem Onkel Honorio ja vollkommen unrecht getan. An der Sache ist also doch etwas dran.“

"So wie es zurzeit aussieht, scheint der Winzling wohl etwas entwendet zu haben. Denn Phytia sah, dass der Gnom einen zappelnden Sack unter dem Arm trug.“, antwortete Amilla.

„Einen zappelnden Sack sagst du?“

„Ja, sogar einen stark zappelnden Sack. Ich konnte zwar nicht hören was dieser Zögling sagte, aber er redete ununterbrochen auf den Sack ein. Wer dort wohl drin war?“, antwortete Phytia fragend und in hellster Aufregung.“

„Das ist ja alles höchst interessant.“, grübelte Rombo nachdenklich und entschied daraufhin:

„Von jetzt an übernehme ich das Kommando. Schließlich bin ich für die Sicherheit der Dorfbewohner verantwortlich und somit für die Aufklärung der Sache zuständig. Wir bleiben von nun an am besten alle zusammen und durchstreifen gemeinsam Stück für Stück die nähere und weitere Umgebung. Achtet dabei vor allem auf irgendwelche Spuren. Auch wenn sie euch zunächst unbedeutend erscheinen. Denn jeder noch so kleine Hinweis könnte uns bei der Aufklärung des Falles sehr nützlich sein.“, schloss der Wachmann - mit äußerst angespannten Gesichtszügen - seine Ansprache.

Man gruppierte sich wieder und begann darauf vorsichtig die Umgebung zu durchstreifen. Rombo meinte:

„Lasst uns nun erst einmal die Dorfbewohner befragen. Vielleicht haben wir ja Glück und bekommen von denen den entscheidenden Hinweis.“

Zunächst machten sie sich auf den Weg zu Karamix. Der stand vor seinem Haus und übte wieder seine Hammerwurfkünste. Der Wachmann ging auf ihn zu, grüßte und fragte:

„Hallo Meister. Ist dir heute irgendetwas ungewöhnliches aufgefallen?“

„Nicht das ich wüsste.“, antwortete Karamix.

„Wo sind denn deine Kinder? Sind sie im Haus?“, fragte Rombo weiter.

„Ja, und sie spielen schon den ganzen Morgen mit den neuen Bauklötzen die ich ihnen gestern gebastelt habe. Aber ihr alle in einer so großen Gruppe bei mir? Und dazu so aufgeregt? Da ist doch bestimmt etwas passiert.“

„Das kann man wohl sagen mein Freund.“, sagte nun Nitron finster.

„Unsere Phytia, die hat am frühen Morgen - gleich gegenüber ihrem Haus - einen dieser widerlichen Druidenzöglinge erspäht. Und er war diesmal nicht allein. Er schleppte einen zappelnden Sack mit sich herum. Das hat doch bestimmt nichts Gutes zu bedeuten.“

„Da könntest du durchaus Recht haben. Gerade in der letzten Zeit, da geschehen eine Reihe recht eigenartiger Dinge. Denkt nur einmal an den Überfall auf Tenkel dem Wirt. Mittlerweile fragt man sich ernsthaft, was dieses Gesindel diesmal wieder ausheckt.“

„Gut Karamax, wenn du uns nicht weiterhelfen kannst, dann gehen wir als nächstes runter zum Weinberg und werden mit Jaloisus reden. Und gleich gegenüber, da verkauft doch der Ölhändler Livensius seine Ware. Karamix, willst du uns begleiten?“, fragte Rombo.

„Herzlich gern liebe Freunde. Aber mir sind doch die Hände gebunden. Denkt nur an meine Kinder. Die kann ich doch gerade jetzt nicht allein zurücklassen.“

„Da muß ich dir recht geben. Die Kinder gehen selbstverständlich vor. Aber halte bitte wachsam deine Augen und Ohren offen, hörst du?“

„Natürlich Rombo, schließlich war auch ich mal ein Krieger.“, sagte der und widmete sich dann wieder seinen Hammerwurfkünsten.

Die Freunde machten sich weiter auf den Weg. Unten, zwischen den Felsen am Wasserfall, da sprang ihnen eine Ricke über den Weg und flüsterte:

„Vorsicht Freunde. Ich möchte euch warnen.“, sagte das Reh. Das hier ist meine Heimat, hier bin ich Zuhause. Aber seit heute Vormittag, da fühl ich mich einfach nicht mehr sicher.“

Sofort spitzte Rombo seine Ohren und fragte leise:

„Warum fühlst du dich mehr sicher? Was hat dich so nervös gemacht?“

„Drüben, ich äste gerade südlich von Filous Haus, da sauste so eine kleine und furchterregende Gestalt an mir vorbei und fauchte mich an:

„Aus dem Weg du jämmerlicher Nichtsnutz.", und gleich darauf war er schon wieder im Unterholz verschwunden. Seitdem fühle ich mich in meiner Haut einfach nicht mehr wohl.“, sagte das Reh unruhig.

„Trug die Gestalt etwas mit sich?“, fragte der Wächter.

„Alles ging sehr schnell, aber soviel ich noch sehen konnte, trug dieser Wichtel einen zappelnden Sack oder Beutel mit sich herum. Aus Angst habe ich gleich darauf meine beiden Kitze in einer Baumhöhle versteckt.“, antwortete die Ricke ängstlich.

„Danke, damit hast du uns sehr geholfen.“, sagte Rombo, wandte sich dann den Freunden zu und meinte:

„Leute, ich glaube hier sind wir auf der richtigen Fährte. Nur gut das auch die Tiere Augen und Ohren offen halten. Das gilt jetzt auch doppelt so sehr für uns. Beobachtet ganz genau die Umgebung und spitzt eure Lauscher.“

Sie gingen hinüber zu Filous Haus und entdeckten an der Tür einen Zettel mit kaum leserlichen Worten. Rombo meinte:

„Die Schrift ist sehr unleserlich, somit scheint der Wisch schon einige Tage dem Regen ausgesetzt gewesen zu sein. Ich will doch mal sehen, ob ich erkenne, was Filou seinen Besuchern zu sagen hat.“

 

Bin für einige Tage auf Geschäftsreise. Melde mich nach meiner Rückkehr. Filou…

 

„Wo sich dieser Hallodri wohl diesmal wieder herumtreibt. Wenn man ihn einmal braucht dann ist er meist nicht da.“, gab Rombo fluchend von sich und hing den Zettel wieder an die Tür. Er prüfte ob sie verschlossen war und sagte beruhigt:

„Naja, wenigstens hat er dieses Mal daran gedacht seine Haustür abzuschließen. Als ich noch meinen Dienst hier unten im Tal verrichtete, da habe ich sie täglich - bei meinen Rundgängen - verschlossen und dafür jeden Tag zum Feierabend ’ne leckere Pizza mit viel Ziegenkäse von ihm bekommen. Ja, das waren noch gute Zeiten.“, murmelte er beruhigt, drehte sich in Richtung der Freunde und meinte:

„Filou ist also fürs Erste abgehakt. Machen wir uns also weiter auf den Weg zum Weinhändler.“

Da gerade die Zeit der Weinlese anstand, fanden sie Jolaisus oben in seinem Weinberg bei der Ernte. Der staunte nicht schlecht, als die große Schar bei ihm auftauchte und fragte:

„Hallo liebe Freunde. Gibt’s was zu feiern, oder wollt ihr mir bei der Lese helfen?“

„Weder das Eine noch das Andere Jolaisus. Wir sind vielmehr auf der Jagd nach einem dieser gefährlichen Winzlinge des Druiden. Soviel ich weiß, hast Du doch auch schon mal erheblichen Ärger mit ihnen gehabt. Und einer von ihnen scheint etwas verbrochen zu haben. Er schleppt seit heut’ Morgen einen zappelnden Sack mit sich rum und scheint darin etwas mit sich zu führen, was ihm gar nicht gehört. Ist diese Gestalt von dir auf deinem Besitz gesehen worden?“

„Von denen soll sich bei mir nur keiner mehr blicken lassen. Das sag ich euch. Dann drehe ich durch. Im letzten Jahr haben sie sich in meinen Weinreben ausgetobt und dabei eine große Verwüstung hinterlassen. Die Teufelsbrut hasse ich wie sonst nichts im Nibiruland.“, sagte Jolaisus äußerst erbost.

„Dann kannst du uns also auch nicht weiterhelfen.“, meinte Rombo sichtlich enttäuscht. Mit einem Leuchten in seinen Augen antwortete der Winzer:

„Moment, eventuell kann ich das doch. Schaut doch mal her. Diesen violetten Knopf hier, den habe ich vorhin zwischen den Reben gefunden. Mir gehört er nicht, aber vielleicht einem dieser Winzlinge. So einen komischen Knopf habe ich bisher noch nie gesehen.“

Rombo nahm den Knopf entgegen, sah ihn sich genauer an und sagte:

„Vielleicht ist das ein Indiz. Immerhin schon mal ein Hinweis. Danke dir sehr Jolaisus. Den Knopf nehme ich mit, denn es könnte sich bei ihm um Beweismaterial handeln. Aber wir müssen jetzt weiter.“

Sie liefen noch ein Stück durch die herbstlichen Wälder und Felder und machten daraufhin - an einem Feldrain - eine mittägliche Rast. Hoch über ihnen trillerte eine unscheinbare Lerche ihr gewohntes Lied. Xtine packte die mitgebrachte Verpflegung aus und verteilte sie gleich an die Freunde. Die mundete den Nibiru-Detektiven auf das Köstlichste. Shanty wandte sich an Rombo und fragte:

„Nun stellt sich erneut die Frage, was nun? Wo machen wir weiter?“

„Gute Frage. Ins gallische Reich sollten wir vielleicht gehen. Denn da gibt es doch meines Wissens nach den Wirt Stan von der Taverne 'Zur wilden Sau' und dort gleich gegenüber hat doch Koramix, der Bruder von Karamix sein Häuschen. Die Pizzeria von Filou wird geschlossen sein, denn der ist ja auf der Reise und er ist dermaßen misstrauisch, dass er nie eine Vertretung einstellt. Also gehen wir zunächst zum Haus von Stan und dann zu Koramix. Und wenn das auch nichts bringt, dann sollten wir den Wirt Tenkel aufsuchen. Schließlich hat auch der ’ne gut gehende Taverne. Und auch bei ihm treibt sich manchmal allerlei ungesetzliches Volk herum. Na, was meint ihr zu meinem Vorschlag?“

„Du scheinst das alles gut im Griff zu haben, Rombo. Wir folgen dir auf Schritt und Tritt.“, meldete sich nun zum ersten Mal Stragrami zu Wort. Und da allesamt zustimmend nickten, setzten sie ihren Weg fort.

Der Weg ins gallische Reich zog sich endlos hin. Doch letztendlich sahen sie in der Ferne die kleine Brücke, über die sie nach Gallien gelangen wollten. Da die Grenzen alle frei waren und sie somit niemand aufzuhalten schien, überquerten sie den kleinen Fluss, und  liefen dann schnurstracks weiter zur Kneipe von Stan, dem ehemaligen Piraten. Hektisch wie immer hüpfte der hinter seinem Tresen herum.

„Hallo Stan! Sind vielleicht dir die verwegenen Winzlinge über den Weg gelaufen?“, fragte Rombo.

„Nein, bis jetzt noch nicht. Ihr sucht diese Meute? Was haben sie denn dieses Mal wieder verbrochen?“

„Das wissen wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Nur soviel, dass einer von ihnen einen alten Sack mit sich herumschleppt. Einen stark zappelnden Sack. Und da ist noch etwas. Der Winzer Jolaisus ist gerade bei der Weinlese, und er hat am heutigen Morgen diesen seltsamen Knopf gefunden.", sagte Rombo und reichte ihn dem Wirt hinüber. Der sah ihn sich genau an und meinte:

„Ich würde euch ja gerne helfen. Aber ich weiß zumindest ziemlich genau wo der Knopf herkommt. Er ist genauso violett wie die Kleidung der ins Urstromtal verbannten Zöglinge. Das habe ich von einem Gast erfahren, der schon einmal in diesem unwirklichen Gebiet war, und auf der Suche nach dem Pinkdiamanten, ist ihm der Knopf in die Hände gefallen. Aber da diese Dinger sehr gefährlich sind, hat er ihn gleich in einem tiefen See versenkt und somit unschädlich gemacht. Aber ich werde von nun an meine Augen und Ohren offenhalten. Schließlich hat unsereiner die besten Verbindungen. Und vor einigen Tagen, da hörte ich von einem anderen Gast, dass diese Brut in der letzten Zeit öfters wieder an der kleinen Brücke, die hinüber ins verbotene Gebiet führt ihr Unwesen treiben soll. Dann wird der Druide wohl auch wieder in der Nähe sein. Hört das denn niemals auf?“, fragte Stan die Anwesenden.

„So wie es aussieht wohl nicht.“, grübelte Rombo.

„Benachrichtige uns aber sofort wenn sich etwas Verdächtiges bei dir tut, Stan.“

Die Gruppe verließ Stans Taverne und lief hinüber zu Koramax. Doch er und seine Familie waren in Urlaub gefahren und konnten ihnen somit auch nicht weiterhelfen. Sogleich machten sich die Freunde zurück in ihr eigenes Dorf. Dort überquerten sie den Marktplatz und als sie sich auf dem Weg zu Tenkels Kneipe befanden, da hörten sie ein Pfeifen hinter sich ertönen und wie ein Wirbelwind düste der gesuchte Zögling zwischen ihnen hindurch. Rombo versuchte ihn noch zu packen, aber der Winzling glitt ihm wieder aus den Händen.

„Pech gehabt ihr Dumpfbacken.“, hörten sie ihn noch feixen, und schon war er wieder im Unterholz verschwunden.

„Aber seht doch mal her was ich hier habe. Was ist denn das?“, sagte Rombo laut triumphierend. Er öffnete seine Hand und dort blinkte wieder so ein violetter Knopf zwischen seinen Fingern. Sofort wurde der Knopf mit dem Ersten vom Weinberg verglichen. Und siehe da, die Beiden glichen sich wie ein Ei dem anderen.

„Damit hätten wir den unumstößlichen Beweis. Der Knopf von Jolaisus Weinberg gehört also auch einem der Zöglinge. Und soviel ich erkennen konnte ist diese Ausgeburt der Hölle in Richtung unserer Arena entschwunden. Also sollten wir uns sofort auf den Weg zur Kräuterhexe Marizia machen und sie warnen.“, sagte Rombo.

„Ihr werden sie nichts tun, denn sie hat magische Hexenkräfte. Davor haben die Winzlinge einen großen Respekt.“, warf Tinitussi ein.

Trotzdem machten sie sich sogleich auf den Weg zu ihr. Wirt Tenkel stand vor seiner Taverne und wartete Händchen reibend auf gut zahlende Gäste.

„Herein spaziert liebe Leute. Bei mir gibt’s alles was euer Herz begehrt.“

„Dafür haben keine jetzt Zeit, wir sind auf der Fährte eines flüchtigen Winzlings. Ist er hier vorbeigehuscht, Tenkel?“, fragte Rombo.

„Nein, heute habe ich noch niemanden gesehen. Aber wenn ihr mich so fragt. Gestern zur Mittagszeit, da trieben sich zwei düstere Gestalten vor meiner Taverne rum. Sie sahen aus als könnte man ihnen nicht über den Weg trauen. Ich hatte gleich das Gefühl das ist Diebesgesindel. Und ich werde mir für die Zukunft zur Sicherheit wieder einen Leibwächter anheuern.“, meinte der furchtsame Wirt.

„Mach das Tenkel. Vielleicht kehren wir auf dem Rückweg noch bei dir ein.“, sagte Rombo und es ging sofort weiter. Oben an der Weggabelung bogen sie ab und erblickten in nicht allzuweiter Ferne ihre Arena. Noch immer lagen die Reste der von Amilla gefällten Buche verstreut am Wegesrand. Die Freundesgruppe überquerte den plätschernden Bach, lief ein Stück durch unwirtliches wild wucherndes Gestrüpp, bemerkte den schmalen Pfad, der sich durchs Unterholz schlängelte und sah kurz darauf das alte und verwitterte Baumhaus von Marizia vor sich liegen. Das alte Mütterchen saß laut weinend auf einem Baumstumpf vor ihrer Hütte, als sie überrascht die Schar der Nibiruaner unter der Führung von Rombo erblickte. Sofort lief Amilla auf sie zu und fragte erschüttert:

„Marizia, Marizia was ist denn geschehen das dich so traurig macht?“

„Ach, meine liebe Amilla. Ich hatte doch dein Wanderschwein Amilline bei mir in Verwahrung. Und was soll ich dir sagen. Ich war nur kurz weg um Kräuter und Pilze zu suchen. Und als ich zurückkam, da war Amilline verschwunden. Das Gatter stand weit offen und ihr Gehege war leer.“

„Wann ist das denn passiert?“, mischte sich nun Rombo ein.

„Gestern am späten Nachmittag. Seitdem komme ich einfach nicht mehr zur Ruhe.“, jammerte Marizia vollkommen aufgelöst.

„Aha, schon wieder ein sicherer Hinweis. Amillas Amilline ist also auch verschwunden. Und ein im Sack gefangenes Schwein zappelt nun mal unaufhörlich.“, sagte Rombo streng nachdenkend.

„Aber wozu sollte das Gesindel gerade Amilline entführen? Das will mir einfach nicht in den Kopf.“, grübelte der Wächter.

„Aber mir kommt da ein Verdacht.“, meldete sich Marizia und vergaß für einen kurzen Moment ihr Schluchzen.

