Vorwort

Comeback

 

Hallo again… Lange habt ihr auf meinen zweiten geschriebenen Schinken (laut meiner Traumfrau a. d. C......., genauso wie Nitro Xtine auch wieder ein dummes Buch) warten müssen. Doch das scheint jetzt wohl vorbei. 'Nitro Xtine II' steht kurz vor Veröffentlichung. Hier sind nun einige, oder wenigstens ein kurzer Ausschnitt von Stories aus meinem vorgezogenen dritten Buch, dessen Verlegung bis heute aber noch in weiter Ferne - hoch über den Wolken - steht. Endlich scheint sich - nach drei entbehrungsreichen Jahren - wieder ein Verlagshaus gefunden zu haben, und mein teilweise derbes zweites Manuskript ganz offiziell in Buchform herauszubringen, um es in die unendlichen Regale der aktuellen Buchhandlungen zu katapultieren. Die Hoffnung stirbt - wie uns wohl allen hinlänglich bekannt - zuletzt. Ein sehr bekannter Sänger aus den Weiten Österreichs hätte darauf riesige Luftsprünge vollbracht und strahlend gesabbert:

„Jo, i bin ja so gliiiiickli... I bin ja so grüüührt...

Ich dagegen bleibe lieber auf meinem alten und stark verschlissenen Schreibtischsessel sitzen, trinke meinen geliebten Rotwein schreibe derweil weiter an neuen derben Stories. Aufgefangen in den Straßen und Gassen von Düsseldorf (in Kurzform D.D.), die ein uns allen wohl allen bekannter Literatur Nobelpreisträger namens Günter Grass vor längerer Zeit einmal folgendermaßen titulierte:

Düsseldorf, diese butzenscheiben verklebte Pestbeule;

Diese Beleidigung eines nicht vorhandenen Gottes;

Dieser Mostrichklacks, angetrocknet zwischen Düssel und Rhein;

Dieses stockwerkhohe, abgestandene obergärige Bier;

Dieser Abortus, liegen geblieben nachdem Jan Wellem die Loreley besprungen.

Schon aus dieser starken Wortwahl heraus, werde ich ihm lebenslang Respekt zollen. Ich kann diese seine Aussage nachvollziehen, denn ich wurde in dieser schwarzen Pfeffermühle am Flüßchen namens Düssel geboren...

Der nachfolgend literarisch schale Schaum hat - nach Nitro Xtine, verlegt im Jahre 2008 (ISBN 978-3-86738-026-3) - nun noch einige zum Teil real erlebte - jedoch auch fiktive Stories aus meinem dritten, bis jetzt noch nicht veröffentlichten Werk 'Stragrami'. Und im Vorfeld möchte ich für meine bisherigen und zukünftigen Leser - diese Stories öffentlich ins Netz stellen.

Dabei stets in der Hoffnung, dass mir auch dieses Buch gelungen ist, und es nicht, wie das Erste aus der Vergangenheit, von einigen Wenigen - wegen deren nicht vorhandenem Intellekt - zu negativ beurteilt wird.

 

Kontakt: nitroxtine@web.de

Kontakt: charlywasyl@yahoo.de

Mobil: 0176 305 393 82

dito: 01577 601 81 71

                                                  

 

Dieses Buch widme ich meiner großen, aber

bis zum heutigen Tage unerfüllten Liebe

Nitro Xtine…

(denn seine Muse küsst man nicht)

 

 

 Das letzte Glas, das war wohl schlecht...

Die Party war in vollem Gange. Natürlich kam ich wieder einmal zu spät. Ach was soll's. Man ließ mich sogar rein und hielt mir elegant die Tür auf, in diesen heiligen, imperialen Hallen. Obwohl ich schon mehr als abgerissen aussah. Auf solche Veranstaltungen bin an und für sich nie gerne gegangen. Sie hatten meist so einen arrogant fragenden Charakter. Jeder fragte jeden gleich zu Anfang nach dessen hoher Stellung in der aktuellen Gesellschaft.

"In was machen Sie? ...Herr... Äh... Moment... Äh...?"

"Mein Name ist Manipulationoldi. Wir machen in Stahl. Sie haben sicher  schon von unserem weltweit agierenden Konzern gehört. Unsere Familie lebt schon seit Generationen im großen Rahmen vom Edelstahl.", kam dann meist sofort vom Gegenüber.

Obwohl er wahrscheinlich nur ein einfacher LKW-Fahrer, auf einem mit 400 PS bestückten Sattelschlepper in täglicher 14 Stundenschicht war und seine Kiste mit rostenden Moniereisen beladen hatte, um auf der heißen Überholspur unter ewigem Zeitdruck für irgendeine Großbaustelle dahinzudüsen. Naja. Kleider machen nunmal Leute. Zumindestens hatte er sich im suptilen Allheilmittel Rhetorik gebildet. Ich bin an und für sich nie gerne zu solchen Events gelatscht. Aber eine 'enge' Freundin hatte mich dieses Mal dazu überredet, indem sie todernst sagte:

"Charly, vielleicht kannst du dort die richtigen Leute kennen lernen und über diesen Weg neue Kontakte aufbauen. Dort sind einige sehr wichtige und hochrangige Personen anwesend, die einem sonst nur äußerst selten über den Weg laufen."

Na ja, und sie hatte dazu extrem wohlgeformte Titten, Arschbacken und Tango Beine. Da hört man eben schon zweimal hin. Und die lustigen Events auf und in ihr, hatten in meinem Chaotenleben schon nahezu Urlaubswert. Aber zurück zur Party...

In diesem schloßähnlichen Gebäude, da standen überall zähnefletschende Zombies herum. Neben einem überdimensionalen Buffet, bepflastert mit Köstlichkeiten aus aller Herren Länder. Krustentiere wie Hummer Langusten, Flusskrebsen, Austern und anderen Meeresfrüchten, rot und schwarz glänzender Edelkaviar vom Allerfeinsten tummelten sich zwischen köstlichen Salaten im Zweidutzendrahmen und jeder Menge anderer Gourmetprodukten. Ein gigantisches Szenarium und nicht so wie bei mir privat nach der Regel... Tüte auf, heiß Wasser drauf... Na ja.

Und diese geschniegelt Gestriegelten schmatzten sich rund und soffen zwischendurch an einer der beiden Bars, die wohl jede fünf Sterne Restauration hätten elend verblassen lassen. Der Hausherr hatte weder Kosten noch Mühe gescheut, um in diesem ganzen Irrsinn auffällig zu glänzen...

Irgendeiner in der Meute feierte irgendetwas. War mir aber total egal,, wie so vieles angeblich Wichtige. Hat man erst einmal hinter die www.nitroxtine1.beepworld.demateriell seidenen Vorhänge geblickt, dann stellt sich von selbst so vieles in Frage. Und die Figuren die dazwischen herumtänzeln sowieso...

Plötzlich mußte ich pinkeln und suchte völlig verzweifelt 'ne weißgraue Keramik. Jemand der von mir Befragten zeigte mir den Weg dorthin. Und dann stand ich mal wieder in einer Warteschlange und so zivilisiert wie am Stopp eines englischen Busses. Doch in weiser Voraussicht hatte man für alles vorgesorgt. Ein Lakai schleuste einen Teil der Wartenden in den parkähnlichen Garten. Dort standen eine Reihe von mobilen Ersatzpissoirs und warteten auf die Bedrückten. Und da ich mich wieder in einer Reihe herumhüpfender Nervöser befand, fragte ich diesen Einweiser nach dem herrlichen Rosenstrauch, von dem ich schon soviel gehört hatte und der zum jetzigen Zeitpunkt gerade in voller Blüte zu stehen schien.