„Amilline hat doch damals mit mir die Schulbank für Hexen gedrückt. Da war sie noch eine Nibiruanerin und eine gute Schülerin dazu. Solange, bis sie eines Tages von einem bösen Mann entführt und seitdem lange nicht mehr gesehen wurde. Damals tauchte das Gerücht auf, sie sei angeblich verzaubert worden. Erst durch das Auftauchen von Amilla sah ich sie in der jetzigen Gestalt als Wanderschwein wieder. Amilla, erinnerst du dich, als Amiline und ich uns bei deinem ersten Besuch so stürmisch begrüßt haben?“

„Ja natürlich. Und ich habe dich gefragt woher ihr euch denn kennt.“

„Das hängt wohl alles mit diesem Fluch zusammen, den der Druide aussprach, nachdem er von Amillas Onkel Honorio unter den Tisch von Tenkels Kneipe getrunken wurde. Und bei der anschließenden Rauferei soll auch das Glücksamulett in drei gleiche Teile zerbrochen sein und verschwand auf eine ungewöhnliche Art. Ich habe jedenfalls damals dieses Gerücht vernommen.“, mischte sich nun Rombo ein.

„Genau dort müssen wir wohl nachhaken. Aber zunächst sollten wir Marizias Gelände gründlich durchsuchen...

 

 

 Fortsetzung folgt…

COPYRIGHT © Der Titel ist bei Lektoren.ch unter Hinweis auf § 5 Abs. 3 MarkenG in allen Schreibweisen und Darstellungsformen geschützt und im Online-Titelschutz-Anzeiger veröffentlicht worden. Das Manuskript, einschließlich all seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikrovervielfältigungen und die Einspeicherung und/oder die Verarbeitung in elektronische Systeme. Copyright © 2011.-----------------------------------

 

 

Amillas Reise nach Fantasien…

 

Amilla und Witho wühlten sich an diesem Vormittag gemeinsam - nördlich ihres Dorfes durchs Moor, um erneut einen Schatz zu suchen. Doch sie hatten diesmal kein Glück. Zwar fanden beide eine vermoderte Truhe, aber deren Inhalt ließ sie keine Lüftsprünge vollbringen. Plötzlich überraschte Amilla den Gildenchef mit einer Frage.

„Witho, gibt es neben eurer eigentlich noch eine ganz andere Welt?“

„Warum fragst du mich danach?“, wollte Witho wissen.

„Weil ich eine neugierige Nibiruanerin bin. Und mich nun mal alles Neue interessiert. Ich habe vor kurzer Zeit ein Gespräch belauscht, und währenddessen etwas von einer alternativen Welt erfahren, die neben unserer Welt existiert. Wenn auch du etwas davon weißt, dann erzähle mir doch bitte etwas mehr davon.“, sagte Amilla voller Erwartung.

„Du hast also gelauscht? Aber du solltest wissen, das sich so etwas nicht gehört.“

„Ja, das weiß ich ja. Aber das war ein reiner Zufall. Und zwar bei einem Gemeinschaftsessen in einem der Clubs.“, antwortete Amilla errötend.

„Naja. Also das ist so. Ja es gibt diese parallele Welt, aber vor ihr sollte man sich sehr hüten. Denn dort geschehen recht eigenartige Dinge.“, sagte Witho geheimnisvoll.

„Ich würde dir am liebsten erst gar nichts davon erzählen.“

„Doch Witho, erzähl mir bitte etwas von ihr.“, drängte Amilla.

„Jedenfalls ist diese Welt äußerst gefährlich. Sie ist wirklich niemandem zu empfehlen. Dort gibt es geisterhafte Wesen, die unsichtbaren, verstoßenen Geister der Druidenzöglinge spuken dort herum und die warten dort nur auf einen Fehler der Besucher.“, versuchte Witho auszuweichen.

„Warum sind sie denn Verstoßene?“, wollte Amilla wissen.

„Weil sie bei uns im Nibiruanerland einmal gegen die Regeln des Druiden verstoßen haben. Daraufhin wurden sie von ihm in dieses Urstromtal verbannt. Und sie dürfen nur wieder zurück, wenn sie dort drüben genug Dumme eingefangen haben. Dazu sind sie im Besitz des Pinkdiamanten. Dabei handelt es sich um ein Symbol des Bösen. Erst wenn es jemandem gelingt ihnen diesen Diamanten zu entwenden und ihn dann sofort zerstört verschwindet auch wieder der Fluch des Vergreisens und wir sind von diesem Moment an alle wieder frei. Leider ist das jedoch bis zum heutigen Tage noch niemandem gelungen, obwohl es schon viele von uns versucht haben. Einige deiner Vorgänger haben es versucht. Aber alle sind an ihren Fehlern oder an ihrer Gier daran zerbrochen. Und nun geistern sie genauso wie all diese Druidenzöglinge für den Rest ihrer Zeit als Geistwesen durch das finstere Urstromtal und versuchen dabei die Besucher in ihrem fürchterlichen Land einzufangen.“

„Das hört sich aber spannend an. Bitte erzähl mir etwas mehr davon.“, drängte Amilla erneut.

„Denn ich will diesen Pinkdiamant suchen und auch finden.“, antwortete Amilla und war restlos von sich selbst überzeugt.

„Nun ja, nun gut. Ich werde dir davon berichten, aber heute noch nicht.“, sagte Witho und er fühlte sich mit einem Mal nicht mehr ganz wohl in seiner Haut. Und Amilla dachte:

‚Das scheint ja wirklich eine sehr geheimnisvolle Welt zu sein von der Witho da sprach. Da will ich unbedingt bald mal hin.’, sagte sie sich und hielt sich fortan mit ihren Fragen zurück. Witho sagte nachdenklich:

„Aber nun sollten wir uns wieder voneinander verabschieden, da ich mich als Chef unserer Gilde hinter meinem Schreibtisch verkriechen muss, um meine Arbeiten zu absolvieren. Denn diese Arbeit nimmt mir niemand ab.“

Daraufhin verabschiedeten sie sich, Amilla verließ das Moor, in dem sie an diesem Tag nur einen kleinen Schatz fanden und wollte zu Ihrem Getreidefeld, um Korn zu mähen. Doch da sie die Gedanken an diese neue Welt einfach nicht mehr losließen, setzte sie sich - in einem nahe gelegenen Waldstück - auf eine der vielen Baumstümpfe und vertiefte sich gleich wieder in ihre Gedankenwelt.

’Was mich dort wohl erwarten wird? Gefährliche Geister hat mir der Witho erzählt. Aber sie sollen nur kommen. Eine Amilla hat vor nichts und niemandem Angst.’

Es dauerte noch eine Weile, bis das Witho sie erneut darauf ansprach:

„Nun muss ich wohl oder übel mein dir damals gemachtes Versprechen einlösen. Aber ich kann dich nur noch einmal vor Fantasien warnen.“

„Fantasien heißt also diese Welt?“

„Ja, und zwar deshalb, weil man sich dort über seine Fantasie zu verständigen versucht. Jedoch nur positive Fantasie bringt dich dort weiter. Böse und negative Gedanken - wie zum Beispiel Flüche - werden dir dort sofort zum Nachteil gereichen. Denn im Laufe der Zeit sammeln sie sich an, und wenn sich erstmal zu viele angesammelt haben, dann kannst du nicht mehr in unsere Welt zurückkehren und bleibst für immer dort. Dazu kommt der Fluch des Vergreisens zurück, von dem du dich hier ja befreit hast. Dort altert man viel schneller. Also überleg dir das gut. Ich weiß sehr genau wovon ich rede, denn ich war aus großer Neugier auch einmal dort, aber da kriegt mich niemand und nichts meh

#r wieder hin.“, sagte Witho energisch.

„Gibt es denn nichts positives von dort zu berichten?“, fragte Amilla und Witho antwortete:

„Doch schon, denn nur dort können sich all deine Wünsche erfüllen. Wünsch dir etwas und es wird dir sofort erfüllt. Aber übertreibe es nicht und werde zu gierig. Denn gierig sein, das ist sehr negativ und dein Minuskonto springt schnell nach oben. Aber sofern du in Bescheidenheit lebst, wird es dir dort sehr gut gehen.“, sagte Witho mit sorgenvoll gerunzelter Stirn.

„Mach dir keine Sorgen Witho. Wie ihr sicher alle wisst bin ich auch in eurer Welt sehr bescheiden und brauche nicht viel.“

„Ja, dafür bist du uns allen hinlänglich bekannt.“, antwortete Witho.

„Gut, dann erzähl mir bitte wie ich nach Fantasien komme.“

„Das ist an und für sich ganz einfach. Denn dazu musst du ins germanische Reich. Wie du sicher weißt gibt es dort oben im Norden einen Tunnel, der ins Uhrstromtal führt. Von uns geht dort niemand hin. Unsere Nibiruaner bleiben lieber auf der Sonnenseite ihres Lebens. Trete dort vor den Eingang und sprich den Satz ‚Amilla will ins Fantasienreich’ aus, und gleich darauf öffnet sich die unsichtbare Sperre und du kannst dort hindurch. Aber ich will dich jetzt noch einmal davor warnen, denn ein jeder Nibiruaner hat manchmal auch negative Gedanken in seinem Kopf. Du musst dich also ununterbrochen kontrollieren, und das ist nicht immer ganz einfach. Und denk auch daran, aus diesem Land kannst du nichts mit zurückbringen. Willst du zurück bleibt alles dort. Auf dem Rückweg durch den Tunnel wechselt sich sogar die Neue gegen deine alte Kleidung.“

„Ich habe mich immer voll im Griff.“, sagte die Gallerin.

„Wenn ich bei uns verreise, dann brauche ich immer etwas Gepäck. Aber wie bereite ich mich auf die Reise nach Fantasien vor?“, fragte sie neugierig.

„Dorthin brauchst du nichts mitzunehmen. Denn sobald du dort bist, dann wünschst du dir einfach alles was du brauchst.

„Naja, dann scheint mir ja soweit alles klar.“, meinte Witho, wirkte dabei aber noch immer sehr nachdenklich und ging darauf in die Gilde zurück.

Während Amilla einen längeren Spaziergang machte, versuchte sie sich intensiv Fantasien vorzustellen, kam jedoch trotz ihrer großen Fantasie einfach nicht weiter.

‚Nun muss ich mir noch überlegen wann ich dorthin reise. .enn vorher möchte ich mich doch noch von meinen Freunden verabschieden.’ Angestrengt dachte sie nach. Und sie entschied sich gleich für den übernächsten Tag.

Abends, beim Zusammentreffen in der Gilde sprach Amilla mit allen ihren Freunden, um ihnen allen ihr Vorhaben zu erklären. Daraufhin ertönte ein einheitliches Gemurmel, Tinitussi sprang von ihrem Sitz auf und sagte aufgekratzt und den Tränen nah:

„Nein Amilla, tu das nicht. Das ist einfach viel zu gefährlich. Nur ein paar falsche Gedanken, und du kehrst danach niemals wieder in unsere Gemeinschaft zurück. Willst du dieses Risiko denn wirklich eingehen?“

Und auch all die anderen Freunde versuchten Amilla von ihrem Plan abzubringen. Plötzlich redeten alle durcheinander, so dass nun kaum noch jemand sein eigenes Wort verstand. Witho stand auf und versuchte die aufgebrachte Meute wieder zu beruhigen:

„Freunde, ich weiß das ihr es alle nur gut meint, aber das ist ganz und gar Amillas Entscheidung. Ich habe sie selbst schon mehrmals gewarnt, aber ohne jeden Erfolg.“

„Das kannst du uns doch nicht antun Amilla, denn in der Vergangenheit sind schon viele von unseren Freunden nicht wieder zurückgekommen.“, meldete sich Shanty aufgebracht.

„Nein, nein, das lasse ich einfach nicht zu, liebe Freundin.“, meuterte nun auch Nitron.

„Das mache ich doch nicht aus reinem Vergnügen heraus.“, wehrte sich Amilla sofort.

„Denkt doch einmal an euch selbst. Dort drüben residieren die Geister der Druidenzöglinge, und die bewachen seit langer Zeit den berüchtigten Pinkdiamant, dieses Symbol des Bösen. Solange sie diesen Stein besitzen, kommt nun mal niemand bei uns zur Ruhe. Und wir werden im Nibiruanerland weiterhin von diesen Winzlingen terrorisiert. Ich will versuchen dies Zeichen des Bösen zu finden, um es den verfluchten Zöglingen abzuluchsen. Das kommt uns doch dann allen zu gute.“, versuchte sie ihr Vorhaben zu rechtfertigen. Nun meldete sich auch der Kämpfer Stragrami, in dem er sagte:

„Amilla hat recht. Was sie vorhat das tut sie für uns alle. Und dass sie sehr mutig ist, das habe ich schon bei ihren ersten Kämpfen in der Arena gesehen. Auch ich bin, wie ihr sicher alle wisst nicht feige, aber ich habe bis heute noch nicht den Mut gefunden nach Fantasien zu Reisen, denn ich fluche schon bei uns hier viel zu viel. Und deshalb ist mir ganz einfach das Risiko zu groß gewesen, um ins Uhrstromtal zu fahren. Aber vor der Amilla da ziehe ich von heut an meinen Hut.“, sagte der Kämpfer und errötete dabei. Alle Freunde hatten Stragrami aufmerksam zugehört und nickten nun zustimmend mit ihren Köpfen. Dann erhob Amilla wieder ihre Stimme.

„Das scheint jetzt wohl geklärt. Aber ich möchte euch fragen, ist irgendjemand von euch bereit mich auf dieser Expedition zu begleiten?“

Von einem auf den anderen Augenblick wurde es Mucksmäuschen still. Niemand der Anwesenden schien noch zu atmen. Noch nicht einmal der Kämpfer Stragrami meldete sich. Und Amilla meinte lächelnd:

„Freunde, das braucht euch jetzt nicht peinlich zu sein, denn ich weiß ganz genau wie hoch dieses Risiko ist das mich dort erwartet. Übermorgen geh ich allein ins Land der Fantasier. Akzeptiert ihr das alle?“

Außer verschämten Nicken verlor niemand auch nur ein einziges Wort. Damit war Amillas Abschiedsrede auch schon beendet. Sie verlies die Gilde und lief zunächst zum Palast von Tonkarius, dem Herrscher vom Nibiruanerland, betrat den Thronsaal und sprach den König an.

„Werter Tonkarius, ich habe eine große Bitte an euch.“

„Wie kann ich sie erfüllen, Amilla?“ fragte der Herrscher.

„Ich möchte schon übermorgen ins Uhrstromtal, um in den Besitz des Pinkdiamant zu kommen, und ich brauche dazu nun mal die Einwilligung von dir.“, sagte Amilla verschüchtert.

„Du willst ins Urstromtal? Weißt du eigentlich das dieses Reich der Hölle sehr ähnlich ist?“, fragte sie der Herrscher erstaunt.

„Ja das weiß ich wohl. Und ich bin mir auch vollkommen über das Risiko bewusst, das ich dort eingehe.“, sagte Amilla mit aller Bestimmtheit.

„Und du weißt dass schon die geringsten nibiruanischen Fehler dein Zurückkommen zu uns verhindern können?“

„Auch das ist mir bewusst.“

„Und nichts kann dich davon abhalten?“

„Nichts und niemand.“

„Dann kann ich dir meine Zustimmung wohl kaum verwehren.“, meinte Tonkarius nachdenklich. Amilla verliess den Palast und hatte es nun eilig, die Kräuterhexe Matrizia aufzusuchen. Sie lief durch den Wald und erreichte schon kurz darauf Matrizias Hexenreich.

„Was bist du denn so aufgeregt, Amilla?“, fragte die Hexe.

„Weil ich deine Hilfe brauche, liebe Matrizia.“, sagte Amilla.

„Meine Hilfe? Wie soll ich dir denn helfen, was kann ich für dich tun?“

„Ich brauche bis Übermorgen einen Stärkungstrank von dir, denn ich will ins Urstromtal.“

„Was willst du denn an diesem verflucht finsteren Ort?“, fragte Matrizia vollkommen erstaunt.

„Dieses Land und all seine Bewohner sind äußerst gefährlich. Freiwillig will dort wohl niemand hin.“

„Doch ich, die Amilla will dort hin, um mich des Pinkdiamanten zu bemächtigen.“

„Da gehst du aber ein sehr großes Wagnis ein. Hat man dir das denn nicht erzählt?“

„Natürlich hat man das getan Matrizia, und ich habe sogar schon die Genehmigung von Tonkarius.

„Nun gut, wenn dem so ist, kann auch ich dir meine Hilfe nicht verweigern. Komm Morgen am frühen Nachmittag wieder, dann ist alles vorbereitet was du für die Reise brauchst.“

„Ich danke dir von ganzem Herzen.“, sagte Amilla und verließ das Haus der Hexe.

‚Nun werde ich mich gründlich ausruhen.’, sagte sie sich und lief zu ihrem eigenen Haus.

Am frühen Nachmittag des darauf folgenden Tages, brach sie schon zeitig auf, da sie wusste, das die Hexe auf sie wartete.

„Du bist so wie gewohnt pünktlich Amilla.“, wurde sie von der Kräuterhexe begrüßt.

„Schau mal hier. Ich habe dir hier ein ganz besonderes Stärkungsmittel zurechtgemischt.“

„Und wie lange hält es vor.“, fragte die Gallerin.