"Sir... Da kann ich Ihnen helfen. Der steht von hier aus gesehen etwas weiter südlich. Sehen Sie dort hinten das Ahorn? Und gleich ein paar Schritte links daneben, da finden Sie diese blühende Schönheit."

Ich schob mich lächelnd aus der gebührenfreien Warteschleife in Richtung geahornter Baum, versteckte mich hinter dem blühenden Rosenstrauch und pißte mich aus, während ich zynisch die nervös rumtänzelnde Schar in der Warteschlange beobachtete. Dann bin ich wieder zurück in diese Welt, die nicht meine Welt war.

"Sir, haben Sie diese natürliche Vielfalt und die üppige Fülle der Blüten genießen können?", fragte mich der gelackte Einsterneinweiser. Nun ja, in diesem Moment da half nur Schleimen...

"Aber natürlich hab' ich das. Und mich hat äußerst selten eine solch ästhetische Schönheit berührt. Dafür bin ich Ihnen zu großem Dank verpflichtet. Und dazu ich habe das untrügliche Gefühl, das er schon im nächsten Jahr mit einer noch viel üppigeren Blütenfülle bestückt sein wird. Ich danke Ihnen ergebenst.", hab' ich gesülzt und bin dann wieder zurück in das seidene Kabinett der Wichtigkeit. Sah mich dort um, konnte aber nichts neues entdecken. Wie schon gesagt, irgendeiner aus dieser Meute feierte irgendetwas. Vielleicht seinen neunundsiebzigsten Geburtstag, oder den hundertsten Jubeltag seiner dritten oder sechsten, unter paranoid schizophrener Hysterie leidenden Schwiegermutter, im geldgeilen Hinblick auf das in Bälde zu erwartende Erbe, in edler Form unendlicher Immobilien oder sonstigem Vermögen. Möglich war da alles.

Und dann stand ich wieder mittendrin in diesem Konglomerat von grell blitzenden, maßgeschneiderten Idioten. Einige von denen wurden von pechschwarz gekleideten und sonnenbebrillten Bodyguards umwieselt. Mächtige Sortierer mit permanent aufgesetzter Killermine, die ihre Arbeitgeber schützend umgarnten. Ihre Chefs, (je größer ein Arschloch desto teurer und breiter seine Bodyguards) gaben sich äußerst souverän und versuchten sich gegenseitig die momentan wichtigen goldenen 'Schürfstellen' zu mopsen oder unters Revers zu jubeln. Und ich einsamer Freak suchte derweil nach einer adäquaten alternativen Betäubung. Kaum hatte ich den Gedanken erdacht, da versuchte mir so ein bunt Livrierter, von seinem perfekt jonglierten, silbern strahlenden 'Table' ein Glas mit undefinierbarem Inhalt aufzuschwatzen. Er gab sich richtig Mühe - mit der einen Hand auf dem Rücken - um seinem erlernten Job augenscheinlich gerecht zu werden. Fast verdurstet nahm ich dankbar an. Ich trank gern und dazu endlos viel. Aber schon dieser Spruch:

"Das ist ein Dreiundachtziger... Moment Sir... Äh... Da muß ich wohl noch einmal nachsehen. Pardon Sir, aber ich vermute Sie wissen das sicher schon. Ein dreiundachtziger Chateau... Äh... Äh... usw."

Ich kippte den blaßgrünen Inhalt aus dem kristallenen Becher auf Ex. Währendessen wühlte der in sich Selbstbewußte in seiner Bar herum. Flaschen klirrten und die stark ausgeprägten Muskeln in seinem Gesicht - - dem Face eines pausenlos verkrampft Servierenden - die zuckten ununterbrochen und sehr mißbilligend.

Jedenfalls schmeckte das Zeug wie so'n wochenalter Rarbarberkompott, gewälzt in einer knoblauchgeschwängerten Hähnchengeflügellebersose. Hatte nun mal nicht die überzeugend streichelnde Wirkung von 'Malt' und dem relativen Freedom danach. Es gibt Gesöffe, die kommen schon wieder aus einem raus, bevor sie einen wirklich gefunden haben. Das was nun meinen Gaumen quälte war so ein Zeug...

Trotzdem, es war eine wirklich schöne Party allerster Sahne. Eine Party wie ein Müllcontainer. Schmeiß da alles rein was du nicht mehr brauchst. Entsorgt wird das dann von jenen, die auch sonst niemand kennen lernen möchte. Die niemals über ihr Scheißdasein nachdenken dürfen. Die noch immer so funktionieren, wie schon seit Tausenden von Jahren...

Während ich rülpste, was scheinbar niemand der wirklich großen Träger irgendeines blechernen Ordens registrierte, laberte mich einer, der sich pausenlos in die Breite saufend, gerade an der schmerzhaften Grenze eines Maschendrahtzauns angekommen zu sein schien verstört an. Und er deutete spitzfingrig auf eine superblond Oxidierte, die von einigen, scheinbar als Machos agierenden umringt wurde. Sie schleppte einen Body mit sich herum, den man sonst lange suchen muß. Ich sah in diesen Pulk und ich sah diese Verstörte und ihr schrilles Bedürfnis nach Orgasmen in Serie. Ich sah ihre suchende Verzweiflung. Ich sah diesen Haufen Nichts, der sie laut schnatternd Umringenden, in dem sie total verzweifelt zu schwimmen versuchte, aber scheinbar keinerlei Erfolg hatte. So sehr sie sich auch kokettierend abmühte. Dabei sollte eine Frau eigentlich niemals mehr Männer haben, als die Finger einer Hand. Der Moment war total fade und schon nicht mehr am Wind segelnd zu allem bereit. Dann kicherte der Betrunkene neben mir verstört:

Biggi wirkt auf Männer wie Leim auf Fliegen.“, und er meinte dann noch:

Früher war ich auch mal so ein Werwölfchen, aber jetzt ist schon alles wieder gu-u-u-u-u-t...“

Ich grinste nicht, sondern konterte trocken:

Ach, weißt du was du altes Werwölfchen? Schwanz und Möse sind Geschwister und der Arsch ihr Kriegsminister.“

Den hatte er wohl nicht richtig verstanden. Denn er gaffte mich nur aus glasigen Augen blödsinnig an und torkelte dann weiter. Ich stellte das kristallklar leuchtende Glas auf einen der - mit schneeweißem Linnen geschmückten - Tische ab und suchte 'ne alternative Betäubung. Und die bot sich auch gleich darauf an. Denn ich sah eine Gruppe verstört auf ihren Füßen wippend und sich dabei anscheinend an härteren Getränken Labende. Ihre Gläser waren der Farbe nach zu urteilen mit Whisky gefüllt. Also stellte ich mich dumm und sprach einen von ihnen an:

"Entschuldigen Sie bitte, ist das da in Ihrer Hand etwa Cola mit Rum? Wo gibt’s denn hier so etwas gutes?“, fragte ich die (Mama hat mich fein gemacht) Viper. Arrogant legte er seinen Kopf in den Nacken und süselte:

"Dies ist ein schottischer Malt Whisky. Sofern Ihnen dieser Begriff etwas sagt.“, meinte der deformierte Flachmann. Da er mindestens um eine Fußlänge kürzer zu sein schien als ich selbst, erblickte ich gleich hinter ihm auch schon eine stabile Bar mit vielen Kostbarkeiten in Flaschen. Und die Bar wurde von einem Lakaien bewirtschaftet, der laufend Gläser spülte und wieder füllte. Genau da schien ich goldrichtig zu liegen. Also ging ich hinüber und sagte zum ausschenkenden Bediener:

Einen zwei- oder noch besser einen dreiundachtziger Malt... You know. Und zwar einen aus dem südwestlichen Teil der schottischen Hochebene. Also von dort, wo Ochsen und deren Kühe noch am gesündesten leben.“

Das hätte ich wohl besser nicht gesagt, denn sofort schien der sportliche Ehrgeiz des Kretins geweckt und er antwortete sprudelnd:

"Einen kleinen Moment Sir.“

Und dann wurde von ihm äußerst angestrengt das komplette Bataillon der zur Verfügung stehenden Schnapsflaschen gewissenhaft durchsiebt. Der gab Gas wie so'n Hochleistungssportler.