„Bis zu drei Tagen. Aber danach lässt seine Wirkung rapide nach. Du solltest also darauf achten, schon vor Ablauf dieser Zeit wieder auf Nibiruanergebiet zu sein. Vergiss das bitte nicht. Hörst du?“

„Ich werde mich, wie auch schon in der Vergangenheit, an deine Regeln halten Matrizia. Und sei für deine Hilfe herzlich bedankt.“, sagte Amilla und verließ den verzauberten Wald. Nun stand ihrer Reise nichts mehr im Wege...

Und da es noch am frühen Nachmittag war, beschloss Amilla, das germanische Reich zu durchqueren und sich den Eingang des Tunnels zum Urstromtal etwas genauer anzusehen. Zunächst ging an der Arena vorbei und dann weiter über die kleine hölzerne Brücke in Richtung von Lumpiks Wellnesssee und dann hinauf bis zum Tunneleingang.

‚Hier ist es. Hier  muss ich morgen durch. Das ist also der Durchgang ins Reich dieser Höllenbrut. Aber ich kann ja gar nichts sonderbares entdecken.“, sagte sie sich beruhigt.

‚Nur die unsichtbare Sperre ist zu fühlen.’

Daraufhin ging es zurück ins Dorf und dort betrat sie die Taverne von Tenkel, der sie augenblicklich begrüßte:

„Mir ist zu Ohren gekommen, dass du morgen ins Urstromtal willst. Bin ich da richtig informiert?“

„Ja, das ist richtig, aber jetzt will ich erstmal etwas essen. Was kannst du mir empfehlen Tenkel?“

„Such dir aus was du willst. Für dich geht das heute alles aufs Haus.“, sagte der Wirt mit einer großmütigen Geste.

„Der sonst als geizig verschrieene Tenkel in Spenderlaune, Wie komme ich denn zu dieser Ehre?“

„Wenn jemand so mutig ist wie du, da lässt sich auch ein Wirt wie Tenkel nicht Lumpen.“, antwortete der Gefragte.

Nachdem sich Amilla ausgiebig gestärkt hatte, verließ sie das Wirtshaus, ging nach Hause, legte sich in ihr Bett und bevor sie einschlief, dachte sie noch:

‚Es ist schon recht eigenartig, wie schnell sich immer wieder Gerüchte herumsprechen. In Windeseile wusste das ganze Dorf von meinem Vorhaben.’

Frühmorgens, am darauf folgenden verheißungsvollen Tag, lief Amilla noch mal hinauf zur Gilde und frühstückte ausgiebig mit ihren Freunden. Dann zauberte sie das Fläschchen mit dem Stärkungstrank aus ihrer Tasche hervor und trank es leer. Dann stand auf und sagte:

„Machen wir es jetzt kurz und bündig. Ich mache mich nun auf die Reise. Doch keine Angst, schon in knapp drei Tagen, bin ich wieder zurück, denn länger hält der Trank nicht vor. Ob aber bis dahin schon der Pinkdiamant in meinen Besitz übergewechselt ist, das kann ich euch noch nicht versprechen.“

„So etwas kann niemand versprechen. Dazu ist diese Welt der Geister zu kompliziert und unberechenbar. Wir können nur hoffen, dass du ihnen gewachsen bist.“

„Ich danke euch für alles, aber nun wird es Zeit für mich. Alles Gute für euch.“

„Für dich auch Amilla. Pass auf dich auf, und bis bald.“

Amilla verließ die Gilde und machte sich gleich auf den Weg zum Urstromtal. Oben vor dem Portal stand die Kräuterhexe.

„Matrizia, was suchst du denn hier?“, fragte Amilla.

„Ich habe noch eine Tinktur für dich. Wenn du sie dir auf die Stirn reibst, dann wirst du für eine kurze Zeit unsichtbar. Und hier hab ich noch eine Substanz, deren Aroma für die Geister unerträglich ist. Wenn sie dich nerven, dann nimm davon nur einen Tropfen auf deine Handfläche, und im Handumdrehen sind die Winzlinge verschwunden. Du wirst die beiden Elexiere bestimmt gut gebrauchen können.“, meinte die Hexe.

Nun gab es kein zurück. Amilla stellte sich vor die unsichtbare Wand und sprach den Satz:

„Amilla will ins Fantasienreich.“

Sogleich ertönte ein durchdringendes Zischen und plötzlich war die Wand verschwunden. Dahinter war es dunkel weshalb Amilla ehrfurchtsvoll sagte:

„Ui ist das hier finster.“, und schüttelte sie sich dabei.

Sie schritt durch das Portal und vernahm gleich ein kaum verständliches Stimmengewirr. Obwohl sie fröstelte nahm sie all ihren Mut zusammen und schritt weiter. Hinter dem Portal zeigte sich eine dunkle aber fantastische Welt. Unbekannte Farben und Formen zeigten sich ihr und brachten sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch keine Lebewesen wollten sich ihr zeigen.

„Na, du kleines Miststück. Bist du auch hier, um uns unseren Pinkdiamanten zu rauben? Das wird dir jedoch nicht gelingen, denn wir werden dich rund um die Uhr Beschatten. Oder hast du vielleicht einen großen Wunsch? Vielleicht hast du dir schon einmal ein Schloss gewünscht, oder gleich ein ganzes Land dazu? Wünsch dir alles was dein Herz begärt. Hier werden deine größten Wünsche sofort erfüllt. Du brauchst sie nur offen aussprechen. Worauf wartest du noch?“

„Ich habe keine Wünsche. Ich bin wunschlos glücklich. Ach Moment, da wäre vielleicht doch etwas. Ich wünsche mir ein neues Kleid. Denn ich hatte noch kein Kleid aus dem Fantasiereich.“

„Nur ein Kleid? Was für ein Wunsch? Wünsch dir doch gleich tausend Stück, oder noch viel mehr.“, hechelte die unbekannte Stimme verführerisch.

„Sagt mir, was soll ich mit tausend Kleidern. Tragen kann ich doch immer nur eins. Aber da wäre noch etwas. Ich könnte auch ein paar neue Schuhe gebrauchen. Ja genau, ich wünsche mir neue Schuhe.“, sagte sie in aller Bescheidenheit.

„Nur ein kümmerliches Paar Schuhe? Amilla, du bist einfach zu bescheiden. Warum, wünscht du dir nicht gleich zweitausend Paar? Das würde dir viel besser zu Gesicht stehen."

Und Amilla dachte:

‚Sie versuchen mich ununterbrochen aufs Glatteis zu führen. Aber nicht mit mir.’

Wieder fing die unsichtbare Stimme an sie zu nerven:

Was ist mit Gold und Silber? Hast du bisher nicht immer davon geträumt?“

„Was soll ich denn damit? Gold und Siber kann ich doch nicht essen. Aber ich habe Hunger und Durst. Ich wünsche mir ein Menü und das passende Getränk dazu.“

Kaum hatte sie den Gedanken ausgesprochen, da stand schon ein bis zum Rand gefüllter Korb aus Binsen vor ihren Füßen, und der war gefüllt mit allen erdenklichen Köstlichkeiten, die Amilla sich vorstellen konnte. Sie nahm den Korb, setzte sich auf den Wiesenrand und verzehrte die Speisen. Dann sagte sie sich:

‚Bevor sie mich jetzt noch weiter verführen wollen, da werde ich das Elexier von Matrizia zum Einsatz bringen. Will doch mal sehen wie das wirkt.’

Dabei griff sie in ihre Tasche und holte diesen kleinen Flakon hervor, tropfte sich einen Tropfen auf ihre Handfläche und wartete einige Augenblicke. Und wie dieses Zeug wirkte. Amilla hörte ein lautes Zischen und einen Schrei:

„Huiiiii und Pfuiiii, Was riecht denn hier plötzlich so ekelhaft streng? Huiiiiiiiiiii, Huiiiiiiiiiiiiiii, nichts wie weg von hier.“

Darauf vernahm sie erneut einen Pfeifton, der sich aber schnell entfernte. Nun sind sie weg. Nun bin ich sie los. Das wurde aber auch Zeit. Und da sich Amilla sich nun satt und gestärkt fühlte, setzte gleich ihren Weg fort. Was hatte ihr Witho noch geraten? Sie soll auf eine Esche achten und weit über deren Wipfel würde eine Lerche ihr Lied trällern. Darauf sollte sie unbedingt achten. Denn dort sollte sich der Platz befinden an dem sich auch der Pinkdiamant befand. Unterwegs wurde sie wieder einmal von einem gelben Falter besucht, der es sich, wie schon damals im Nibiruanerland auf ihre Handfläche niederließ und flüsterte:

„Amilla, Witho hat dir doch bestimmt gesagt, dass du auf uns Butterflies achten soll’s, um schneller an dein Ziel zu kommen.“

„Ja das hat er mir geraten.“, sagte Amilla verwundert.

„Akzeptiere aber nur Zitronenfalter, denn die anderen Schmetterlinge die sind falsch. Es sind die Geisterwesen der Zöglinge. Sie haben nur ihre Gestalt gewechselt, um dich in die Irre zu führen, aus der du dann nicht wieder zurückfinden wirst. Und noch etwas. Der Weg ist noch weit. Wir werden mindestens einen ganzen Tag für diese Strecke durchs Dschungelgelände brauchen. Sollte mir unterwegs etwas passieren, dann gerate nur nicht in Panik. Warte einfach solange, bis dich ein anderer Falter weiterführt. Hast du mich gut verstanden?“

Amilla bejahte und folgte gleich darauf dem flatternden Insekt. Nach einigen Stunden anstrengenden Laufens, da geschah etwas, das nicht vorhersehbar war.

Plötzlich stürzte sich ein unbekannter pechschwarzer Vogel in die Tiefe, verschlang den Falter und flog schleunigst davon.

‚Das war es dann erstmal.’, dachte Amilla. Aber jetzt nur nicht Fluchen, denn da warten die Winzlinge doch nur drauf.’

Ihr blieb nichts anderes übrig als zu warten. Doch schon am nächsten Morgen, nachdem Amilla die Nacht unter einer riesigen Esche verbracht hatte, da wurde sie von einem neuen Zitronenfalter geweckt.

„Du bist alleine? Niemand führt dich?“, fragte der Falter.

„Nein, denn dein Vorgänger, der fiel am gestrigen Nachmittag einem Vogel zum Opfer. Seitdem sitze ich hier und warte.“, antwortete Amilla.

„Dann folge jetzt mir, denn ich löse ihn nun ab.“, flüsterte der Schmetterling und erhob sich gleich darauf in die Lüfte. Gegen Mittag hatten sie ihr Ziel erreicht. Denn schon von weitem sah Amilla eine trillernde Lerche hoch über einem Baum schweben.

„Hier scheint es zu sein.“, meinte sie erfreut, und der Falter stimmte ihr sofort zu.

„Wenn du für den Rückweg meine Hilfe brauchen solltest, dann brauchst nur das Wort Zitronenfalter auszusprechen, und ich komme dann gleich zurück.“, meinte der Schmetterling und flatterte davon. Auch die Lerche schien ihre Aufgabe erfüllt zu haben, denn auch sie entschwand kurze Zeit darauf. Dafür, tauchten aber die unsichtbaren Stimmen wieder auf, doch Amilla sagte sich:

„Für euch Gesindel habe ich die richtige Waffe. Gleich werdet ihr euch wieder wundern.“

Kaum hatte sie sich einen Tropfen aus Matrizias Flakon auf ihre Handfläche gespritzt hörte das nervende Geschnatter wieder auf und stattdessen hörte Amilla das ihr schon bekannte Huiiiii, Pfuiiiii und ein ebenso grelles Zischen. Und gleich darauf kehrte wieder göttliche Ruhe ein. Aufgeregt kam der Falter zu Amilla zurück:

„Warum geht es nicht weiter? Ist etwas passiert?“, wollte er wissen.

„Ja, seit gestern belästigen mich die Geisterwesen, und sie versuchen ununterbrochen mich zum Fluchen zu bringen oder Gier zu zeigen.“, antwortete Amilla.

„Ach dieses Gesindel hat dich belästigt. Das versuchen sie bei jedem der ihr Land betritt. Lass dich nur nicht provozieren, denn wenn sie das erst einmal geschafft haben, dann hast du keine Chance mehr von hier wegzukommen.

„Keine Sorge. Denn ich habe ein Mittel bei mir, das sie sofort wieder verscheucht sobald sie auftauchen.“

„Dann ist ja alles gut und ich brauch mir keine Sorgen mehr zu machen. Aber wir müssen jetzt weiter.“, meinte der Falter und entschwebte daraufhin wieder. Amilla näherte sich der Esche und sah sich in der Hoffnung um, irgendeinen Hinweis zu erblicken. Doch sosehr sie sich auch anstrengte, es gab nicht den geringsten Anhaltspunkt. Da sie nun Hunger verspürte setzte sie sich unter die Esche und sagte:

„Ich wünsche mir etwas zum Essen.“

Kaum hatte sie den Satz ausgesprochen stand schon ein Tisch vor ihr und der war wieder mit allerlei Köstlichkeiten gedeckt.

„Und nun wünsche ich mir eine Kanne Fruchtsaft.“

Und im gleichen Moment war auch dieser Wunsch kein Wunsch mehr. Nachdem sie sich gestärkt hatte, legte sie sich unter den Baum um sich nach dem langen Marsch etwas auszuruhen. Kaum war sie eingenickt, da hörte sie etwas piepsen:

„Hallo Amilla, wir kennen uns doch. Ich bin es. Pingi.“

„Bist du die gleiche Pingi, wie drüben im Nibiruanerland? Bist du die Kampfmaus die ich während meinem ersten Spaziergang an der alten Ruine kennenlernte?“

„Gewiss Amilla. Soviel ich sehe, kommst du nicht weiter und scheinst Hilfe zu brauchen. Stimmt das?“

„Ja, Pingi, die bräuchte ich dringend.“

„Deswegen bin ich ja hier.“, sagte das Mäuschen. Ich kann dir ein paar Tipps geben, wie du den Pinkdiamant finden wirst. Bis vor kurzem war er noch hier. Aber dann haben die Unsichtbaren ihn ganz woanders deponiert. Doch ruh dich erst noch etwas aus, denn wir haben noch einen anstrengenden Weg vor uns. Darauf legte Amilla sich erneut hin und schlief gleich darauf ein. Nachdem sie wieder erwacht war sagte die Maus:

„Nun? Bist du ausgeruht und wir können weiter? Stell mir aber keine unnötigen Fragen. Hör unterwegs genau zu was ich dir zuflüstere und führ es dann aus. Hast du verstanden?“

"Und wo ist der Zitronenfalter, der mich doch auch führen wollte?"

"Keine Sorge. Der bewacht uns von oben. Von dort oben hat er einen viel besseren Überblick und er kann uns vor Gefahren warnen."

"Dann bin ich ja beruhigt Pingi, und wir können unsere Reise fortsetzen."

"Kurz darauf machten sie sich weiter auf den Weg. Doch die kleine Gallerin stellte auch verwundert fest, dass sich laufend die Landschaft um sie herum veränderte. Als Pingi Amillas Verwunderung zu bemerken schien piepste sie:

„Mach dir über das wechselnde Bild dieser Landschaft keine Gedanken, denn auch das ist alles künstlich erzeugt. Schuld daran sind diese Geisterwesen. Denn sie tun das absichtlich, um alle Besucher in ihrem Fantasiereich zu verunsichern. Damit sie schnell vom rechten Weg abzukommen und sich verirren. Gehe einfach schnurstracks geradeaus, dann kann dir nichts passieren.“

„Aber wie machen sie das? Das ist ja schon weit mehr als unheimlich.“, fragte Amilla.

„Da es sich um halbtote Geister handelt, haben sie eine große mentale Kraft. Und sie können mit diesen geistigen Energien einen jeden toten Gegenstand bewegen. Man nennt diese Fähigkeit Telekinese. Nur bei lebenden Wesen geht das nicht. Da versagt ihre Magie und sie sind machtlos.“

Amilla hatte aufmerksam zugehört und war nun vollkommen sprachlos. Doch sie folgte auch weiter mit schnellen Schritten Pingi der Kampfmaus.

Am späten Vormittag schienen sie erneut ein Ziel erreicht zu haben denn die Maus blieb abrupt stehen, wendete Amilla zu und flüsterte:

   "Von nun an dürfen wir uns nur ganz leise Verständigen, denn sonst wird man uns hören.“

„Wer kann uns hier so weit draußen denn hören?“, fragte Amilla voller Neugier.

„In diesem Gebiet residiert ein böse Hexe mit Namen…………….Und diese Hexe hat mehr als gute Ohren. Sie hat Hyperohren. Sie hört jedes noch so leise gesprochenes Wort. Und zwar bis auf zwanzig Meilen. Und sie hält engen Kontakt zu den Geisterwesen. Wir sollten uns von nun an nur noch durch Gesten verständigen.

„Warum laufen wir nicht einen Umweg und umgehen so das Risiko.“, fragte Amilla.

„Dazu ist keine Zeit. Denk daran, dass dein Stärkungsmittel nicht mehr allzu lange vorhält. Denn die Hälfte der Zeit ist leider schon verflossen. Und hinzu kommt, dass wir zu diesem Hexenhaus schleichen müssen, denn in dieser Hütte befindet sich ein silberner Schlüssel, den wir auf unserem weiteren Weg dringend brauchen werden. Also lass uns sofort weitergehen.“, flüsterte der Butterfly bestimmt.

Sie liefen und flogen durch ein unwirtliches Gelände, dessen Strukturenauch weiterhin endlos ihr Aussehen wechselten.

„Amilla, hörst den Wasserfall plätschern?"

„Ja, den höre ich ganz deutlich.“, antwortete sie überrascht.