Das tut mir jetzt aber echt leid, Sir. Aber ich vermute, damit kann ich Ihnen momentan nicht dienen. Aber alternativ könnte ich Ihnen einen…… anbieten.“

Wie bitteeeeeeee? Habe ich das gerade richtig verstanden? Ihr habt hier keinen dreiundachtziger Maltinus aus der weltweit berühmt berüchtigten schottischen Hochebene. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Wo bin ich denn hier gelandet? Is' das hier 'ne Dorfkneipe? Sag mir, wo treibt sich euer Pfaffe rum? Damit ich mir wenigstens andächtig das Wort zum Sonntag anhören kann. Das betäubt auch.“, und ballte dabei drohend die Fäuste.

Aber werd' jetzt nur nicht nervös. Bleib einfach ganz ruhig. Ist schon ok Sportsfreund. Biete nicht, gib mir lieber gleich die ganze Flasche von diesem alternativen Zeugs. Dann hast du gleich auch etwas mehr Zeit um dir deine Fuß und Fingernägel zu lackieren, klar?“

Er besah sich die Flasche in seinen Griffeln, danach seine Fingernägel,, dann sah er auf mich und wieder auf das Fläschchen. Daraufhin reichte er sie mir widerwillig herüber und schwuchtelte weiter zwischen Gesöffen und Gästen hin und her.

Überall standen Trauben menschenähnlicher Figuren in Smoking und Abendroben-Charakter rum und schnatterten angeregt miteinander. Die gewohnt übliche Partylangeweile trampelte sich gegenseitig auf die Füße. Mit endlos fließendem Champagner von edelster Sorte bestückt, wie meist auf solchen Events. Und dieser Zirkus tat mir gähnend Langeweile an. Hard and Heavy...

Ich bin an und für sich nie gerne auf solche Veranstaltungen gegangen, aber dieses Mal hatte mich ja die sehr ‚enge’ und hüpsche Freundin dazu überredet.

Kurz nach Mitternacht wurde mir mit einem Mal unglaublich übel. Habe mich ohne neue Kontakte geknüpft zu haben einfach dünnegemacht, leise die Tür für Angestellte hinter mir zugezogen, draußen ein Taxi gestoppt und mich ins Oldtown fahren lassen. Dort hab ich mich in eine gutbürgerliche Kneipe gesetzt und zur Entspannung ein paar Biere genascht. Dann eine Freundin mit Namen Evelyn angerufen und sie solange vollgesülzt, bis das sie bereit war die restliche Nacht mit mir zu verbringen. Ich sagte zu ihr:

Ich brauche dringend deine Hilfe, denn mir ist unglaublich übel, Angel. Das letzte Glas das war wohl schlecht...“

Evelyn wohnte auf der ersten Etage eines uralten Wohnhauses aus der Gründerzeit, also dem Jahrhundert zuvor. Und zwar direkt über einer Nahkampfdiele. So ’ner Nullachtfünfzehn Kneipe. Und gleich unter ihrem Wohnzimmerfenster, da war eine in grellem gelb blitzende Neonreklame angebracht, die jede Nacht nervtötend blinkte. Und das täglich laute Gegröle der Klugscheißer unten in dem Schuppen - oft bis in die frühen Morgenstunden - gab einem den Rest. Doch beim Bumsen gab Evelyn so laute Geräusche von sich, dass sich die Dielenbalken ächzend bogen und den Lärm aus dem Untergeschoß übertönten. Sie war knapp Vierzig, schwarzhaarig, sehr schlank und äußerst biegsam. Hatte also genau die Parameter die mir lagen. Und ihre Blowjobs waren mehr als gut. Auch wenn ich mal keine Lust auf Sex verspürte - kommt ja auch mal vor - Evelyn schaffte mich immer wieder aufs Neue. Sie war überall als geil nymphomane Hure verschrien, und dass dies so war, bewies auch dieses Mal. Unser Gekeuche zog sich bis in die frühe Morgenstunde hinein...

Dann haben wir geduscht, ausgiebig gefrühstückt und danach noch mal die Matratze liebkost...

Zu jener Zeit stand mein Buch Nitro Xtine erst ganze vier Wochen in den Regalen der Buchläden. Jedenfalls durfte ich mich fortan freiberuflicher Schriftsteller schimpfen. Ich hatte nun sogar eine Steuernummer vom Finanzamt. Ein unglaublicher Karrieresprung aus der negativen Hölle der Arbeitslosigkeit, hinauf in den literarisch azurblauen Himmel der Selbständigkeit.. Auch gar nicht so schlecht, oder? Dachte ich jedenfalls damals...

Sonntagmittag habe ich mich von Evelyn verabschiedet, mir unterwegs wieder ein Taxi geleast, bin in meine Hütte zurück und hab’ mich erstmal ausgeschlafen. Das mußte auch sein, denn tags darauf hatte sich der Redakteur einer großen und sehr bekannten Tageszeitung mit mir zu einem Interview verabredet. Mein zweites Zeitungsinterview in Richtung Literatur. Von meinem Verlag über eine PR Maßnahme arrangiert. Und ein bißchen Öffentlichkeitsarbeit konnte gerade in der Anfangsphase bestimmt nicht schaden. Ich hatte mich mit diesem Redakteur für den Folgemontag in der Blende verabredet. Das Gespräch dauerte ungefähr anderthalb Stunden und währenddessen wurden von einem anwesenden Fotografen eine Reihe Fotos gemacht. Der Artikel, der knapp zwei Wochen später dabei herauskam war zwar hart, aber gar nicht so ohne und füllte das Sommerloch der Zeitung. Und ich war wieder einmal ein kleines Stück weiter...

Mein Verlag gab sich da große Mühe. ‚Go with the wind’ sagte ich mir, und das war auch gut so...

 

 

 

 

Es stand ein Kreuz am Wegesrand...

 

Es war Hochsommer und in der Mittagzeit. Und es war sehr, sehr heiß an jenem Tag...

Seit nunmehr neunundvierzig Minuten ging mir eine Fliege tierisch auf den Keks. Schon zum Frühstück hatte ich mir ’ne Flasche Roten reingepfiffen. Denn man gönnte sich als armer Poet - ohne Regenschirm überm Bett in trüben Krisenzeiten - ja sonst nicht viel. Brauchte mal wieder dringend eine flexible, heiße Pussy. Aber da keine greifbar war, da half eben nur voll auftanken und danach die Schreibmaschine vergewaltigen. Und so hackte ich seit einer Stunde verstört auf ihr herum. Und es entstand Seite um Seite. Der Stoff aus dem der Wahnsinn ist. Doch plötzlich tauchte sie auf und attackierte mich ununterbrochen. Diese verdammte Stubenfliege. Ihre Angriffe wurden unerträglich. Meine Konzentration sank fast bis auf den Nullpunkt.

Achtundvierzig Minuten hatte ich verzweifelt versucht, sie auf herkömmliche Art und Weise zu vernichten. Doch das misslang total. Ihre Reflexe siegten. Zwei Dinge sind nur sehr schwer zu erwischen. Fliegen im Sommer und Frauen beim Lügen. Obwohl man Frauen viel eher erwischt. Sie lügen meist dann wenn sie andächtig Schweigen...

Ein schweißnasses Handtuch und eine zerfetzte Zeitung klebten auf dem Fußboden. Und immer und immer wieder griff dieses schwarze Monster brutal an. Wie so ein Stuka im zweiten Weltkrieg. Kampf der Welten. Jeder gegen Jeden...

So kam ich jedenfalls nicht weiter. Menschlicher Erfindungsgeist war gefragt. Innovative Waffen mussten jetzt her. Meine Gedanken überschlugen sich endlos und der Wissenschaftler in mir boomte...

Urplötzlich fiel mir der Restspiritus aus Irmas Flasche ins Gebälk und endlich siegte mein Restverstand. Ideen werden in Sekunden geboren. Der Plan stand. In der kriegsvorbereitenden Phase türmten sich etliche Fragen auf:

1.  Ist die Haftpflichtversicherung bezahlt?

2.  Sind alle Unbeteiligten evakuiert?

3.  Stehen Löschkommandos bereit?

4.  Wie reagiert der Rest der Fliegenwelt auf mich als Aggressor?

Nachdem alle wichtigen Probleme im Monologen Rahmen geklärt waren, gab ich auf dieser Terroristin auf diplomatischem Weg noch eine allerletzte Chance indem ich sagte:

„Lady... Oder du verflucht perfides Luder. Egal wie auch immer. Vergewaltige von mir aus stundenlang die Mülltüte. Oder greif das WC an... Aber lass mich jetzt endlich und ultimativ in Ruhe. Ich weiß, dass ich nach Tagen ohne Dusche stinke wie ein Puma nach dem Sprung. Doch das gibt dir noch lange nicht das Recht dich auf mir auszutoben. You know.“

Und meine verbalen Bemühungen wurden begleitet vom demonstrativen öffnen des Küchenfensters bis hin zur Sperre. Doch auch diese humane Geste wurde von ihr geradezu spöttisch ignoriert. Entweder war sie total taub oder die Reinkarnation von Hitlers Geliebten Eva Braun...

Sie landete wieder ganz ruhig, ja fast schon gelangweilt direkt mir gegenüber auf der mittleren Schiene des Raumteilers. Wir sahen uns kalt und zu allem entschlossen in die Augen. Die Fliege schien wieder einen Angriff vorzubereiten. Nun war endgültig die Schmerzgrenze erreicht, denn damit hatte sie ihr eigenes Todesurteil gesprochen. Jetzt gab es kein Zurück. Stunde Null war angesagt. Von der Tischkante zwinkerte mir das gelbe und zu allem bereite Wegwerffeuerzeug zu. Die ‚Spritflasche’ stand geöffnet vor mir auf dem Tisch. Mit kaltem Blut trug ich meine Moral zu Grabe. Der Wolf in mir kotzte. Todesverachtend nahm ich die fünfzig Gramm Restspiritus in meinen Rachen, schloss meinen Mund und fixierte das Kerbtier. Der Wind stand optimal. Das Feuerzeug flammte auf. Mein Gegner rotierte nervös und griff wieder an. Jetzt oder nie war die Devise. Dann ging alles sehr schnell. Mit aller Gewalt pustete ich in die Flamme. Eine Zweimeter Feuerwalze schoss mit Warptempo in Richtung Stuka und vernichtete ihn. Die glühende Fliege stieg wie Phönix aus der Asche in die Höhe. Doch die Zimmerdecke stoppte ihren allerletzten Flug und ein Ascheregen rieselte trauernd zu Boden. Der Krieg war zu Ende und der Sieger stand fest. Ich hatte mein Territorium zurückerobert. Doch wirkliche Siegerstimmung kam nicht auf. Die sterblichen Überreste meines Gegners wurden von meinem Staubsauger 'ROBO MAXX' selbständig entsorgt.

In diesem Moment ertönte eine durchdringende Werksirene zum Schichtwechsel der Sklaven!

Für einige Sekunden verdunkelte sich die hoch im Zenit stehende Mittagssonne. Irgendein Vogel zwitscherte ein trauriges Lied. Als schwer gezeichneter Kriegsveteran mit total verbranntem Rachen öffnete ich mir eine neue Flasche Rotwein, setzte mich ans Fenster, hob den Flaschenhals an meine Kehle und philosophierte über ‚Krieg und Frieden’.

Noch Tage nach diesem Ereignis war mein Apartment fliegenfrei. Gerüchte verbreiten sich meistens sehr schnell. Meine zwei verbliebenen Hausspinnen von der Zimmerdecke emigrierten, nachdem die Dritte - sehr wahrscheinlich aus Mangel an gewohnter Nahrung - entkräftet von der Decke viel...

 

Nibirus und der alte Banker…

 

 

Ein alter und heruntergekommener Obdachloser, den alle die ihn kannten, Gustav den alten Berber nannten, saß schon seit geraumer Zeit auf einer stark verwitterten Parkbank unten am kleinen See des städtischen Hofgartens, als er urplötzlich von einem durchdringend zischenden Geräusch überrascht wurde. Es hörte sich fast genauso an, wie als Dampf entweichende Energie aus einem Druckluftkessel. Erschrocken blickte sich der Alte um und erspähte in nicht allzu großer Entfernung vor seinen verschlissenen Schuhen ein seltsames Gebilde auf dem Boden stehen. Das Objekt besaß eine eigenartig asymmetrische Form, denn seine äußeren Kanten waren von unterschiedlicher Länge und dazu schien es rundherum hermetisch verschlossen zu sein, denn weder Fenster oder sonstige Luken waren an ihm zu erkennen.                          

‚Was ist denn das für ein kurioses Gebilde? So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gesehen.’, fragte sich der alte Mann verwundert.’

Kurz darauf verschwand das Gebilde wie von Zauberhand gesteuert wieder und stattdessen stand ein ebenso eigenartiges kleines Wesen mit spitz zulaufenden Ohren vor ihm. Die winzige Gestalt maß wohl nicht mehr als die Größe einer menschlichen Hand und bewegte sich gemächlich auf den Alten zu.

„Was bist du denn für ein seltsamer Zeitgenosse?“, fragte der alte Mann sichtlich verwundert.

„Ich bin nicht von eurer Welt. Ich komme von sehr weit her.“, antwortete das Wesen auf eine etwas gewöhnungsbedürftige Art und Weise.

„So? Du kommst also von weit her? Woher kommst du denn?“, fragte der Alte irritiert und wurde sichtlich von seiner Neugier angetrieben. Und der Fremdling sagte:

„Von einem unendlich weit entfernten Planeten, der sich bei uns Nibiru nennt.“

„Sagtest du Nibiru? Hab’ ich das richtig verstanden? Denn auch davon hab’ ich noch niemals etwas gehört.“, meinte der Alte nachdenklich, hob seine Flasche und genehmigte einen tiefen Schluck Wein.