„Wenn erst der silberne Schlüssel in unserem Besitz ist, dann müssen wir dort hin, denn hinter dem fließenden Wasserfall, da befindet sich eine Tür aus reinem Silber. Dahinter geht es hinunter in eine tiefe Gruft. Wir brauchen Fackeln, denn dort ist es sehr finster und man sieht die Hand vor Augen nicht. Aber ich weiß, dass hinten im Stall des Hexenhauses, immer einige Fackeln liegen. Die musst du dort herausholen und tragen, denn die sind für mich zu groß und zu schwer.“

„Wo ist denn diese Hütte der Hexe?“, wollte Amilla wissen. Und der Falter antwortete:

„Nicht mehr allzu weit. Aber von jetzt an kein einziges Wort mehr. Gewöhn dich von nun an Gestik.“, flüsterte der Falter beschwichtigend.

Nach einer weiteren Meile, da sah Amilla das verwitterte Haus der Hexe.

„Bleib du nun erstmal hier, und ich werde vorsichtig erkunden ob die Hexe im Haus ist. Wenn dem so ist, dann müssen wir noch warten. Denn die Hexe verfügt über magische Kräfte und sie kann dich durch eine einzige Geste zur Salzsäule erstarren lassen.“, meinte der gelbe Schmetterling.

„Ich hoffe nur, sie hat heute noch keinen selbstgebrauten Likör getrunken. Dann wird sie sehr gefährlich, und sie kann so schnell fliegen wie eine nach Insekten jagende Schwalbe. Dieses Gebräu besteht aus neununddreißig verschiedenen und geheimnisvollen Kräutern, und gibt ihr unglaubliche Kräfte. Vor einiger Zeit hab ich tatsächlich gesehen, wie sie ihr Haus vom Boden aufnahm und damit spielte wie mit einem Ball. Also verbirg dich hinter Büschen und rühr dich nicht bis ich wieder zurück bin.“, flüsterte der Schmetterling und flatterte los. Sofort darauf verbarg sich die kleine Gallerin Mucksmäuschen still hinter einem großen Haselnußstrauch, wagte kaum zu atmen und dachte:

’Wenn ich das hier alles meinen Freunden im Nibiruanerland berichte, die halten mich von da an für verrückt. Das glaubt mir niemand. Vielleicht bis auf Stragrami. Der weiß dass ich ehrlich bin und er vertraut mir nun mal.’

Es dauerte eine geraume Zeit bis sich der Falter wieder zeigte. Er schien sehr aufgeregt zu sein, denn sein Flüstern überschlug sich fast.

„Amilla, die Gelegenheit scheint mir gerade günstig, denn die Hexe scheint ausgeflogen zu sein. Hast du Mut und bist bereit?“

Sofort sprang Amilla auf und flüsterte:

„Natürlich mein Freund, deshalb bin ich ja hier.“

„Das ist gut. Komm, ich muss dir noch einiges erklären.“

Gespannt folgte Amilla dem Falter. Plötzlich flatterte er stehend in der Luft vor ihr und hauchte:

„Geh schnell zum Haus und berühre nur die Türklinken, sonst nichts. Denn wenn du irgendetwas anderes berührst, dann kann die Hexe dich sehen, und du bist verloren. Öffne die Haustür und du wirst drei Türen sehen. Nimm die linke Tür, denn sie ist die Richtige. Das ist die Tür zum Stall. Wenn du im Stall bist dann sprich die magische Formel aus: Silberner Schlüssel zeige dich mir. Und plötzlich siehst du ihn Leuchten. Nimm ihn an dich, greife dir ein paar Fackeln aus dem Korb in der Ecke, und verlass darauf sofort das Haus der Hexe und komm zurück. Kann ich mich auf dich verlassen?“

„Natürlich kannst du das. Ich werde mein bestes tun.“

„So ist es richtig. Denn so soll es sein.“, antwortete der Falter.

„Wir sehen uns später.“, flüsterte Amilla und machte sich sofort auf den Weg. Immer das Haus der Hexe vor ihren Augen sah sie einen schnell strömenden Bach vor Augen und dachte:

’Oh je, davon hat mir der Falter ja gar nichts erzählt. Wie soll ich da denn nun rüberkommen?“

Aber die Lösung zeigte sich gleich darauf in Form einer großen Kröte, und sie wurde sofort angesprochen:

„Du willst hinüber und weißt aber nicht wie?“

„Ja, ich habe eine Aufgabe zu erfüllen, aber ich wusste nicht das dieser Bach auf dem Weg lag.“, antwortete Amilla nervös.

„Da werden ich und meine Freunde dir helfen. Mach dir keine Sorgen Amilla, quakte die Kröte. Vor ihr tauchte eine Brücke auf, und die bestand aus einer Reihe von riesigen und laut quakenden Kröten.

„Da soll ich drüber?“, fragte sie erstaunt.

„Ja, aber keine Angst, wir sind alle sehr stark.“, antwortete die Kröte und sprang zu den Anderen in den Bach.

Vorsichtig betrat Amilla den Rücken der ersten Kröte, dann den Nächsten und wieder den Nächsten und plötzlich war sie schon am anderen Ufer.

Sie flüsterte dankbar:

„Wie kann ich euch nur Danken?“

„Erfüll deine Aufgabe, das ist uns Dank genug.“

Sofort setzte sie ihren Weg fort und sah kurz darauf das Haus der Hexe vor sich liegen.

„Nun gibt es kein zurück. Da muss ich jetzt einfach durch.’, sagte sie sich und trat vor die Tür des Hexenhauses. Um sie herum war plötzlich eine Ruhe, die in diesem Land äußerst selten vorkam. Amilla öffnete vorsichtig die Tür und sah gespannt auf sie das was sie dahinter erwartete. Ein Raum mit den Skulpturen der Geisterwesen und seltsame Gestalten offenbarte sich dort. Dazu vernahm sie die unterschiedlichsten Geräusche. Eine eignartige Zauberwelt offenbarte sich ihr, und zwar eine Welt, die ihre Fantasie beflügelte. Mit einem Mal sah sie die drei Türen, von denen der Falter ihr erzählt hatte.

Sofort ging sie auf die linke Tür zu und öffnete sie. Dahinter offenbarte sich tatsächlich, ein nach widerlichen Hexenaromen duftender Stall. Amilla stellte sich in die Mitte des Raumes und sagte kleinlaut:

„Silberner Schlüssel, zeig dich mir.“

Gleich darauf schwebte ein silbern glänzend schlüsselähnliches Gebilde vor ihren Augen. Sofort griff sie danach und ließ ihn ihrer Tasche verschwinden. Dann erspähte sie ein Korb, der mit etlichen Pechfackeln bestückt war. Amilla nahm sich einige davon und verstaute sie in ihren Rücksack.

’So, das hätten wir. Und jetzt nichts wie weg aus diesem Schattenreich, bevor mich die Hexe noch erwischt.', sagte sie sich und verließ eiligen Schrittes das seltsame Gebäude. Das war auch keine Sekunde zu früh. Denn kaum hatte sie sich im Unterholz verborgen, da hörte sie die vor sich hin fluchende Hexe ihr Haus betreten.

’Huiiiii, das ging ja noch mal gut. Fast hätte mich die Vierschrötige doch noch erwischt. Nun aber schnell zurück zum Bach. Hoffentlich sind die Kröten noch dort, denn sonst hab ich ein Problem. Doch ihre Sorge war unbegründet. Die riesigen Frösche warteten andächtig auf Amilla. Und nachdem der Bach überquert war ging es durch das wild wuchernde Unterholz zurück.

„Hast du alles besorgen können?“, fragte der Falter neugierig.

„Ja, aber wirklich im allerletzten Moment, denn nur wenige Augenblicke später, da kam schon diese runzelige Hexe zurück. Aber ich glaube, sie hat mich nicht gesehen.“

„Hat sie bestimmt nicht, denn sonst wäre sie schon hier, um dich zu jagen. Lass uns gleich weitergehen. Der Schlüssel hält nur für eine kurze Zeit. Dann zerfällt er zu Staub und verliert seine eigentliche Funktion. Das ist auch wieder so ein Trick, um allen Fremden den Zugang zur silbernen Tür zu verwehren. Komm, lass uns nun keine Zeit verlieren.“, flüsterte der Falter leise und flatterte davon.

Es ging über Stock und Stein in Richtung des Wasserfalls. Und je näher sie ihm kamen, desto lauter vernahmen sie die Geräusche des fallenden Wassers. Und der Falter meinte:

„Bleib du noch hier im Unterholz Amilla. Ich fliege derweil vor und stelle fest, ob die Luft rein ist, dann komme ich dich holen. Amilla verbarg sich hinter einem dichten Busch und wartete geduldig auf die Rückkehr des Schmetterlings. Es dauerte nicht allzu lange, da hörte sie ihn flüstern:

„Wir werden heute vom Glück verfolgt. Denn die Luft scheint frei zu sein.“

Kurze Zeit später standen sie schon vor der mlt lautem Getöse in die Tiefe stürzenden Wand aus Wasser. Und der Falter flüstere:

„Zwäng dich neben der Wand hindurch, aber achte darauf, dass du ja nicht ins Wasser rutscht. Denn in ihm tummeln sich eine Menge von diesen widerlichen Piranjas, und warten gierig auf leichtsinnige Opfer.“

So vorgewarnt überwand die Gallerin auch dieses Hindernis. Dann standen beide vor der massiven silbernen Tür. Amilla fischte den Schlüssel aus ihrem Rucksack und steckte ihn ins Schloss.

„Nun musst du ihn sieben Mal umdrehen. Denn erst dann wird das Schloss frei und die Tür lässt sich öffnen.“, meinte der Falter. Nach der siebten Umdrehung ertönte darauf ein leichtes Knarren und die Tür sprang auf.

„Entzünde nun eine der Pechfackeln Amilla, denn in diesem Gemäuer ist es recht finster.“

Daraufhin tat die Gallerin wir ihr befohlen, ließ sogleich ein Schwefelholz aufflammen und steckte die erste Fackel an. Vor ihr lag eine sehr steile Wendeltreppe die tief in den Abgrund zu führen schien.

'Das ist ja mehr als gruselig.', dachte die Gallerin und stieg vorsichtig in die schwarze Dunkelheit hinab.

 

 

 Fortsetzung folgt

 

 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

COPYRIGHT © Der Titel ist bei Lektoren.ch unter Hinweis auf § 5 Abs. 3 MarkenG in allen Schreibweisen und Darstellungsformen geschützt und im Online-Titelschutz-Anzeiger veröffentlicht worden. Das Manuskript, einschließlich all seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikrovervielfältigungen und die Einspeicherung und/oder die Verarbeitung in elektronische Systeme. Copyright © 2011.

 

 

Dies ist ein Mustertext. Füge hier deinen eigenen Text ein.
Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit, sed diam nonummy nibh euismod tincidunt ut laoreet dolore magna aliquam erat volutpat. Ut wisi enim ad minim veniam, quis nostrud exerci tation ullamcorper suscipit lobortis nisl ut aliquip ex ea commodo consequat. Duis autem vel eum iriure dolor in hendrerit in vulputate velit esse molestie consequat, vel illum dolore eu feugiat nulla facilisis at vero et accumsan et iusto odio dignissim qui blandit praesent luptatum zzril delenit augue duis dolore te feugait nulla facilisi.

 

COPYRIGHT © Der Titel ist bei Lektoren.ch unter Hinweis auf § 5 Abs. 3 MarkenG in allen Schreibweisen und Darstellungsformen geschützt und im Online-Titelschutz-Anzeiger veröffentlicht worden. Das Manuskript, einschließlich all seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikrovervielfältigungen und die Einspeicherung und/oder die Verarbeitung in elektronische Systeme. Copyright © 2011.-----------------------------------

 

 

Charly Wasyl

 

Der Druidenfluch von Toximuränia

 

Nachdem es Amilla gelungen war, den verhassten Pinkdiamanten an den Ort seiner letzten Bestimmung ankommen zu lassen, schloss sich der Zugangstunnel zum Fallstromtal und wurde für alle Zeiten von seinem eigenen Felsgestein versiegelt.

Auch der uralte und über viele Generationen weit oben im eiskalten Norden lebende Waldgnom Tzchicho, hatte sich auf seine Art und Weise der selbstorganisatorischen Hypnose, mehr und mehr von den restlichen ihn umgebenden überschlauen Wesen zurückgezogen und war scheinbar zur wohlverdienten natürlichen Ruhe gekommen. Und die Mitglieder aus Withos Gilde Valparaiso waren letztendlich wieder zurück in das eigene Heimatland - dem Planeten Nibiru - gekehrt, da auch sie ihre Aufgabe in jener Zeit erfüllt hatten. Sogar Amilla die Große war in ihre menschliche Welt und die ursprüngliche Gestalt zurückgekehrt, um sich im realen Leben wiederzufinden und sich dort stabil zu behaupten. Alles schien seinen von alters her gewohnten Lauf zu nehmen. Und obwohl sich die ehemalige Gallerin am laufenden Band darum bemühte, war sie nicht in der Lage, ihre abenteuerlich erlebte Nibiruanerwelt ganz und gar aus ihrer Welt der Gedanken zu verdrängen. Zwar hatte sie diese Welt endgültig hinter sich lassen müssen, doch tagtäglich hingen ihre Gedanken noch immer bei den kleinen Wichteln und die ließen sie einfach nicht wieder los...

 

So wie auch an jenem Tag. Die große Amilla bummelte wieder einmal unten am Hafen entlang, setzte sich traurig auf den Poller, an dem sie vor langer Zeit den Wichtel Witho kennenlernte und starrte mit trauriger Miene hinaus aufs Meer. Eine bittere Träne nach der anderen kullerte über ihre Wangen, also verließ sie gleich wieder den Poller und bummelte weiter am Kai entlang. Plötzlich wurde sie von einem kleinen fremden Zwergenwesen angesprochen.

   „Pardon, darf ich dich ansprechen?“, fragte das fremde Wesen.

   „Frag mich, was immer du mich fragen willst.“, antwortete Amilla auf eine von sonst her ungewohnt wortkarge Art.  

   „Bist du diese Amilla, die damals einmal hier unten am Hafen unseren Witho kennenlernte?“  

   „Wie kommst du bloß darauf?“, wollte die Angesprochene wissen.

   „Weil Witho mir auf Nibiru von einer Amilla und von diesem Poller hier im Hafen etwas erzählt hat. Und er diese Amilla nun verzweifelt suchen lässt, da er dringend ihrer Hilfe bedarf.“

   „Witho braucht meine Hilfe?“

   „Ja, und zwar so bald als nur möglich.“

   „Was ist denn auf Nibiru geschehen?“, fagte Amilla beunruhigt.

   „Oh, einiges ist geschehen. Der seit langer Zeit verdammte Druide macht wieder einen großen Ärger. Die meisten seiner Zöglinge blieben zwar seit deinem Einsatz im Fallstromtal auf der Strecke und es gibt sie nun nicht mehr. Aber der Druide ist wieder da und bleibt weiterhin äußerst gefährlich. Er und diese Hexe Muränia haben sich zusammen geschlossen, wollen nun gemeinsam die Macht an sich reißen, Nibiru mit aller Gewalt in ihre Hände bringen und unser Volk brutal für ihre persönlichen Interessen versklaven.“    

   „Und wie könnten wir das verhindern?“, wollte Amilla wissen.

   „Dazu müsstest du zunächst zu uns auf unseren Planeten Nibiru kommen, dort wieder in die Rolle der Gallierin Amilla schlüpfen und gemeinsam mit Witho und der Hexe Marizia den Gnom Tzchicho - dem du damals den Pinkdiamanten gebracht hast - suchen und finden. Denn nur er kennt das große Geheimnis, wie man die Macht der bösen Hexe Muränia und ihrem falschen Gefolge für alle Zeiten brechen kann. Und da du auf Nibiru noch immer deine erworbenen Fähigkeiten einsetzen kannst, wirst du sie auch nutzen können. Eine große Aufgabe käme da auf dich zu. Und nur du wärest aufgrund deines Charakters in der Lage sie zu lösen. “

   „Aber wie komme ich denn zu Nibiru, eurem Planeten hin?“

   „Da wird dir der Witho helfen, denn das funktioniert so wie auf deiner damaligen Reise ins Fantasieland, im mittlerweile zerstörten Fallstromtal. Und zwar mit der Macht fantastischer Gedanken.“

   „Wenn das wirklich noch funktioniert dann soll sich Witho sobald als möglich mit mir in Verbindung setzen.“

   „Das wird er auch tun. Also, dann bis bald Amilla…“, antwortete das fremde Wesen und löste sich darauf wieder im Nichts auf. Die große Schwester der kleinen Amilla aus der digitalen Nibiriuanerwelt versuchte zunächst alles mit sich in Einklang zu bringen. Damals, als sie Witho kennenlernte, da hatte sie sich bei seinem ersten Anblick sofort über die Augen gewischt, weil sie nicht zu glauben wagte was sie sah.

   ‚Das werde ich nun wiederholen. Vielleicht funktioniert das noch einmal.’, sagte sie sich, lief zurück zum besagten Poller, setzte sich nieder und wischte sich über ihre Augen.

Daraufhin vernahm sie die klare Stimme vom ehemaligen Gildenchef Witho:

   „Hallo Amilla. Kersin hat dich also tatsächlich gefunden.“

   „Ja das ist ihr gelungen. Und zwar trafen wir uns genau an dem gleichen Platz im Hafen, an dem auch wir beide uns kennenlernten. Aber sag mir bitte, was ist euch denn nun widerfahren?

   „Es geht wieder um die bösartige Hexe Muränia, die sich mit dem Druiden und einigen seiner verbliebenen Nachkommen zusammen schloss. Durch die Zerstörung des Fallstromtals verloren sie all ihre Macht und sinnen seit dieser Zeit auf Rache. Also beamten sie sich auf unseren Planeten und führen seither bei uns ein Terrorregime. Auch ihr schwarzes Rattenheer hat Muränia wieder aufgebaut. Und gerade in der letzten Zeit häufen sich in endloser Folge die Überfälle dieser Viecher. Immer wieder greifen sie uns an und vernichten fressend unsere mühsam erarbeiteten Produkte. Und da ich mir einfach keinen Ausweg mehr wusste, habe ich über Kersin versucht mich mit dir in Verbindung zu setzen und das ist ja letztendlich auch gelungen.“

   „Ja und Kersin hat mir schon von eurem Kummer berichtet. Aber in der menschlichen Welt, da funktionieren meine Fähigkeiten nicht mehr. Nur im Nibiruanerland standen sie mir zur Verfügung. Somit werde ich euch keine große Hilfe anbieten können Witho.“, sagte Amilla verzweifelt.

   „Ja, da hast du wohl recht. Deine großen Kräfte, die kannst du nur in digitalen Welten einsetzen. In eurer Welt, da sind sie vollkommen wirkungslos. Das ist auch der Grund, warum du dich zunächst wieder in die Gallierin Amilla zurückverwandeln musst. Erst dann kann dich der Weg der Gedankenübertragung zu uns nach Nibiru beamen. Das funktioniert jedoch in Sekundenschnelle. Wärst du denn bereit uns noch einmal beizustehen?“

   „Natürlich Witho, schließlich hat man seine Freunde fürs ganze Leben. Dazu ist es mir wichtig, euch vom Bösen wie dieser Hexe Muränia und dem Druiden zu befreien.“, antwortete Amilla.

   „Und hier auf Nibiru brauchst du auch keinen Sitter mehr. Bei uns kannst du dich vollkommen selbständig bewegen.“, sagte Witho.

   „Gut, dann ist ja zunächst alles geklärt.“, antwortete Amilla.

   „Dann halt dich von nun an jederzeit bereit. Sobald es soweit ist, trete ich mit dir in Verbindung und hol dich hinauf zu uns.“, sagte Witho und gleich darauf war ihre Gedankenverbindung schon wieder unterbrochen.

Amilla dachte nach:

   ‚Auch diese alte Weisheit ‚Unkraut vergeht nicht’ scheint eine tiefe Wahrheit in sich zu bergen. Das sieht man ja am bösartigen Wirken des Druiden und der Muränia. Aber das werde ich nie und nimmer zulassen. All meine Freunde setzen schließlich ein großes Vertrauen in mich. Für jedes Gift gibt es ein Gegengift. Und das wird sich auch finden, um es gegen diese Teufelbrut einzusetzen.“, sagte sie sich und wartete von nun an geduldig auf eine Nachricht von Witho.

Tage darauf trat er wieder mit ihr in gedankliche Verbindung:

   „Amilla, hallo Amilla. Kannst du mich empfangen?“

   „Hallo Witho. Ich empfange deine Gedanken ganz klar.“, war ihr sofortiger Reflex. Und der Gildenchef antwortete:

   „Das ist gut. Nun ja jetzt ist es soweit. Sicher besitzt du noch den Ring der sich nach der Zerstörung des Pinkdiamanten an deinem Finger wiederfand.“

   „Ja Witho. Er besitzt zwar nicht mehr seine ursprüngliche Kraft, aber er dient mir seit damals als Talisman.“

   „Das ist sehr gut und er erhält seine Fähigkeiten zurück, sobald du dich wieder in unserer digitalen Welt befindest. Sofern du bereit bist, dann beginnt in wenigen Augenblicken der Transfer zu uns nach Nibiru. Steck zunächst den Ring an deinen Finger und konzentrier dich voll auf das Nibiru Symbol welches ihn schmückt, denn dann bin ich in der Lage deine Gedanken aufzunehmen damit deine Reise nach Nibiru beginnen kann.“

Amillas steckte sich den Ring an den Finger und ihre Augen blickten konzentriert auf das violette Symbol welches ihn schmückte. Plötzlich vernahm sie ein starkes aber auch angenehmes Rauschen und in Bruchteilen einer Sekunde stand sie schon neben ihrem Freund Witho. Der lächelte sie wie gewohnt an und sagte:

   „Nun ist es vollbracht und du bist bei uns.“

   „Von nun an kann mich nichts mehr überraschen. Und jetzt weiß ich auch was die von Menschen gemachte Aussage bedeutet: Es geschehen Dinge zwischen Himmel und Erde, die Menschen einfach nicht einordnen können.

   „Ja Amilla, es gibt so viele Dinge innerhalb und außerhalb unserer Welten, die euch Menschen trotz eurer Fantasie als unvorstellbar erscheinen mögen. Aber nun sieh dich einmal richtig um. Fällt dir etwas auf?“

   „Ja Witho, hier sieht alles genauso aus, wie damals in unserem Nibiruanerland.“, sagte Amilla ehrfürchtig überrascht.

   „Hat dich die soeben erlebte Reise sehr angestrengt?“

   „Nein überhaupt nicht. Und dazu ging alles sehr schnell.“

   „Ja, denn wer sich gedanklich konzentrieren kann, ja der kann einfach alles erreichen. Seit deinem Wiedereintritt hat nun auch dein Ring seine ursprünglichen Kraft zurück erhalten. Nun bist du wieder die Super-Amilla mit den unglaublichen Fähigkeiten.“

   „Aber sag mir Witho, wo sind denn unsere Freunde?“

   „Die warten in der Gilde auf dich. Lass sie uns sofort aufsuchen und gemeinsam überlegen wie wir nun gegen das Böse vorgehen.“

   „Gibt es auch hier das berüchtigte Fallstromtal so wie damals auf der Nibiruanerwelt.“, wollte Amilla wissen.

   „Nein, das gibt es nun nicht mehr. Nachdem du den Pinkdiamant zurückerobert und danach zerstört hattest, da verschloss sich auch dieser Tunnel der ins Fallstromtal führte und wurde zu Stein. Und die Geistwesen, die sich noch dort drüben befanden, die waren auf immer und ewig verloren.“

   „Aber dadurch haben doch auch die Hexe Muränia und der Druide ihr bis dahin finster funktionierendes Territorium verloren.“

   „Tja, das stimmt. trotzdem gelang es ihnen letztendlich noch aus diesem Tal zu flüchten.“

   „Aber wie sind sie dann noch in der Lage, euch auch weiterhin zu bedrohen und noch immer solch gewaltigen Schaden zuzufügen?“

   „Das haben wir uns zu Anfang auch gefragt. Dann erfuhren wir von einem ebenso bösartigen Planeten namens Toximuränia. Dort soll sich die Meute niedergelassen haben, um weiter ihren Terror gegen digitale Welten ausüben. Sogar unser selbst entwickeltes Alarmsystem haben sie gleich zu Anfang ausgeschaltet. Dazu sind sie nun noch um einiges bösartiger und vollkommen unberechenbar geworden. Durch den erneuten Fluch des Druiden, da kehrte dann auch das frühzeitige Vergreisen wieder zurück. Seitdem leben wir nur noch in Angst und Schrecken. Das machte allen uns Nibiruanern sehr zu schaffen und sie kapselten sich immer mehr voreinander ab. Niemand hatte noch Vertrauen zu Mitbewohnern und ehemaligen Freunden, und wir standen kurz vor einem Bürgerkrieg. Kannst du dir das vorstellen?“

   „Nein Witho, denn ich habe euch ganz anders erleben dürfen.“

   „Ach das war vorbei und niemand lief mehr ohne seine Waffen herum. Unsere heile und saubere Welt gibt es seit jener Zeit nicht mehr.“, sagte der nun Stück für Stück ermattende Witho.

   „Dann haben wir ja noch viel zu tun mein Freund. Aber vielleicht sollten wir unsere anderen Freunde nun nicht weiter auf die Folter spannen und sie gleich in der Gilde aufsuchen.“, versuchte Amilla ihren trübsinnigen Chef seelisch etwas aufzubauen.

   „ja, das sollten wir tun. Dass du jetzt wieder fliegen kannst, das  habe ich dir schon mitgeteilt. Aber unserer Kräuterhexe Marizia ist es auch gelungen, aus einigen Kräutern, die nur hier auf Nibiru zu finden sind, ein mehr als großartiges Mittel herzustellen, welches deine Fähigkeit beim Fliegen und auch deine sonstigen Kräfte, um ein vielfaches erhöht.“, sagte Witho bescheiden.

   „Und euch anderen Nibiruaner nützt dieses Mittel nicht?“

   „Nein Amilla. Das wirkt nur bei denen, denen es gelungen ist, das Fallstromtal zu zerstören. Und das bist nun mal du. Darum habe ich ja an dich gedacht und dich erneut, um deine Hilfe gebeten.“

   „Damit hast du wohl die richtige Wahl getroffen und ich werde von nun an alles tun, um euch für immer von dieser bösen Meute zu befreien.“

Da sie nun ihren Fußmarsch zur Gilde hinter sich gebracht hatten, sah sie plötzlich die ganze Schar ihrer Freunde, genauso trübe im Garten vor der Gilde herumsitzen, wie kurz zuvor auch den Witho, als er unten am Marktplatz auf sie wartete. Zunächst wurden sie von Nitro Xtine erkannt, die sofort von ihrem Sitz aufsprang und laut rief:

  

   „UNSERE AMILLA IST WIEDER DA. SO SEHT DOCH NUR FREUNDE. AMILLA IST TATSÄCHLICH SCHON WIEDER UND ZUM ZWEITEN  MAL ZU UNS ZURÜCKGEKEHRT.“

 

Sofort flogen die Köpfe aller Anwesenden in Amillas Richtung, die sie schon einmal vor den Bösartigkeiten vor Muränia geschützt hatte und sie überschlugen sich fast vor lauter Freude. Um Amilla herum fand ein großes Getümmel statt. Ein jeder wollte der Erste sein, der ihre Freundin begrüßte und umarmte. Der Freudentaumel schien kein Ende nehmen zu wollen. Deshalb ergriff Amilla das Wort und versuchte die Freundesschar zu beruhigen.

   „Liebe Leute. Ich freue mich sehr über eure überschwängliche Begrüßung, aber beruhigt euch nun wieder. Lasst uns zunächst ins Haus gehen. Okay?“

Keiner wollte in diesem Moment den Vortritt und so betrat Amilla als Erste die Gilde. Sie liefen hinüber zum Gemeinschaftszimmer und nahmen alle Platz. Dann begann Amilla mit ihrer Rede:

   „Liebe Freunde. Witho hat mich schon über die Vorkommnisse, die euch auch hier oben auf eurem Heimatplaneten das Leben schwer machen, unterrichtet. Und ich bin hier, um gemeinsam mit euch die widerliche Muränia zu bekämpfen und zu vernichten. Das wird bestimmt nicht ganz einfach, denn ich habe die Gemeinheiten der Hexe und des Druiden ja schon im Nibiruanerland erleben dürfen. Wie falsch sie sind, das wissen wir ja alle zur genüge. Auf der einen Seite war die restlose Zerstörung des Uhrstromtals ein Sieg, aber niemand konnte damals wissen, dass die Teufelsbrut wieder aufsteht, um euch zu verfolgen und dann weiterhin zu terrorisieren. Damit muss es nun ein für allemal ein Ende haben. Also werden wir uns von nun an täglich zusammensetzen und Stück für Stück einen Plan entwickeln, mit dem wir sie endgültig ausschalten können. Seid ihr dazu bereit?“

Sofort sprang die ganze Truppe von ihren Sitzen auf  und erwiderte:

   „Wir stehen alle Voll auf deiner Seite Amilla.“

   „Zunächst werden drei von und nach Toximuräna beamen, um uns an Ort und Stelle ein Bild von der gegenwärtigen Situation zu machen. Marizia kommt auf jeden Fall mit, denn sie kennt ja den Gnom Tzchicho. Meldet sich von euch noch jemand freiwillig?“

Sofort flogen die Hände aller in die Höhe, denn keiner schien sich ausschließen zu wollen.

   „Mutig seid ihr scheinbar alle miteinander, aber mit mir brauche ich dann nur noch zwei von euch. Die sollen dort eine Vorhut bilden.  Außer Witho sollte sich noch ein erfahrener Kämpfer melden, denn diese Meute die uns auf dem Planeten Toximuränia erwartet, die sollten wir nicht unterschätzen.“

Sofort meldete sich der Kämpfer Stragrami:

   „Ich will mich ja nicht vordrängeln. Aber sann solltest du mich mitnehmen. Ich besitze wohl am meisten Erfahrung von uns allen.“

   „Sind alle damit einverstanden?“, fragte Amilla gespannt.

Ein deutlich zustimmendes Raunen kam sofort aus den Reihen der Befragten.

   „Gut, also Witho und Stragrami gehen auch mit hinüber.“, sagte Amilla sichtlich beruhigt.

   „Bis auf Rombo werdet ihr anderen von nun immer zu zweit eurer gewohnten Beschäftigung nachgehen. Und da Rombo als Wachmann auch sonst immer seine Augen und Ohren stets offenhält, wird er in der nächsten Zeit noch wachsamer die Gemeinde durchstreifen und auf Muränias Meute - besonders auf deren Rattenheer - achten. Dazu solltet ihr besonderes ein Auge auf eure Produkte und auf die Vorräte haben, damit es auch niemandem an irgendetwas mangelt. Die besonderen Umstände zwingen uns nun mal dazu. Und wenn ihr abends Feierabend habt, dann solltet ihr euch alle hier in der Gilde einfinden. Dann wisst ihr wenigstens, ob noch alle da sind oder jemand von euch entführt wurde. Wer weiß denn schon was der Hexe sonst noch für Bösartigkeiten einfallen werden. Ihre gemeinen Intrigen nehmen ja schon überhand. Witho und Stragrami, schon Morgen in aller Frühe werden wir uns nach Toximuränia beamen. Ich selbst werde gleich Marizia aufsuchen, denn Witho erzählte mir, sie hätte eine neue Kräutertinktur erfunden, die meine Kräfte noch steigern können. Aber lasst uns zunächst etwas essen, denn dazu war bisher keine Zeit.“

Jetzt war Amilla in ihrem Element und sie plante insgeheim schon ihre nächsten Schritte. Nach dem Essen verabschiedete sie sich und machte sich gleich auf zu Marizia der Kräuterhexe. Da sich Nibiru in nichts vom damaligen Nibiruanerland unterschied, brauchte sie gar nicht zu suchen. Wie gewohnt überquerte sie den Marktplatz, kam an Tenkels Taverne vorbei, verließ darauf den Hauptweg und lief den Seitenpfad in Richtung Arena entlang, überquerte den kleinen Bach, vor dem sie lange Zeit zurück die störrische Buche gefällt hatte und war gleich darauf auf dem schmalen Weg, der sich durch das dunkle Tannenholz schlängelte und an Marizias rustikalen Baumhaus endete. Die Kräuterhexe schien nicht daheim zu sein, denn ihr Haus war verschlossen.

   ‚Dann werde ich Marizia suchen gehen, denn soviel ich weiß, ist sie zu dieser Tageszeit des Öfteren Kräuter und Pilze suchen.’

Doch lange zu suchen brauchte sie die Hexe erst gar nicht, denn schon auf halbem Weg kam ihr Marizia entgegen.

   „Sehe ich richtig oder träum ich schon am hellen Tag.“, sagte das alte Mütterchen vollkommen erstaunt.

   „Wenn du dich fragst ob du die Amilla siehst, dann hast du richtig gesehen. Ich bin es wirklich Marizia.“

   „Jetzt muss ich dich aber ernsthaft fragen, woher du denn so plötzlich herkommst Amilla.“

   „Das ist eigentlich ganz einfach. Witho hat mir von eurer Misere berichtet. Von dem Ärger mit Muränia und dem Druiden. Und da es für ihn kein Problem darstellt, über seine Gedanken zu beamen, hat er mich gleich zu euch geholt. Dazu berichtete er, dass du eine neue Kräutermischung erfunden hast, die meine Fähigkeiten erhöhen und  beim Kampf gegen den Druiden und die Hexe eine große Hilfe sein könnten.“

   „Ja das ist ganz richtig. Und diese Mischung erfand ich aus einem reinen Zufall. Zwar bin ich eine Kräuterhexe und besitze schon aus diesem Grund einige Zauberfähigkeiten. Aber ich bin auch eine alte Frau, bei der manchmal schon die Kräfte nachlassen. Und was soll ich dir sagen? Vor einigen Wochen drohte ich zu stolpern und versuchte mich reflexartig an einem Baumstamm festzuhalten. Doch überrascht stellte ich fest, dass meine Hände den Baum entwurzelt hatten. Mittags, bevor ich Pilze sammeln ging hatte an mir selbst eine neue Kräutermischung ausprobiert. Und nach dem Vorfall mit diesem Baumstamm wurde ich neugierig und habe in meinem Haus mit den Kräutern weiter experimentiert. Aber bei mir funktionierte das alles auch nur beim ersten Mal. Dann verließen mich die Kräfte wieder. Dafür habe ich gleich an dich gedacht. Du besitzt ja ohnehin seit langem große Kräfte. Vielleicht hilft dir diese Mischung sie zu steigern.“

   „Gut dann werde ich das Elixier gleich einnehmen.“, sagte Amilla und ließ sie sich von der Hexe verabreichen.