„Dann scheinst du wohl ein Außerirdischer zu sein? Das ist ja äußerst interessant, denn solch ein Wesen wollte ich schon immer einmal kennen lernen. Oder hab’ ich als Säufer schon Halluzinationen?“

Darauf antwortete das Wesen nicht, sondern blickte stattdessen verwundert auf das, was der alte Mann in diesem Moment gerade tat und fragte ihn:

„Was tust du denn da?“

Der Alte nahm die Rotweinflasche vom Mund und antwortete:

„Ich tue das, was viele Menschen bei uns tun. Ich saufe, oder besser gesagt, ich trinke.“, sagte der Alte.“

„Du trinkst? So heißt das also. Und warum tust du das?“

„Weil es mich für einige Stunden betäubend glücklich macht.“, versuchte der alte Mann eine logische Erklärung zu geben.

„Was ist das denn für eine seltsames Gerät welches du dort in deiner Hand hältst und aus der du das rote Zeug deine Kehle hinunter laufen lässt?“

„Das ist eine Flasche. So nennt man diese Behälter bei uns.“             

„Eine Flasche?“, fragte der Wichtel.

„Ja, eine Flasche aus einem Stoff der sich Glas nennt. Und in ihr ist köstlicher Wein, der mich genauso betäubt und glücklich macht, wie es in früheren Zeiten nur schöne Frauen zu schaffen vermochten. Denn Flaschen sind fast genauso schön wie viele unserer Frauen.“

„Aber eine Frau ist doch ein menschliches Wesen aus Fleisch und Blut. Und diese Flasche aus Glas, die scheint mir so hart wie ein klarer Stein zu sein. Was hat denn eine Frau mit einer Flasche aus Glas gemeinsam?“, wollte der Fremdling wissen.

„Das will ich dir gerne erklären. Äußerlich gesehen magst du ja Recht haben. Aber darauf kommt es eigentlich nicht an. Bei Beiden zählt nur der Inhalt. Der Inhalt einer Flasche und der Inhalt einer Frau ist das einzig Ausschlaggebende, also das was zählt. Denn handelt es sich um eine gute Frau, dann beinhaltet sie Charakter und eine Persönlichkeit, also einen guten Inhalt. Genauso wie der Inhalt einer Flasche. Auch der ist in der Lage, Charakter zu besitzen, um dich rundherum zu betäuben und glücklich zu machen.“

„Und warum hast du keine Frau die dich glücklich macht?“

„Oh, ich hatte mal eine mit dem Namen Witha. Und mit ihr war ich einmal sehr glücklich. Bis sie mich dann irgendwann verließ. Seitdem habe ich keine Frauen mehr angesehen und bevorzuge stattdessen Flaschen. Die können nicht sterben, weil sie schon tot sind. Und weil sie keine Beine haben, laufen sie auch nicht weg, wie es so viele unserer menschlichen Frauen tun. Aber auch Flaschen können kaputt gehen. Und zwar dann, wenn sie einem aus der Hand rutschen, denn dann fallen sie auf den Boden und zerbrechen sofort. So wie es auch Frauen tun wenn man sie einmal fallen lässt. So einfach ist das.“, sagte der Alte mit leicht bitterer Miene.

„Warum hat dich deine Frau denn verlassen? Warst du böse zu ihr?“, wollte das fremde Wesen wissen.

„Nein, nein. Das war ganz anders. Sie ist, so wie es ein jedes Lebewesen auf dieser Welt einmal erleben wird, gestorben. Und ich bin seit dieser Zeit deswegen allein, weil keine andere Frau meine Witha wird jemals ersetzen können.“

„Aber mit einer Flasche kannst du doch nicht reden und ihr auch nicht in die Augen - in die Fenster des Kosmos - sehen.“, warf der Alien ein.

„Oh, sag das bitte nicht.“, wehrte sich der alte Mann.

„Ich habe mich schon mit vielen Flaschen unterschiedlichsten Charakters unterhalten, denn ihr Inhalt lockert uns die Zunge. Es gibt aber nicht nur Flaschen aus Glas. Symbolisch gibt es auch noch die menschlichen Flaschen und die stehen auf zwei wackligen Beinen. Das sind die Versager.“

„Versager? Was sind denn Versager?“, wollte der Fremdling wissen.

„Versager, das sind all diejenigen, die sich irgendwie durchs Leben mogeln und die sich oft hinter ihren Lügen verstecken.“

„Lügen? Du redest schon wieder über solch ein verwirrendem Wort.“, sagte das Wesen und schien nach einer einleuchtenden Erklärung zu suchen.

„Tja, so ist das nun mal auf dieser Welt. Vieles was man hier erlebt, ist äußerst verwirrend. Und auch du wirst dich noch oft genug wundern Fremder.

„Sag mir Erdling, vorhin hast du Flaschen mit schönen Frauen verglichen. Warum?“

„Weil schöne Frauen und Flaschen viel gemeinsam haben. Sie sind groß und rund und sie besitzen einen schlanken Hals. Und wenn man sie richtig behandelt, dann sind beide durchaus in der Lage mit uns zu reden und dazu glücklich zu machen. Eben jede auf ihre ganz spezielle Art.“

„Du ziehst also eine Flasche einer jeden Frau vor?“, fragte der kleine Alien verwundert.“

„Ja, mittlerweile schon, denn eine Flasche kann nicht lügen und betrügen kann sie dich auch nicht.“   

„Betrügen? Was ist denn das nun wieder?“, fragte der Alien neugierig.

„Das ist eine ganz eigenartige Sache.“, sagte der alte Mann und holte dabei etwas weiter aus.

„Betrügen, das ist, wenn eine Frau oder natürlich auch ein Mann sich plötzlich einem anderen Partner zuwenden und mit dem das tun, was sie vorher mit ihrem bisherigen Partner getan haben. Dann wird der oder die Betrogene eifersüchtig. Und Eifersucht ist eines der größten Übel auf unserer Welt. Der oder die Verlassene vergraben sich aus Kummer in die Einsamkeit oder sie fangen - so wie ich es auch tue - an zu trinken. Auch bei mir fing das einmal so an. Damals, als meine Frau verstarb und mich hier unten auf der Erde allein ließ. Das war sehr, sehr bitter. Aber das Trinken von Alkohol hat diesen Kummer etwas gedämpft.“

„Alkohol?“, fragte der Alien und schien höchst verwundert.

„Ja, das ist das rote Zeug was ich vorhin meine vertrocknete Kehle hinunterlaufen ließ. Und mein Alkohol hier, den nennt man Rotwein. Doch es gibt eine ganze Reihe unterschiedlichster Sorten von Alkohol. Wie zum Beispiel starken Schnaps. Dieser Alkohol ist eine künstlich hergestellte Substanz, die auch das Glücksgefühl in dir erzeugen, aber andererseits auch sehr böse machen kann. Aber so wie ein jeder Alkohol nur für eine kurze Zeit. Dann geht der Kummer wieder los und die nächste Flasche wird fällig. Und wer es mit dem Trinken so übertreibt so wie ich es all die Jahrzehnte in der Vergangenheit tat, der wird zum Alkoholiker. Und Alkohol macht nicht nur glücklich, er kann auf  Dauer gesehen auch krank und abhängig machen. Er kann einen genauso abhängig machen wie manche schöne Frauen es tun. Und er zerstört dann langsam deine Seele und zu guter Letzt vernichtet er deinen Körper.“

„Dann würde ich aber eine Frau vorziehen. Oder ist in ihrem Körper auch Alkohol?“, fragte der Fremdling.

„Nein. Oder warte mal. Doch. Denn auch von einer Frau kann man ja abhängig werden und du kannst dich dann genauso wie  ein trinkender Alkoholiker schnell selbst verlieren.“

„Ihr habt schon seltsame Gebräuche.“, antwortete der Alien. Plötzlich schien er sehr verwirrt über das Erfahrene zu sein und antwortete:

„Das wäre uns Nibiruanern einfach alles viel zu kompliziert. Wir genießen die Zeit unseres Lebens lieber. Und wir kommen auch nur alle dreitausendzweihundert Jahre zu euch Menschen auf die Erde. Und zwar, um zu prüfen, wie sehr ihr euch in der Zwischenzeit entwickelt habt.“

„Wirklich nur alle dreitausend Jahre tut ihr euch die verfluchte Menschheit an? Oh ihr Glücklichen.“, sagte der alte Mann mit einer leicht melancholischen Miene. Plötzlich fragte der Alien neugierig:

„Ihr Glücklichen? Was ist denn ihr Glücklichen?“

„Das Wort Glück bedeutet, weit mehr als zufrieden zu sein.“

Wieder machte das Wesen einen verwirrten Eindruck und fragte den Alten:

„Darf ich wiederkommen? Denn deine Worte haben mich sehr neugierig gemacht. Und nun möchte noch viel mehr von euren seltsamen Bräuchen erfahren.“

„Natürlich kannst du wiederkommen. Jederzeit. Komm wieder wann immer du willst. Ich bin meist an diesem Ort zu finden.“, sagte der alte Mann und genehmigte sich erneut einen tiefen Schluck aus seiner Flasche. Er hörte den Alien noch rufen:

„Danke mein Freund und bis bald!“

Und nachdem Gustav die Flasche wieder abgesetzt hatte, war der Alien auch schon aus seinem Blickfeld verschwunden. Und der alte Mann dachte:

‚Das war ja jetzt wirklich ein sehr kurioses Erlebnis. Aber davon berichte ich niemandem etwas. Denn mir altem Säufer glaubt das ja sowieso keiner.’, sagte er sich, trank noch seine Flasche leer und verließ seinen gewohnten Platz auf der Parkbank. Von diesem Moment an spürte er eine eigenartige Unruhe in sich aufsteigen. Und er sagte sich:

‚Den Menschen sage ich zwar nichts, aber aufschreiben werde ich diese Geschichte. Ja genau, denn ich habe schon vor langer Zeit einmal davon geträumt ein Schriftsteller werden. Habe das jedoch niemals geschafft. Und diese Story, die hört sich sehr abenteuerlich an. Hoffentlich ist sie noch nicht zu Ende. Oder bei mir ist es schon soweit und ich leb’ von nun an im Reich der Halluzinianer...

 

Daraufhin vergingen etliche Wochen, ohne das etwas geschah. Der alte Mann dachte mal wieder an seine Halluzinationen, die ihm damals sein Hirn vergiftet hatten und langsam verblasste die Begegnung mit diesem Wesen von einem anderen Stern. So wie gewohnt saß Gustav auf seiner Parkbank, unten an dem kleinen See, als er mit einem Male wieder dieses Zischen und kurz darauf eine ihm gut bekannte Stimme vernahm:

„Hallo mein alter Freund. Da bin ich wieder.“, sagte der kleine Alien. Und der Alte fragte und sagte verwundert:

„Du bist tatsächlich wieder hier? Mittlerweile hatte ich dich schon ganz und gar abgeschrieben.“

„Ich habe dir doch versprochen wieder zu kommen. Und was ein Nibiruaner den Wesen von anderen Planeten verspricht, das hält er auch ganz konsequent. Können sich denn die Menschen nicht auch so zuverlässig aufeinander verlassen?“

„Menschen? Wo denkst du hin? Menschen reden zwar viel, aber mit ihrer Zuverlässigkeit ist es bis zum heutigen Tag noch nicht allzu weit her. Dafür manipulieren sie sich untereinander umso heftiger. Menschen? Ha, ha, ha... Dieser Haufen Nichts. Sie haben hochtrabende Gesetze geschmiedet, die aber meist nur ihren großen Stammesfürsten zum Vorteil und zum Schutz vor ihren eigenen Völkern dienen. Und in denen Worte wie Moral, Ethik und Ästhetik zwar grell im Vordergrund zu stehen scheinen, aber wirklich daran halten tut sich nur ein verschwindend geringer Teil dieser hirnkranken Meute.“

„Gesetze? Was ist denn Gesetze?“

„Du willst wissen was Gesetze sind? Tja Gesetze, das ist eine Art von rigorosen Richtlinien oder Verhaltensregeln, an die sich alle Mitbewohner auf dieser Welt von Geburt an zu halten hat. Denn ohne Gesetze würde alles auf dieser Welt in einem großen Chaos enden und ein jeder würde wohl nur das tun was er wollte.

„Das ist eigentlich sehr schade.“, sagte der Alien traurig und nun schon merkbar leiser.

„Habt ihr denn keine Gedankenkontrolle?“, fragte er den alten Mann.“

„Gedankenkontrolle? Wo denkst du denn hin? Dafür heißt es bei uns vielmehr - die Gedanken sind frei - und sie werden auch radikal genutzt. Könnte jemand die Gedanken von anderen Menschen lesen, dann wäre alles viel humaner oder die Menschheit hätte sich auf der anderen Seite schon längst und gegenseitig ausgerottet. Dann gäbe es sie schon lange nicht mehr und auch ihre Kriege hätten sich damit erübrigt. Aber soweit hat sich die Menschheit noch nicht entwickelt, wenn es überhaupt jemals dazu kommen wird.“

„Das ist eigentlich wirklich sehr schade.“, sagte der Alien nun schon merkbar leiser geworden.

„Kriege? Sage mir bitte, was ist denn Kriege?“, fragte der Außerirdische neugierig.

„Du willst wissen was Kriege sind? Ich versuche es dir mal auf meine Art zu erklären. Wenn Menschen unterschiedlicher Rasse und verschiedener Meinung über eine Sache sind, dann geraten sie oft in einen heftigen Streit, und ein jeder dieser Streithähne versucht währenddessen seine eigene Meinung durchzusetzen. Auf jeder der beiden Seiten bildet sich eine Gruppe, die die Streitenden in deren Meinung bestärkt, um deren Forderung zu unterstützen. Sollte es jedoch zu keiner Einigung und Lösung des Problems kommen, dann weitet sich der Streit immer mehr aus. Plötzlich stehen sich die beiden zerstrittenen Parteien feindlich gegenüber und bedrohen sich dann so lange, bis das eine dieser Gruppen eine Kriegserklärung ausspricht und die andere Partei letztendlich angreift, um sie brutal zu zerstören. Dabei werden sehr gefährliche Waffen eingesetzt, um damit das Territorium des Gegners zu vernichten. Das ist dann ein Krieg. Und auf der Erde haben sich solche Streitereien oft dermaßen ausgeweitet, dass es schon zwei Weltkriege gab, in denen viele unserer Völker verwickelt wurden. Die Leidtragenden sind dann nicht nur die gegenseitig zerstörten Länder, sondern vor allem auch alle beteiligten Menschen. Denn viele von ihnen wurden während solcher Kriege getötet. Verstehst du mich nun?“, fragte der alte Mann mit bitterer Miene.

„Und warum versuchen die Menschen nicht sich vor einem solchen Krieg friedlich zu einigen?“, wollte der Alien wissen.

„Das geschieht deshalb, weil Kriege auch aus wirtschaftlichen Gründen geführt werden. Sie regeln die zusammenbrechende Weltwirtschaft, die kurz vor einem Krieg in einer tiefen Krise steckt. Solch eine Wirtschaftskrise erleben wir jetzt gerade wieder einmal. So wie vor fast hundert Jahren.“, versuchte der Alte den Fremdling aufzuklären.