   „Und wann wirkt dieses Mittel Marizia?“

   „Es wirkt sofort. Probier es am besten gleich aus.“

   „Und was muss ich tun, um meine Fähigkeiten zu steigern?“

   „Das funktioniert mental. Denke an das was du tun willst und es wird sich erfüllen.“, antwortete Marizia geheimnisvoll.

Sofort ging Amilla vors Haus erhob sich in die Lüfte und dachte:

   ‚Ich möchte schneller fliegen.’

Kaum hatte sie diesen Gedanken gedacht, da wurde sie schon um einiges schneller.

   ‚Noch etwas schneller dachte sie übermütig.’

Und schon steigerte sich erneut ihre Geschwindigkeit. Amilla düste in jede Richtung quer durch den Zauberwald und wollte gar nicht mehr aufhören. Plötzlich vernahm sie die Stimme der Hexe:

   „Nun höre auf und versuche einen Baumstamm aufzunehmen.“, wurde sie von Marizia aufgefordert. Sofort landete die Gallierin vor der Hexe, sah eine riesige Eiche neben ihr liegen und hob diesen Baum auf, als würde es sich nur um ein Stück Reisig handeln. Marizia war restlos begeistert und hörte Amilla sagen:

   „Nun probiere ich noch einen dritten Test.“

Nachdem sie die Eiche wieder auf dem Waldboden abgelegt hatte, flog sie zu einem sehr stabilen und angewurzelten Baum, ergriff ihn mit ihrer kleinen Hand und entwurzelte ihn in Sekundenschnelle. Danach hatte sie erst einmal genug, war aber genauso begeistert wie die Kräuterhexe auch.

   „Marizia, Marizia es funktioniert tatsächlich. Hast du gesehen was mir das alles gelungen ist?“

   „Natürlich habe ich das verfolgt. Nun scheinst du mir den beiden Scheusalen ebenbürtig zu sein und kannst gegen sie antreten. Und da ich euch begleite, um wieder den Kontakt zu dem misstrauischen Waldgnom aufzunehmen, da werde ich euch Morgen in aller Frühe in eurer Gilde aufsuchen. Also bis Morgen.“

Sogleich erhob sich Amilla in die Lüfte, konzentrierte sich sofort auf schnelles Fliegen und befand sich sekundenschnell auf dem Hof ihrer Gilde. Dort asteten die männlichen Mitbewohner gerade gemeinsam an einer riesigen Buche, die sie jedoch trotz all ihrer Anstrengungen auch nicht das kleinste Stück bewegen konnten. Sofort landete Amilla neben den schwer Schuftenden und fragte:

   „Er bewegt sich ja gar nicht. Gut, dann wird euch nun die Amilla zeigen wie man mit solch einem Streichholz umgeht. Tretet einmal  ein Stück zur Seite. Einige der arbeitenden mussten automatisch schmunzeln, machten aber der Gallierin sofort Platz.

   „Wo soll der Stamm denn hin? Könnt ihr mir das sagen?“, stellte sie die Frage.

   „Bring ihn doch bitte hinüber zum Waldrand. Wenn du so nett wärst, wären wir dir alle sehr dankbar witzelte Stragrami.“

   „Nichts leichter als das.“, flötete Amilla, griff sich die schwere Buche und legte sie am Waldsaum ab. Alle der Umherstehenden sahen ihr wie angewurzelt zu. Und Amilla sagte lächelnd:

   „Wo ein Wille ist auch ein Weg. Aber wundert euch nicht allzu  sehr. Ohne den Wundertrank von Marizia hätte auch ich diesen Baum kaum bewegen können.“

Schon wieder verlies ein anerkennendes Raunen die überraschte Truppe. Danach betraten sie gemeinsam ihre Gilde, nahmen im Gemeinschaftsraum ihre Plätze ein und diskutierten noch eine kurze Zeit über die Ereignisse des verflossenen Tages. Darauf strebten sie auf die erste Etage zu ihren Schlafräumen und jeder fiel hundmüde ins Bett...

 

Am folgenden Morgen wurden sie schon in aller Frühe durch das Läuten der Türglocke geweckt. Zunächst sprang Amilla aus ihrem Bett, stolperte die Treppe hinunter und öffnete die Haustüre. Vor ihr stand Marizia die Kräuterhexe und wünsche einen guten Morgen. Amilla bat sie herein, nahm sie gleich mit sich in die Küche und brühte für beide einen starken Kaffee auf. Neugierig folgten darauf ein Nibiruaner nach dem anderen, zwar noch verschlafen, aber doch alle begierig zu erfahren, was ihnen dieser Tag wohl bringen würde. Zunächst frühstückten sie ausgiebig miteinander. Dann stand Amilla von ihrem Platz auf, schaute aufmerksam in die Runde und sagte:

   „Witho und Stragrami sind da, Marizia und meine Person sind auch anwesend, also kann unsere Pionierarbeit nun beginnen. Witho wird uns jetzt hinüber nach Toximuränia beamen. Soweit alles klar?

Dann meldete sich Witho und sagte:

   „Bis auf Amilla könnt ihr euch alle selbst hinüber beamen. Amilla nehme ich mit. Sofern ihr bereit seid geht es los. Konzentration!

In Bruchteilen von Sekunden war darauf die ganze Aktion schon beendet. Plötzlich standen alle der vier Beteiligten in einem ihnen fremden Territorium. Dichter undurchdringlicher Dschungel umgab sie. Automatisch verfiel Witho in einen flüsternden Tonfall. Da sie nicht wussten wo sich die Hexe Muränia aufhielt, schien ihm das nun angebracht.

   „Soviel ich erfahren habe, soll die Hexe hier irgendwo in diesen Wäldern in einem alten verwitterten Schloss auf einem hohen Berg ihre Stellung bezogen haben. Suchen wir also zunächst nach diesem Gemäuer. Aber außer Amilla können wir anderen nur beamen aber nicht fliegen.“

   „Das ist das geringste Problem. Haltet euch alle an den Händen. Sobald ich fliege, fliegt ihr mit.“

Dann meldete sich Marizia:

   „Amilla, ich habe diese beiden Elixiere mitgebracht, welche dich damals unsichtbar machten und die auch die Geistwesen vertrieben. Kannst du dich noch daran erinnern?“

   „Ja natürlich Marizia. Und diese Mittel waren mir damals sehr hilfreich.“, flüsterte die Gallierin.“

   „Dann nimm die Flakons an dich. Da wir auf unserem Flug nun ja miteinander verbunden sind, brauchst nur du einen Tropfen auf deine Hand zu träufeln und wir sind dann für kurze Zeit alle unsichtbar.“

Amilla nahm die Fläschchen an sich, verstaute sie in ihrer Tasche und schon ging es weiter. Ihr Flug brachte sie hoch über das Gebiet des Dschungels. Statt so wie auf der Erde erblickten sie hier oben drei Sonnengebilde. Plötzlich hörten die Freunde die Amilla leise flüstern:

   „Lasst uns etwas tiefer gehen, denn ich habe da unten im Busch etwas ausgemacht.“

Sofort verlangsamte sie ihre Geschwindigkeit und sank fast hinunter bis auf die Wipfel der mächtigen Bäume, verhielt sie auf der Stelle und wandte ihren Blick auf den grasähnlichen Boden einer Lichtung. Tatsächlich erspähten nun auch die restlichen Niburis die leichten Bewegungen der Grasspitzen. Eine größere Gruppe kleinwüchsiger  Vierbeiner schien dort ihren Weg zu suchen und der Grund dieser unruhigen Grasfläche zu sein. Sofort vermutete Amilla flüsternd:

   „Da unten scheint ein Teil von Muränias Rattenheer irgendein Ziel zu verfolgen. Lasst sie uns beobachten, vielleicht sind sie auf dem Weg zum Verlies der Hexe. Das würde uns beim Suchen eine Menge Zeit ersparen.“

Langsam fliegend und in nötigem Abstand setzte sich Amillas und ihre Truppe wieder in Bewegung. Plötzlich verschwand der grüne Teppich und wechselte in eine mit flachem Steppengras bewachsene Landschaft. Dazu tauchten die ersten Körper schwarzer Moorratten auf. Dutzende, nein hunderte zeigten sich plötzlich dort unten und die setzten ihren Weg unbeirrt fort. Plötzlich flüsterte Marizia, auf die konzentriert fliegende Amilla ein:

   „Sie einmal nach vorn. Da scheint diese Hexenburg zu liegen.“

   „Ja, du hast recht Marizia. Das wird wohl ihr Domizil sein. Und auch die Rattenmeute scheint dort hinüber zu wollen. Warten wir nun was sich tut.“

Gemächlich folgten sie der mit einem Male immer schneller werdenden Meute der Muräniaratten. Vor ihnen tat sich ein Wald mit dichtem Baumbestand auf, in dessen dichtem Unterholz sich gleich darauf die Rattenschar verlor. Amilla sah auf den Boden unter ihnen und erkannt bestürzt, dass sich dort ein morastiger Sumpf zeigte. Da aber schien das Landen geradezu unmöglich. Sie machte eine kurze Wende, flog wieder zurück ins offene Gelände und setzte auf dem Stoppelgras zur Landung an, wand sie sich an ihre Mitstreiter und sagte:

   „Meiner Meinung nach sind wir jetzt schon ein erhebliches Stück weiter gekommen.“

   „Aber wie wir wohl alle bemerkt haben, liegt vor uns nun eine ziemlich moorastige Fläche. Ein sumpfiges Gebiet, das uns wohl aufhalten wird. Und dazu scheint bald auch die Abenddämmerung einzutreten. Als Krieger würde ich vorschlagen, für die kommende Nacht auf diesem trockenen Stück Boden zu bleiben und uns weiter zu beratschlagen. Und da wir uns im Rattengebiet aufhalten, sollten wir auch Wachen aufstellen, die sich alle vier Stunden ablösen. Dazu sollten wir auf jeden Fall auf ein offenes Feuer verzichten, denn das könnte die Aufmerksamkeit der Burgbewohner wecken.“, meinte der Kämpfer.

   „Sehr gut Stragrami. So machen wir das. Wer von uns übernimmt die erste Wache?

   „Die übernehme ich Amilla, denn ich möchte jetzt noch etwas nachdenken.“, sagte Marizia, nahm etwas abseits von denen sich  zum Schlaf legenden ihren Platz ein und stellte ihre Sanduhr. Die Nacht verlief ganz ohne Zwischenfälle. Nur all die ungewöhnlichen Geräusche der dort lebenden Tiere fielen den wechselnden Wächtern auf. Am frühen nächsten Morgen hatte die letzte Wache in Form von Amilla ein kräftiges Frühstück für sie alle vorbereitet. Nur auf den morgendlichen Kaffee mussten sie verzichten, denn eine Feuerstelle war auch an jenem Morgen nicht angesagt. Aber dafür hatte die Hexe Marizia für jeden der Pioniere ein besonderes Elixier zur Stärkung dabei. Dieses Stärkungsgetränk bestand aus einer speziell zusammengestellten Mischung seltener Kräuter und Wurzeln.

   „So, liebe Freunde, gleich beginnt der zweite Abschnitt unseres Vorhabens. Unsere Aufgabe wird sein, die Schlupflöcher unserer Feinde auszuspionieren, um uns über ihre Kampfstärke im Klaren zu werden. Muränia und der Druide werden wohl in der Burg hausieren, und das Heer der Ratten hier unten irgendwo in der Niederung auf ihren neuen Einsatz warten. Unsere Aufgabe wird nicht leicht, denn schon das sumpfige Moor erfordert unsere volle Aufmerksamkeit. Hinzu kommt, dass wir uns nicht trennen können, denn dieses unbekannte Gebiet könnte unsere Gruppe auseinanderreißen. Und Zeit, um dann unsere verlorenen gegangenen Freunde suchen zu gehen die haben wir nicht. Das würde alles noch mehr komplizieren. Da nur ich fliegen kann, werde ich mich nun erst einmal von euch trennen und einen Erkundungsflug absolvieren.“

   „Tagsüber könnte man dich aber sehen und wäre vorgewarnt.“, warf Witho ein.

   „Ja, das ist schon richtig, aber du vergisst, dass ich dieses Elixier von Marizia mit mir führe, das mich kurzzeitig unsichtbar werden lässt. Das wird schon eine große Hilfe sein. Aber sag mir Marizia, wie lange hält dieses Gebräu denn vor?“

   „Immer nur für einige Minuten Amilla.“

   „Dann muss ich es eben danach wieder erneuern. Haben wir denn genügend Ersatz davon?“

   „Ja, ich habe noch zwei Flakons bei mir. Für uns alle müsste das für einige Tage reichen.“, antwortete die Hexe.

   „Aber sag mir bitte, warum trägst du denn deinen violetten Anzug aus dem Uhrstromtal?“, wollte Marizia wissen.

   „Das ist mein Kampfanzug, denn sollte mich einer von der Meute einmal sehen, dann dient er zur Abschreckung, damit ihnen gleich klar wird, dass sie in mir keinen leichten Gegner vorfinden. Und den Hackomat von Keramix habe ich auch bei mir. Wer weiß wofür er noch gut sein wird.“

   „Und was machen wir solange du nicht bei uns bist?“, erkundigte sich Stragrami.

   „Ihr bleibt erst einmal hier, verhaltet euch ruhig und beobachtet die Umgebung, damit wir auf keinen Fall von unseren Gegnern überrascht werden.“, sagte Amilla, träufelte sich einen Tropfen des Elixiers auf ihren Handrücken, wurde unsichtbar und machte sich gleich darauf auf den Weg. Konzentriert beobachtete die Gallierin das durchflogene Umfeld, jedoch nichts Auffälliges war zunächst von ihr zu entdecken. Doch plötzlich erkannte sie wieder ihren violetten Kampfanzug. Da das Elixier seine schützende Wirkung eingebüßt hatte, träufelte Amilla erneut einen Tropfen auf ihre Hand und flog weiter. In Sichtweite tauchten die stark verwitterten Umrisse der Trutzburg Muränias auf. Dort war jedoch kein Leben zu entdecken.

   ‚Wo hält sich diese Meute nur auf?’, fragte sie sich gespannt, benutzte erneut einen Tropfen des Elixiers und landete entspannt auf dem Innenhof der Festung. Auch hier zeigte sich nichts was ihre Aufmerksamkeit erweckte. Nur die hell erleuchteten Fenster des Gebäudes fielen in ihr Blickfeld. Sie flog zu einem der bleiverglasten Fenster und dahinter erblickte sie einen riesigen ballsaalähnlichen Raum, der restlos besetzt war mit schwarzen Ratten und von der Decke herabhängenden Fledermäusen. Auf einem Podest stand die giftende Hexe Muränia, und neben ihr, da zeigte sich der widerliche Druide. Die Hexe sprach nicht, sondern sie keifte auf ihre Art und Weise in einer unverständlichen Sprache, während die Ratten und Blutsauger ihr laufend ihre Zustimmung zu zollen schienen.

   ‚So komme ich nicht weiter, denn ich verstehe von dem was sagt nicht ein einziges Wort.“, sagte sich Amilla, verließ ihren Platz am Fenster und gleich darauf den dunklen Burghof. Darauf ging es schnurstracks in Richtung ihrer Freunde zurück. Stragrami sah sie als der Erste heranschweben.

   „Amilla ist zurück, Freunde. Bin sehr gespannt auf das was sie uns berichten wird.“

Die Gallierin landete im Kreis ihrer Mitstreiter und begann sofort mit ihrem Bericht.

   „Leute, folgendes konnte ich in Erfahrung bringen. So wie es mir scheint, sind wir bis jetzt noch niemandem aufgefallen. Ich bin bis zur Burg vorgedrungen, doch rein nirgendwo war irgendeine Wache auszumachen. Dafür hatte sich die ganze Meute in einem großen Saal versammelt, indem die Hexe auf die Ratten einredete. Dazu hing oben an der Gewölbedecke eine riesige Schar von kleinen Fledermäusen. Und all diese Biester schienen der Muränia pausenlos beizupflichten.

   „Worüber hat sie denn lamentiert.“, wollte Witho wissen.

   „Da gibt es ein Problem Freunde. Sie sprach in einer Sprache die zwar ihr Gefolge, aber ich selbst nicht verstehen konnte.“

   „Das war Muränisch.“, mischte sich nun Marizia ein.

   „Muränisch?“,

   „Ja, das ist eine Sprache, die nur bösartige Wesen wie der Druide, die Hexe und ihr Gefolge beherrschen. Es gibt nur ein gutartiges Wesen, das diese Sprache auch beherrscht.“

   „Und um wen handelt es sich da.“, fragte Amilla neugierig.

   „Es gibt in den wilden Wäldern einen Gnom namens Tzchicho. Und ihn begleitet seit der Zeit eine kleine weiße Ratte, die den Namen Siliconella trägt. Die schwarzen bösartigen Ratten hatten sie schon vor langer Zeit verstoßen, weil sie nicht bereit war gegen uns ins Feld zu ziehen. Nach ihrem Ausschluss irrte sie tagelang durch die Wälder, bis sie auf den Gnom Tzchicho stieß. Und sie schloss sich ihm an. Von ihr lernte er dann auch Muränisch.“, erzählte Marizia den gespannten Zuhörenden.

   „Und wo finden wir die Beiden?“, interessierte es die Pioniere.

   „Das ist nicht ganz einfach. Soviel mir berichtet wurde, wechseln sie sehr oft ihren Standort, um ja nicht gefunden zu werden. Dazu müssten wir weit hoch in den Norden. Dort gibt es einen großen See namens Temgoro. Und dort im wildesten Dschungel sollen sich die Beiden niedergelassen haben.

   „Dann wundert mich gar nichts mehr.“, sagte Amilla.

   „Denn auch von eurer Seite scheint dieser Tzchicho damals keine Hilfe bekommen zu haben und hat sich dann aus Bitterkeit in die Einsamkeit zurückgezogen. Jedenfalls scheinen diese Verfluchten wieder etwas gegen euch vorzubereiten. Deshalb sollten wir jetzt schnellstens zurück zu Nibiru und mit unseren anderen Freunden die nächsten Schritte beraten, um dann auf alles vorbereitet zu sein.“, gab Amilla ihrer Überzeugung Ausdruck.

Sofort ergriffen sich alle an ihren Hände, konzentrierten sich auf Witho und beamten gleich darauf gemeinsam auf ihren eigenen Planeten zurück.

An ihrer Gilde angekommen, fanden sie niemanden vor. All ihre Freunde schienen der gewohnten Beschäftigung nachzugehen. Doch plötzlich tauchte Tinitussi auf und fragte erstaunt:

   „Ihr seid schon wieder zurück? So schnell hatten wir euch ja gar nicht erwartet.“

   „Ja, das hat auch seinen Grund. Denn wir müssen uns gemeinsam wieder neu beraten.“

   „Aber warum bist du denn hier Tini.“, fragte Amilla.

   „Ach, ihr wisst doch welche Probleme mich dauernd belasten.“

   „Was ist dir denn dieses Mal widerfahren?“, wollte Witho wissen.

   „Ach Leute. Ich ging gestern am späten Nachmittag noch einmal  mit einer brennenden Fackel bewaffnet in den Stall neben meinem Häuschen, um meine Hühner zu füttern. Plötzlich kam ein Windstoss und es lösten sich einige Funken von der Fackel, fielen ins trockene Heu und setzten es sofort in Brand. Und innerhalb kürzester Zeit stand mein ganzer Schuppen in Flammen und er brannte lichterloh. Die Hühner und ich selbst konnten sich gerade noch in Sicherheit bringen, sonst gäbe es uns jetzt auch nicht mehr.“

   „Na Gott sei Dank. Das du ja schon immer vom Unglück verfolgt wirst ist uns ja hinreichlich bekannt. Aber so etwas. Nun gut. Ich werde zunächst einen Spaziergang machen, denn dabei habe ich noch immer die besten Einfälle und dazu ist Einsamkeit die Basis jeden Denkens.“, sagte Amilla und verschwand sogleich aus der Gilde. Zunächst führte ihr Weg sie hinunter ins Dorf. Dort schien alles so zu funktionieren wie schon seit jeher gewohnt. Dann lief sie weiter hinunter zum Haus von Keramix. Aber da er nicht daheim zu sein schien ging es am Anwesen von Heiderose vorbei weiter ins gallische Reich. Filou traf sie in seiner Pizzeria an:

   „Hallo Amilla. Was treibt dich denn zu mir?“

   „Gut dass ich dich hier antreffe Filou. Komm bitte heute Abend in unsere Gilde. Wir haben etwas Wichtiges zu besprechen. Es geht um die Zukunft eures Planeten Nibiru.“

   „Okay liebe Freundin. Da bin ich auf jeden Fall dabei.“, sagte der fliegende Händler. Amilla benachrichtigte auch die anderen Freunde der Gilde und sie beendete daraufhin ihren Spaziergang und begab sich zurück ins eigene Gildenhaus...

Dort warteten alle Niburianer gespannt auf die Ergebnisse der vier vom Planeten Toximuränia zurückgekehrten Pioniere. Zunächst sprach Amilla den Wächter an:

   „Rombo, fiel dir als Wachmann in den letzten Stunden etwas auf?“

   „Nein Amilla, alles lief so wie gewöhnlich. Ich kann nur berichten keine besonderen Vorkommnisse.“, antwortete der Wächter.

   „Aber auf Toximuränia scheint sich etwas zusammenzubrauen, da Muränia ihre Meute um sich versammelt hat. Aber ich konnte nicht verstehen was sie ihrem Gefolge sagte. Unsere Hexe Marizia ist der Meinung dass es sich dabei um muränisch - die Sprache des Bösen - handelt. Aber ein Gnom mit Namen Tzchicho könnte uns da wohl weiterhelfen. Dazu müssten wir ihn aber zunächst einmal finden. Soviel Marizia berichtete, scheint er mit einer weißen Ratte namens Siliconia weit oben im Norden an einem See zu leben. Er und diese Ratte beherrschen die Sprache der Bösartigen. Also schlage ich vor, wir begeben uns von morgen an auf die Suche nach diesen Gnom. Und wenn er bereit ist uns zu helfen, dann wären wir schon ein ganzes Stück weiter. Seid ihr alle einverstanden?“

   „Ja Amilla, deine Planung ist perfekt.“, meldete sich der Kämpfer Stragrami voller Anerkennung.

   „Okay Freunde, dann wäre ja für den morgigen Tag alles klar. Treffen wir uns Morgen in aller Frühe und starten wieder zu viert unsere Suche im Norden. Aber da es sich bei diesem Gewässer, um einen riesigen See handeln soll, wird uns das wohl sehr aufhalten.“, sagte Amilla.

   „Ich habe damals noch einen Tipp vom Gnom Tzchicho erhalten. Sofern ich ihn einmal aufsuchen wollte, sollte ich zunächst diesen See suchen. Da es dort nur einen See gibt, da kann man ihn nicht verfehlen. Dann sagte er mir, ich solle solange um dieses Gewässer laufen, bis ich auf einen Bootssteg treffe. Auch davon gibt es nur einen. Dort lebt eine Dohle mit Namen Finga. Und diese Dohle weiß immer wo der Gnom sich aufhält. Ich soll ihr solange folgen, bis ich Tzchicho antreffe. Vielleicht ist diese Information ja hilfreich für uns.“, meinte die Kräuterhexe.

   „Das ist sie ganz gewiss und sie erspart uns wieder eine Zeit  unnötiger Suche.“, kam von Amillas Seite.

 

Am anderen Tag trafen sich die Gallierin, Marizia, Stragrami und Witho und beamten sich zunächst in die nördlichen Bereiche ihres Territoriums.

   „Nun sollten wir dieses Land überfliegen und Ausschau nach dem großen See halten.“

Sie flogen weiter über baumreiche Wälder, Flüsse und Steppenland. Dann glitzerte in einiger Entfernung die Wasseroberfläche dieses besagten Sees auf. Amilla landete und meinte.

   „Das ich fliegen kann ist auch wieder ein großer Vorteil. Denn um den ganzen See zu laufen, das hätte uns wohl Tage gekostet.“

Gleich darauf erhoben sie sich wieder und flogen gemächlich an der Uferböschung entlang. Nach einiger Zeit zeigte sich ihnen ein alter und verwitterter Bootssteg am Ufer auf dem sie sogleich landeten.

   „Hier sind wir wohl richtig. Nun müssen wir noch auf die Dohle warten, von der ich euch erzählt habe.“, sagte die Kräuterhexe.

Aber auch das Erscheinen dieses Vogels ließ nicht allzu lange auf sich warten.

   „Wer von euch heißt Marizia? Denn nur ihr darf ich weiterhelfen, sobald sie hier auftaucht.“, gab sich die Dohle zu erkennen.

   „Das bin ich, die Kräuterhexe Marizia.“, sagte sie und trat hervor.

   „Ich werde vor euch herfliegen. Also folgt mir damit ich euch zu Tzchicho bringe.“, antwortete die Dohle, breitete ihre Flügel aus und schwebte langsam vor ihnen her. Es ging quer durch wilden Busch, über Stock und Stein, über Steppen und dann wieder durch dichten Baumbestand. Mit einem Male verhielt ihr fliegender Vorbote in der Luft und meinte:

   „Hier solltet ihr nun einen Moment ausharren. Ich mache mich jetzt allein weiter auf den Weg und informiere Tzchicho von eurem Hier sein. Daraufhin breitete Fingi ihre Flügel aus und schwebte von dannen. Nach einer geraumen Zeit erschien ihnen die weiße Ratte und stellte die Frage:

   „Wer von euch ist die Kräuterhexe Marizia?“

   „Das bin ich.“, gab sich Marizia zu erkennen.

   „Dann darfst auch nur du mir folgen, während deine Begleiter auf deine Rückkehr warten müssen. So will es Tzchicho.“

   „Freunde ihr habt gehört was sie gesagt hat. Macht euch keine Gedanken, denn ich werde bald zurück sein.“, sprach Amilla zu den Freunden und folgte darauf der Dohle in den Wald.

   „Das ist alles sehr geheimnisvoll.“, sagte Witho und die restlichen Freunde nickten zustimmend mit ihren Köpfen. Dann meldete sich Stragrami und sagte:

   „Dieser Tzchicho scheint wohl Fremden gegenüber sehr scheu zu sein. Wer aber weiß schon, was ihm früher einmal widerfahren ist.“

Die Gruppe der Freunde setzte sich unter einer Eiche nieder und sie begannen zunächst einmal einen Imbiss einzunehmen.

Einen Moment darauf trat Marizia wieder aus dem Buschwerk heraus und meinte entschuldigend:

   „Seid mir nicht böse, weil man euch hier warten ließ, aber mein Freund Tzchicho ist überaus misstrauisch und ihr seid ihm nun mal fremd. Aber nach unserem ersten Gespräch hab’ ich ihn von eurer Loyalität überzeugt und nun ist er bereit auch euch zu empfangen. Also folgt mir bitte.“

Die Freunde folgten Amilla durch dichten Dschungelwald. Nach einer gewissen Zeit sahen sie ein einfaches Baumhaus, welches dem der Kräuterhexe Marizia glich. Davor saß auf einem Baumstumpf, der vom optischen Eindruck uralte Tzchicho und blickte ihnen entgegen. Der Gnom strahlte ihnen von Anfang an eine nahezu unglaubliche Ruhe entgegen. Marizia trat auf ihn zu und sagte würdevoll:

   „So da sind wir schon. Vor dir siehst du meine Mitstreiter Witho und Stragrami. Wir befinden uns seit gestern auf der Fährte der Hexe Muränia und des Druiden, kommen aber nicht weiter.

   „Wie kann ich euch behilflich sein.“, fragte der Gnom. Daraufhin klärte Marizia den alten Mann auf.

   „Zunächst ist am gestrigen Tag unsere Amilla zur Burg der Hexe Muränia geflogen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Dabei stellte sie fest, dass dort nur auf muränisch kommuniziert wurde. Unsere Leute verstehen diese Sprache aber nicht. Von dir und deiner Begleiterin weiß ich jedoch, dass ihr diese Sprache beherrscht. Dazu hat Muränia den Kreis ihres Gefolges vergrößert. Sie scheint nun auch von kleinen Vampiren unterstützt zu werden. Was sonst noch ihrem kranken Hirn entsprungen ist, das entzieht sich noch unserer Kenntnis. Das ist derzeit der Status Quo.

   „Wie oft haben sich in der letzten Zeit die Überfälle gehäuft?“

   „In einem Rhythmus von cirka vier Wochen. Und ihre Heerschar wird von Mal zu Mal größer. Nach jedem Überfall der Meute wird die Angst unserer Nibiruaner größer. Viele von ihnen verlassen oft Tage ihr Haus nicht mehr. So geht es einfach nicht weiter. Was können wir noch tun?“, fragte Amilla verzweifelt.

   „Gegen diese Gegner seid ihr alleine machtlos. Aber ich werde euch helfen. Lasst mir zwei Tage, dann komme ich zu euch in euer Land und wir werden gemeinsam den Kampf aufnehmen. Beamt euch nun zurück und wachtet auf mich. Da Marizia bei euch ist, soll sie in der Umgebung des Sees nach den Wurzeln namens………… und ……… suchen und aus ihnen ein Elixier herstellen. Ich habe Marizia diese Kräuter als Orientierung mitgebracht. Sie sind zwar selten, aber dafür auch sehr wirksam und helfen euch gegen die Vampire. Denn sobald ihr diese Substanz in eurem Blut habt dann wird es für die Blutsauger ungenießbar und sie lassen für eine gewisse Zeit von euch ab. Trinkt jeden Morgen einen Becher dieses Gebräus, dann fühlt ihr euch etwas freier. Ich werde mich bald bei euch melden Amilla. In der Zwischenzeit wird euch meine Begleiterin Siliconia unterstützen. Also dann bis bald.“, sagte Tzchicho stand auf und verschwand darauf wieder in seinem Baumhaus. Auch Amilla und ihre Mitstreiter machten sich gleich auf den Rückweg. Doch zuvor suchten sie in der Nähe des Sees nach den Kräutern die ihnen der Gnom empfahl.

Sie liefen in Rufweite von Marizia querfeldein in der Hoffnung dieses Kraut zu finden. Aber bis auf die Hexe fand kaum einer etwas. Dann ging es zurück ins Nibiruanerland. Dort verschwand Marizia in ihr Baumhaus und versuchte sich mit der Herstellung des Elixiers.

   „Ich müsste in den nächsten Tagen noch mal zu diesem See.“, sagte die Hexe.

   „Was wir gesammelt haben scheint für uns alle nicht zu reichen.“

Zwei Tage darauf erschien auch Tzchicho und lud die Mitglieder zu einer Besprechung ein. Er sprach vom für und wieder und erklärte den Freunden die Grundbegriffe der muränischen Sprache.

   „Wir sollten heute noch einmal zum Verließ der Hexe aufbrechen. Vielleicht haben wir Glück und fangen ein paar Wortfetzen von ihren Gesprächen auf. Zurück zum See brauchen wir nicht, denn ich habe gestern noch genug Kräuter gesammelt.

   „Dann können wir ja uns wieder auf Toximuränia konzentrieren. Amilla scheint perfekt für diese Aufgabe geschaffen zu sein. Aber sie braucht auch einen Übersetzer. Wie steht es eigentlich mit deiner Ratte Siliconia. Könnte man sie nicht in die Burg einschmuggeln?“

   „Nur wenn sie selbst diesen Vorschlag macht. Unter uns gibt es keinerlei muss. Alles geschieht auf freiwilliger Basis. Warten wir also auf ihre Entscheidung. Dazu müsste sie sich auch schon rein optisch verändern. Von Natur aus ist sie eine weiße Ratte und sie fiel den dortigen sofort auf. Die Ratten von Muränia sind ja alle schwarz. Ist dieses Problem erst einmal gelöst, dann könnte sie über das Kanalsystem in die Burg eindringen und dort ausspionieren was wir selbst nun mal nicht können.“

Darauf meldete sich die Hexe Marizia und sagte:

Um die Farbe ihres Felles für kurze Zeit zu verändern da kann ich ihr mit einem Elixier helfen. Für einige Stunden hält die Verfärbung an. Ich gehe jetzt hinüber in mein Baumhaus und werde das Mittel zurechtmischen. Wird wohl nicht allzu lange dauern.“      

   „Mach das Marizia. Das wäre eine Möglichkeit. Vielleicht spielt die Siliconia ja mit. Sonst müssten wir uns etwas neues einfallen lassen.“, dachte Tzchicho laut nach.

   „Da ist noch etwas.“, sagte die Kräuterhexe.

   „Ich habe doch ein Rezept, mit dem ihr euer Korn präparieren könnt. Und wenn Muränias Ratten es Fressen, dann schlägt es ihnen dermaßen auf den Magen, dass sie sofort außer Gefecht gesetzt sind. Wir haben es in der vergangenen Zeit schon einmal eingesetzt. Erinnert ihr euch?“ 

   „Oh ja... Und ob ich mich daran erinnere.“, antwortete Stragrami entsetzt.

   „Denn bei vielen von uns löste es nach dem Verzehr von Brot Halluzinationen aus und wir wussten dann tagelang einfach nicht mehr wer wir eigentlich waren.“, sagte er und schüttelte sich dabei.

   „Darum haben wir ja auch von jenem Moment an wieder auf seinen Einsatz verzichtet. Aber notfalls hätte Siliconia ja auch noch mein Elixier was sie unsichtbar macht.“, sagte die Kräuterhexe.

   „Bring auch davon etwas mit. Schaden kann so etwas nie.“

Daraufhin verließ Marizia die Gilde und machte sich auf den Weg zu ihrem Hexenbaum. Der Gnom grübelte weiter:

   „Aber all diese Aktionen helfen uns auf Dauer nicht weiter. Was wir dringend brauchen ist Muränias Amulett. Es handelt sich dabei um das Gegenstück des Amuletts von Honorio. Soviel ich weiß ist es noch im Besitz der Hexe und sie trägt es immer bei sich. Dieses Amulett birgt starke Kräfte in sich, die sie bei ihren Aktionen gegen euer Volk unterstützt. Und sie setzt es jeweils während eines ganz speziellen Zeremoniells in Vollmondnächten ein. Es soll auf eine ganz geheime Formel reagieren, die mir aber leider nicht bekannt ist.“

   „Dann sollte es unsere Aufgabe sein, jemanden zu finden, der diese Formel auch kennt.“, unterbrach sie Witho. Wieder mischte sich Tzchicho ein:

   „Da wüsste ich vielleicht jemanden. Es gibt da doch diese Saranta am Strand des römischen Reiches. Die sich in neuerer Zeit damit beschäftigt Treibgut zu sammeln. Auch sie müsste die Formel kennen. Soviel ich weiß, muss diese Saranta in einer Vollmondnacht auf einem Hügel am Sandstrand stehen und die Formel rückwärts aussprechen, während sie der Vollmond bescheint. Dann verlieren das Amulett und damit auch die Hexe Muränia ihre zerstörenden Kräfte und beide sind von da an für immer und ewig ausgeschaltet. Daraufhin sollte das Amulett in der salzigen See versenkt werden. Denn das Salzwasser zerstört endgültig und auf ewig seine Wirkung. Das wäre wohl die beste Lösung für all unsere bitteren Nibiruaner und sie kämen endlich wieder zu ihrer verdienten Ruhe.“

   „Diese Ruhe hätten sie nach dem erlebten Stress auch dringend nötig.“, pflichtete Xtine ihm zu.