„Die Menschheit hat scheinbar noch nichts aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt. Und so werden sie sich auch in der Zukunft durch Kriege zerstören und dann wieder alles aufbauen usw. Denn nichts bringt soviel Geld wie die Zeit vor, während und nach einem Krieg.“

„Also steht eure Welt wohl wieder vor einem großen Krieg?“

„Das wird sich finden. Jedenfalls haben das schon zwei große Denker vorausgesagt. Zum einen war das die Königin Saba, die schon vor über drei tausend Jahren diese Voraussage machte. Und auch ein großes Multitalent, der Physiker und Philosoph Nostradamus sah vor fünfhundert Jahren einen neuen Weltkrieg in unserer Zeit voraus. Tja, wenn die Menschen Gedanken lesen könnten dann würden sie solch grausamen Katastrophen wohl sofort ausweichen. 

„Bei uns ist das Gedankenlesen kein Problem. Bei uns lernen das Lesen fremder Gedanken schon die Jüngsten. So sind sie geschützt und bleiben ihr Leben lang vollkommen stressfrei. Während ihr dagegen scheinbar euer ganzes Leben in Angst und Schrecken vor euch selbst lebt. “

„Auch wenn ich mich nun wiederhole, ihr scheint tatsächlich sehr viel glücklicher zu sein als es die gesamte Menschheit seit  Anbeginn ihrer Existenz es jemals war.“, philosophierte der Alte und fragte, indem er dem Alien seine Flasche anbot:

„Auch einen Schluck, um menschliches Glück zu erfahren?“

„Oh nein. Nein danke. Verschon mich bitte damit. Du hast mir schon erzählt was Alkohol für großes Unheil anrichten kann.“, sagte der Alien und hob dabei abwehrend seine kleinen Hände. Daraufhin hob der alte Mann resignierend seine Schultern, setzte die Flasche wieder an seinen Hals und sagte:

„Na ja. Du kannst ja auch wieder weg, aber ich muss weiter hier auf diesem verrückten Planeten bleiben.“

„Auch wenn ich mich nun zum zweiten Mal wiederhole, ihr Wesen vom Planeten Nibiru scheint glücklicher zu sein, als es die ganze Menschheit seit Anbeginn ihrer Existenz es wohl jemals war.“, sagte der Alte philosophierend und fragte, indem er dem Alien erneut seine Flasche anbot:

„Ich frage dich jetzt noch einmal. Möchtest du nun auch einen Schluck, um alternatives menschliches Glück zu erfahren?“

„Nein, Nein, verschon mich bitte damit. Denn du hast mir ja erzählt, was dieser Alkohol für Verwirrungen in einem Gehirn anrichten kann.“, sagte der Alien abwehrend.

Der alte Mann verzog resignierend seine Schultern und meinte:

„Na ja. Für dich ist das ja auch sehr einfach. Du kannst ja wieder weg, aber ich muss weiter und bis zum Ende meiner Tage hier unten bleiben.“, sagte der Alte, gönnte sich erneut einen Schluck, rülpste zufrieden und verkorkte seine Flasche wieder, bevor er sie daraufhin wieder in seiner Manteltasche verschwinden ließ. Und der Alien fragte sichtlich verwundert:

„Sag mir bitte, warum versteckst du denn deine Ersatzfrau mit Namen Flasche? Denn ich sehe hier niemanden der sie dir wegnehmen könnte.“

„Da hast du sicherlich Recht. Aber man darf hier den Alkohol zwar kaufen, ihn aber in der Öffentlichkeit zu trinken, das wird nicht gerne gesehen und nimmt mittlerweile genauso solche Formen an wie bei den Freaks im fernen Amerika.“, versuchte der Alte erklärende Worte zu finden.

„Amerika? Was ist denn Amerika?“

„Das ist ein großes Land hinter einer riesigen Wasserfläche mit dem Namen Atlantik. Und dort drüben lebt seit einigen hundert Jahren ein Volksstamm, der sich Amerikaner nennt. Ein äußerst seltsamer Volksstamm hat sich im Laufe der Jahrhunderte dort entwickelt. Was heißt schon entwickelt? Ohne Kultur gibt’s nun mal keine Entwicklung. Na ja... Und dort in Amerika, da darf man öffentlich nur Alkohol trinken, wenn man seine gekaufte Flasche in so einer Papiertüte versteckt bevor man sie trinkt.“

„Amerikaner trinken Alkohol aus Papiertüten?“

„Ja, das habe ich des Öfteren in amerikanischen Filmen gesehen und ich musste jedes Mal laut lachen.“, schmunzelte der alte Mann amüsiert.

„Sie kaufen eine Flasche, verstecken sie in einer Papiertüte und führen die Tüte zum Mund, so wie wir den Flaschenhals zum Munde führen. Und es sieht so aus als trinken sie den Schnaps aus der Tüte. Soweit sind wir bei uns noch nicht, aber das ist wohl alles nur eine Frage der Zeit. Jedenfalls bin ich bis heute noch nicht soweit gekommen, denn ich trinke meinen Wein noch immer direkt aus der Flasche. Und bei mir toleriert man das meist auch, denn da sagt höchstens mal jemand:

„Du alter Säufer oder du versoffener Penner und er zieht dann weiter.“

„Wieder solch eine Regel voller Widersprüche, die ich noch nicht ganz verstehe. Da kauft sich jemand etwas zum Trinken und dann darf er es nicht benutzen und muss durstig bleiben. Was machen eigentlich all die Anderen, wenn sie ein Trinkbedürfnis haben?“, fragte er weiter.

„Was die Anderen machen? Die setzen sich in eine Kneipe.“, antwortete der alte Mann.

„Eine Kneipe? Was ist denn das schon wieder?“

„Eine Kneipe oder auch Gaststätte genannt, das ist ein Raum wo sich ganze eine Reihe von Gleichgesinnten trifft, um dort gemeinsam ihr Trinkbedürfnis zu stillen. Der Wirt, das ist der Eigentümer einer solchen Kneipe, der nimmt von seinen Gästen Bestellungen an und serviert ihnen das Gewünschte. Ja, so ist das.“, meinte der alte Mann und schien nun schon wieder sichtlich amüsiert.

„Also geschieht dort eine heilige Handlung.“

„Zynisch betrachtet könnte man es so beschreiben.“

„Und da ist erlaubt, was hier draußen nicht erlaubt ist und niemand beschimpft dort die vielen Trinkenden? Das hört sich ja an wie eine Oase für Trinker? Ist das wirklich so?“, fragte der Kleine verblüfft.

„Ja, genauso könnte man es auch nennen. Und von heute an nenne ich Kneipen Kathedralen oder durstlöschende Oasen.“, sagte der Alte und musste dabei  laut lachen.

„Nun habe ich schon wieder etwas Neues dazu gelernt. Und es wird von Mal zu Mal interessanter. Solch eine Kneipe würde ich mir gern einmal ansehen. Aber erst bei meinem nächsten Besuch. Zeigst du mir dann solch einen Raum der sich Kneipe nennt? Aber nun muss ich schon wieder weiter, denn meine Energie ist aufgebraucht, die ich auf eurer Welt brauche. Also dann bis bald.“, sagte der Fremdling und löste sich in Luft auf. Daraufhin drehte sich der alte Mann einmal im Kreis, sah sich dabei verwundert um, aber der Außerirdische hatte sich schon wieder vollkommen unsichtbar gemacht.