Plötzlich machte sich die weiße Ratte Siliconia bemerkbar und hörte den Diskutierenden aufmerksam zu. Dann fragte sie:

   „Wo befindet sich denn Marizia?“

   „Die ist zurück zu ihrem Baumhaus, um dort einige Präparate zu mischen.“, antwortete Tzchicho.

   „Neue Präparate? Und wo sollen sie dann zum Einsatz kommen?“, fragte die Ratte neugierig.

   „Dazu brauchten wir noch eine Hilfe.“, sagte Tzchicho verlegen.

   „Von welcher Seite soll die euch denn gewährt werden?“

   „Bis zum jetzigen Moment wissen wir noch nicht von welch einer Seite. Dazu müsste sich erst noch jemand finden. Denn die Aufgabe ist äußerst brisant.“

   „Erzähl mir bitte mehr davon.“, bat ihn Siliconia.

   „Nun ja, das ist so. Der Einsatz würde auf dem Burgverlies der Hexe Muränia stattfinden. Aber nicht ein jeder ist dazu in der Lage.“

   „Welche Voraussetzung müsste er denn besitzen?“

   „Tja, das ist ja das Problem. Ich selbst würde schon aufgrund meiner Statur auffallen. Vielmehr müsste es jemand sein, der dort keinesfalls auffällt, also er müsste arbeiten wie ein Undercover. Und er müsste die Sprache muränisch beherrschen, um auszuspionieren was die Bösartigen nun vorhaben.“

   „Muränisch wäre nicht das Problem, diese Sprache beherrsche ich ja. Aber mein weißes Fell würde mich sofort auffallen lassen. Ich hätte keinerlei Chance, um dort anonym zu bleiben.“, zweifelte Siliconia.

   „Dafür hat uns Marizia einen Vorschlag gemacht. Denn sie ist in der Lage ein Mittel herzustellen, welches dein weißes Fell für eine gewisse  Zeit schwarz werden lässt. Und zur Not könnte auch noch das Elixier der Unsichtbarkeit zum Einsatz kommen.“

   „Dann braucht ihr von jetzt an nicht mehr weiterzusuchen, denn ihr habt schon jemand gefunden.“, versuchte Siliconia sich selbst zu präsentieren.

   „Du willst diesen Einsatz übernehmen?“

   „Natürlich, denn all diese Voraussetzungen sind in mir doch schon in sich vereinigt. Ich laufe jetzt gleich hinüber zu Marizia und bitte sie um das Präparat.“, sagte Siliconia und machte sich auf den Weg. Marizia stand in ihrer Hütte und konzentrierte sich auf eine große Anzahl verschiedener Kräuter. Sie wog ab, vermischte und probierte allerlei Kraut aus, als sie von Siliconia überrascht wurde.

   „Marizia, unser Tzchicho erzählte mir etwas von einem neuen Mittel, welches mein weißes Fell schwarz werden lässt.“

   „Tja das ist richtig. Zurzeit experimentiere ich noch daran. Denn etwas fehlt mir noch. Sobald ich das gefunden habe, können wir das Mittel ausprobieren. Du hast dich also bereit erklärt diese Aktion zu starten?“

   „Ja Marizia, denn ich bin die Einzige welche alle Voraussetzungen dazu besitzt. Und mit einem schwarzen Fell, da falle ich unter den übrigen Ratten nicht auf.“

   „Vor allem verstehst du ihre spezielle Sprache. Schon das ist ein sehr großer Vorteil. So, nun fehlt mir nur noch ein Kraut und eine Wurzel, welche die Pigmentstoffe beeinflussen. Dazu muss ich noch einmal hinaus in den Wald. Dieses Kraut und die Wurzel sind zwar selten, und sie wachsen nur in der unmittelbaren Nähe von Pilzen. Vielleicht hab’ ich ja Glück. Willst du mich begleiten Silicona?“

   „Natürlich Marizia. Vielleicht kann ich auf der Suche ja noch etwas von dir lernen.“, sagte die weiße Ratte und gemeinsam verließen sie das Baumhaus. Auf ihrem Weg huschte ihnen eine schwarze Ratten über den Pfad.

   „Das war wohl ein Späher. Bestimmt soll sie uns ausspionieren. Also scheint die böse Meute wohl doch etwas im Schilde zu führen.“, sagte die Kräuterhexe und begann in ihrem Pilzfeld gleich mit der Suche. Nach einiger Zeit jauchzte die Kräuterhexe:

   „Was erblicken meine altersschwachen Augen denn da mit einem Mal? Eine der Harnischwurzeln. Was für ein erfreulicher Anblick für die trüben Augen einer alternden Hexe. Aber wo eine ist, da sollten wohl auch noch mehr sein.“, sagte sie sich zufrieden, grub weiter im feuchten Waldboden umher und fand auch weitere der seltenen Wurzeltriebe. Und als wäre sie vom Glück verfolgt, da vielen ihr kurz darauf auch diese kleinen graugrünen Blätter der Paransapflanze ins Auge.

   ’Das reicht ja für eine ganze Herde.’, sagte sie sich erfreut.    

   „Silicona, ich habe schon alles was ich suchte gefunden. Lass uns gleich zurück ins Baumhaus gehen, um das Elixier fertig zu stellen. Es muss nun noch eine Zeit aufkochen, dann bin ich fertig und fülle das Resultat in einen Flakon. Und dann sollten wir es gleich an dir testen. Ich gebe es dir in flüssiger Form, so wie fast alle meine Präparate. Aber so wie es mir den Anschein macht, wird sich der Erfolg sicher einstellen.“, sagte die Hexe zufrieden und die Beiden traten darauf ihren Heimweg an.

 

In der Hexenküche des Baumhauses sortierte Marizia, mischte, wog, zählte und kochte anschließend die Kräutermischung über einer schwach brennenden Feuerstelle auf. Darauf stellte sie das Gebräu eine zeitlang kühl filterte und füllte es anschließend in zwei Flakons.

   „Nun ist es bereit und wir können es ausprobieren Siliconia.“

Sie nahm sich einen Löffel, füllte ihn mit der Flüssigkeit und reichte ihn der weißen Rättin. Silicona schluckte das Elixier und wartete. Nur eine kurze Zeit darauf begann sich ihr Fell langsam aber stetig  zu verändern und zwar solange, bis es letztendlich genauso schwarz war, wie die Felle der Bösartigen.

   „Schau in den Spiegel und du wirst dich nicht wiedererkennen. Wir haben unser Ziel erreicht.“

   „Bin ich das wirklich?“, fragte Siliconia.

   „Und ob du das bist. Nun unterscheidet dich in nichts mehr von Muränias Ratten und du kannst nun deinen Weg in das Burgverlies antreten. Lass uns jedoch zunächst einmal die Freunde der Gilde erschrecken.“, sagte die Hexe verschmitzt und sie machten auf den Weg ins Gildenhaus.

   „Warte hier vor dem Eingang, denn ich werde allein vorgehen.“, sprudelte es spitzbübisch aus Marizia hervor.“

Sie betrat das Haus und fing gleich laut zu zetern:

   „Schließt Tür und Tor und löscht das Licht, bevor Muränias Meute einbricht.“, jammerte sie herzerweichend und schlug die Hände vor ihrem Gesicht zusammen.

Kreidebleich verfolgten die anwesenden Freunde das Geschrei und gruppierten sich wissbegierig um die Hexe.

   „Marizia, Marizia, welch furchtbares Wesen hat dich denn so aus der Fassung gebracht?“, riefen sie alle durcheinander.

   „Die schwarzen Ratten greifen wieder an. Eine von ihnen ist mir draußen vor der Gilde fast auf die Füße getreten.“, spielte die Hexe ihr Spiel.

Sofort zog Stragrami sein Schwert, um damit hinauszustürzen.

   „Der wird’ ich’s schon zeigen.“, kochte er vor Wut. Daraufhin ging Marizia zum Eingang und öffnete ihn. Mit gefletschten Zähnen stand dort Silicona und fuchtelte sie alle an. Sofort wichen sie alle einige Schritte zurück. Doch plötzlich registrierten sie, dass sich Marizia dieser schwarzen Ratte furchtlos näherte und sagte:

   „Beruhigt euch wieder Freunde. Hier steht kein Feind, sondern eure Freundin Siliconia. Wir haben uns nur einen Scherz mit euch erlaubt, weil uns interessierte ob ihre Kostümierung auch wirkt.“

 

Tags darauf verließen Witho und Siliconia ihre Gilde und beamten sich gleich darauf hinüber zum Planeten Muränia. Und zwar zum gleichen Ort, an dem sie bei ihrem ersten Besuch schon einmal in der freien Natur genächtigt hatten.

   „Auf welche Art und Weise willst in die Burg gelangen Silicona?“, fragte Witho.

   „Für mich als Ratte, da wäre wohl der allerbeste Zugang über die weitläufigen Abwasserkanäle die solch ein Gemäuer meist besitzt. Dort werde ich mich dann den anderen Ratten anschließen, um mich unauffällig der Hexe Muränia zu nähern. Wie lange meine Expedition dauern wird, kann ich aber noch nicht sagen, Witho. Denn niemand von uns weiß bis jetzt was mich dort erwarten wird.“

   „Das ist mir schon klar Siliconia. Und ich selbst werde mich hier in der näheren Umgebung umsehen und etwas Pionierarbeit leisten.“, antwortete Witho. Darauf gingen beide den sich gestellten Aufgaben nach.

Zunächst machte sich Witho auf den Weg durch das mannshohe Gras. Das war ein riskanter Weg auf den er sich dort begab. Denn durch die hohen Farne war keinerlei Überblick auf die Umgebung möglich. Überall konnten sich Muränias Ratten aufhalten. Und gleich einer großen Gruppe gegenüber zu stehen war nicht erstrebenswert. Aber er wollte für ihre nächsten Besuche einfach wissen wie es um dieses Territorium bestellt war.

Währenddessen hatte sich Siliconia bis in die Nähe der Hexenburg vorgearbeitet und hielt Ausschau nach einem Abwasserkanal, über den sie sich Zugang zum Verließ schaffen konnte. Zunächst lief sie an einem schwach plätschernden Bach entlang, erblickte einen kurz darauf einen Baum, der den Bach überspannte und begab auf ihm sich ans  andere Ufer. Kaum hatte sie sich an der Uferböschung im Dickicht verborgen, da vernahm sie in der Nähe ein rascheln und gleich sah sie eine kleine Gruppe von Muränias Ratten die es sehr eilig hatte.

   ‚Ich werde mich ihnen anschließen und ihnen folgen.’, dachte sie und schloss sich der Gruppe an. Es ging in scharfem Tempo durch wildes Gestrüpp weiter in Richtung der Hexenburg. Mit einem Mal tat sich eine Öffnung vor ihnen auf, wobei es sich dem Anschein nach um solch einen Kanal handelte. Dort stürmte die Meute hinein und schien genau zu wissen wohin der Gang sie führte.

   ‚Nun sollte ich mich solange verbergen bis die Gruppe wieder aus meinem Blickfeld verschwunden ist.’, dachte Siliconia und verbarg sich in einer Seitennische des Hauptkanals. Als die Luft wieder rein war machte sich Siliconia weiter auf den Weg. In einiger Entfernung schien der Tunnelkanal wieder zu Ende zu sein, denn sie erspähte helles Tageslicht am Röhrenende. Vorsichtig lief Siliconia in Richtung des Lichtes und erkannte einen dahinter liegenden Burghof, auf dem sich eine größere Gruppe der schwarzen Ratten tummelte.

   ‚Überrumpeln kann mich diese Meute nicht, schließlich sehe ich genauso aus wie sie alle und spreche die gleiche Sprache.’, sagte sie sich und mischte sich gleich darauf unter die Anwesenden. Oben an einem Fenster erschien plötzlich die Hexe Muränia und verlangte in schroffen Ton von der Rattenschar ins Gebäude zu kommen.

   ‚Da ich bis jetzt noch nicht aufgefallen bin, werde ich mich einfach unter sie mischen und sehen was sich dort tun wird. Die Schar der Ratten lief durch ein schmales Seitenportal und befand sich danach in einem großen saalähnlichen Bereich. Oben auf einer Empore stand in herrischer Geste die bösartige Hexe, und ganz in ihrer Nähe thronte auch der alte Druide aus dem Nibiruanerland. Mit einer herrischen Gebärde ließ Muränia ihr Rattenheer verstummen und fing an auf sie einzureden:

   „Hört zu mein Gefolge. Es ist wieder soweit. In zwei Tagen greifen wir den Planeten Nibiru wieder an und werden uns über die Vorräte unserer Feinde hermachen. Und das wird sich von nun an solange wiederholen, bis ihr all ihre Vorräte vernichtet habt und die Nibirus einen jämmerlichen Hungertod sterben müssen. Denn dann haben wir unser Ziel erreicht und der Planet ist von da an in unserer Hand. Zu eurer Unterstützung werden euch meine Mausvampire begleiten. Ihre Aufgabe besteht darin, so viele Nibiruaner als nur möglich zu beißen, damit auch die sich in Vampire verwandeln damit wir noch mächtiger werden. Ich Muränia bin die wahre Herrscherin unseres Alls, das mir daraufhin niemals wieder streitig machen lasse. Jedem von euch wird gleich der Trank Toxilus verabreicht, der euch noch erheblich aggressiver werden lässt, als ihr es jetzt schon seid. Also seid Übermorgen um die sechste Morgenstunde zum Angriff bereit.“, röchelte die Hexe, machte auf dem Absatz kehrt und verschwand - vom Druiden gefolgt – in ihren Gemächern.

Nun hatte Siliconia genug erfahren und begab auch sich selbst auf den Rückzug. Sofort durchquerte sie den Tunnelkanal, lief durch das wilde Ufergestrüpp, überquerte über den Baumstamm den Bach, dann durch das Steppengras zurück zum unruhig wartenden Witho.

   „Da bist du ja wieder.“, wurde sie von ihm begrüßt.

   „Hat deine Expedition etwas gebracht?“, fragte er aufgeregt.

   „Und ob mein Ausflug etwas gebracht hat. Habe mich der Meute der schwarzen Ratten angeschlossen und mit ihnen mitten in dem Saal - von dem uns Amilla berichtete - die Pläne der Hexe Muränia erfahren können. In zwei Tagen greifen sie unseren Planeten wieder an. Dazu hat die Hexe an sie einen Trank verteilt, der sie noch viel aggressiver macht als sie ohnehin schon sind. Dazu werden sie dieses Mal von Muränias Mausvampiren unterstützt. Diese Viecher sollen so viele Nibiruaner als nur möglich beißen, dann werden sie gleich darauf auch zu Blutsaugern und gehören von da an zum Heer der Hexe. Wir sollten so schnell als möglich zurück zu Nibiru um uns auf den Überfall vorzubereiten.“, sagte Siliconia.

   „Dann lass uns gleich zurück beamen, denn viel Zeit bleibt uns nun nicht mehr. Jedenfalls wissen wir jetzt was sie vorhaben, aber sie wissen von unserer Erkenntniss nichts.“, antwortete Witho.

Zurück auf Nibiru machten sie sich sogleich auf den Weg zur Gilde, riefen ihre Freunde zusammen und erstatteten ihnen Bericht.

   „Diese verfluchte Teufelsbrut. Aber ganz wehrlos sind wir auch nicht. Dazu muss ich aber zunächst zurück in mein Baumhaus, um einige Dinge vorzubereiten. Vielleicht sollte mich Tzchicho dorthin begleiten. Denn auch er ist ein Kräuterspezialist und kann mir sicher mit seiner Kenntniss zur Seite stehen.“, sagte Marizia und die Beiden machten sich sogleich auf den Weg.

   „Und wir anderen sollten uns gemeinsam zum Palast von unserem Herrscher Ronkarius begeben und ihn um seine Hilfe bitten. Unter seinem Palast befindet sich ein sicheres Kellergeschoss, das er uns als Silo für den Großteil unserer Vorräte bereitstellen könnte. Für den Rest auf unseren Feldern hat unsere Marizia schon ein Mittel gebraut, welches das Korn für Muränias Ratten ungenießbar werden lässt. Auch gegen die Mausvampire hat sie ein Tonikum erfunden. Mehr können wir im Moment einfach nicht tun. Kommt, gehen wir gleich zum Palast hinüber.“, sagte Witho und sie machten sich sofort auf den Weg.  

 

 

 

COPYRIGHT © Der Titel ist bei Lektoren.ch unter Hinweis auf § 5 Abs. 3 MarkenG in allen Schreibweisen und Darstellungsformen geschützt und im Online-Titelschutz-Anzeiger veröffentlicht worden. Das Manuskript, einschließlich all seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikrovervielfältigungen und die Einspeicherung und/oder die Verarbeitung in elektronische Systeme. Copyright © 2011.-----------------------------------

 

 

Fortsetzung folgt…

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!