‚Das glaubt mir bestimmt keiner.“, sagte sich Gustav amüsiert.

‚Denn das fällt ja schon mir schwer, obwohl ich selbst dabei war. Nein das glaubt mir wirklich niemand. Also schreibe ich, so wie ich’s geplant habe, von heute an diese Geschichte auf. Und wenn die Besuche des Außerirdischen sich in der Zukunft noch des Öfteren wiederholen, dann ist wohl schon bald ein besonderes Buch geschrieben. Oder bin ich schon verrückt geworden und bilde mir das nur alles ein? Warte ich es einfach mal ab. Zu verlieren hab’ ich ja nichts. Und beim nächsten Mal werde ich diesen Fremden  nach seinem Namen fragen...

 

Wieder einmal verging eine geraume Zeit, in der sich der alte Mann tagtäglich unten auf der verwitterten Bank aufhielt und neben seiner gewohnten Weinflasche, da lag von nun an immer ein dicker Schreibblock und einige Stifte herum. Obwohl das Schreiben von Storys für ihn eine mehr als ungewohnte Tätigkeit darstellte, mühte er sich beflissentlich ab, um seine erlebten Abenteuer nun auch in die richtigen Worte zu fassen. Vollkommen in seine Schreiberei vertieft, erspähte er erst etwas später den kleinen grauen Hund, der sich neben seinen verschlissenen Schuhen niedergelegt hatte.

„Wer bist denn du, mein kleiner Freund?“, fragte er das Tier.

„Ich bin es mein großer Freund.“, wurde er von der ihm schon mehr als bekannten Stimme des Außerirdischen begrüßt.     

„Heute komme ich in einer anderen Gestalt. Und zwar deshalb, weil du mich doch diesmal in solch eine Kneipe mitnehmen wolltest. In Gestalt eines Hundes falle ich doch dort bestimmt nicht auf. Ist das richtig? Übrigens kannst du mich Nibirus nennen. Ich habe kurz nach unserem letzten Treffen noch deine Gedanken gelesen. Und wie heißt du?“

„Ich werde von allen Seiten nur der Berber genannt. Aber mit meinem bürgerlichen Namen heiße ich eigentlich Gustav.“

„So, so. Gustav heißt du also. Und du überrascht mich jedes Mal wieder aufs Neue.“, sagte Nibirus.

„Ihr seid also tatsächlich in der Lage Gedanken zu lesen und auch in andere Körper zu schlüpfen. Auch ich komm’ aus dem Staunen gar nicht mehr raus.“, antwortete Gustav fragend.

„Wir können noch sehr viel mehr.“, sagte der Alien, der nun ein Hund war und allem Anschein nach ein Mischling geworden zu sein schien.

„Aber lass uns jetzt losgehen Gustav. Denn ich bin schon sehr gespannt auf solch einen Raum den ihr Kneipe nennt.“

Der alte Mann verstaute sein Schreibzeug und zuletzt seine  Weinflasche, stand umständlich auf und blickte noch ein letztes Mal erstaunt auf den Alien, der plötzlich fellgeschmückt und auf vier Beinen neben ihm hertrottete. Sie verließen gemeinsam den Park, liefen gleich hinüber zur Hauptstrasse, überquerten sie, bogen zwei Ecken weiter wieder ab und befanden sich schon kurz darauf im Old Town[1].

„Gleich in der Kneipe kannst du aber nicht mit mir sprechen, so wie du es von sonst her gewohnt bist. Hunde können bei uns nicht sprechen. Das würde jedem sofort auffallen.“, sagte der alte Mann der Gustav hieß und war sichtlich nervös.

„Das ist mir bekannt und ich bin darauf vorbereitet.“, knurrte Nibirius leise.

„Wir von Nibiru können uns perfekt konzentrieren und dabei fremde Gedanken empfangen und unsere übertragen. Und weil du selbst keine Gedanken lesen kannst Gustav, brauchst du nur an das was du sagen oder fragen möchtest zu denken.“

„Dann ist es ja gut.“, sagte der Alte beruhigt.

Die Kneipe, die sie betreten wollten, trug den Namen ‚Früh auf/ Spät zu’. Schon an der Eingangstür schlug ihnen beißender Tabakqualm entgegen. Und der Alien sagte sofort nervös:

„Vorsicht Gustav, in dieser Kneipe scheint wohl ein Feuer ausgebrochen zu sein.“

„Nein, nein. Das ist alles ganz normal. Einige der Trinkenden rauchen nur.“

„Sie rauchen nur? Aber es sieht aus als würden sie brennen, denn überall hier ist beißender Qualm und er kommt bei manch einem Trinker aus Mund und Nase heraus.“, sagte Nibirus auf seine denkende Art.“

„Dieser Rauch oder auch Qualm genannt, der entsteht beim rauchen ihrer Zigaretten. Und manchmal, da rauche auch ich.“, sagte der Alte. Besorgt wollte der Alien wissen:

„Und warum tut ihr das? Fördert denn dieses Rauchen eure Gesundheit?“

„Oh nein. Nein ganz im Gegenteil. Wer viel raucht kann dadurch krank werden. Denn Rauchen zerstört seine Lunge, die er doch dringend zum atmen braucht.“

„Also bringen die Rauchenden sich langsam um?“, fragte der Alien und zeigte einen sehr betrübten Blick.

„Ja, auf Dauer werden alle Raucher, genauso wie auch die Alkoholiker krank. Die Alkoholiker werden Nierenkrank oder sie sterben an Leberversagen, während die Raucher auf Dauer ihre Lunge zerstören. So sind die Menschen nun mal und ohne Ende Selbstmord gefährdet.“, versuchte der Alte eine Erklärung zu geben.

„Also zerstören sie sich allesamt selbst. Das aber kann ich so nicht akzeptieren.“, antwortete Nibirus und schien nun noch  betrübter geworden zu sein. Und Gustav dachte an seine eigene Alkoholsucht und fing an, dem Außerirdischen Recht zu geben.

„Warum verbietet man diese zerstörenden Substanzen denn dann nicht?“

„Weil damit auch viel Geld verdient wird. Zum einen von der Alkohol und zum anderen von der Tabakindustrie.“, antwortete der nun mehr und mehr ins Grübeln kommende alte Mann.

„Viele von den Süchtigen kommen aber von den Suchtmitteln Tabak und Alkohol einfach nicht mehr los.“, sagte der Alte.

„Aber dieses Wort Sucht, das scheint mir mit dem Wort Suchen verwandt zu sein. Was suchen denn die Süchtigen auf ihrem Weg in den qualvollen Tod? Das verstehe ich nun wirklich nicht und dieses paradoxe menschliche Verhalten macht meine Gedankenwelt sehr müde. Aber da wir schon einmal vor dieser der Quelle der Trinker stehen, möchte ich mich nun dort noch einmal kurz umsehen.“, sagte denkend der Alien und seine nun veränderte Stimme verriet, dass er dabei war,  endgültig die Achtung vor der menschlichen Rasse zu verlieren. Dann betraten sie gemeinsam die Kneipe und sofort registrierte Nibirus, das diese feuchtfröhliche Gesellschaft pausenlos ihre großen und kleinen Gläser hob und wieder senkte und sich laufend Prost zurief.

„Was bedeutet denn das Wort Prost, welches sich die Trinker zurufen, bevor sie das Gift Alkohol ihre Kehlen herunter laufen lassen?“

„Das Wort Prost ist ein Trinkwort und bedeutet soviel wie auf deine Gesundheit.“, sagte der Alte, worauf Nibirus antwortete:

„Während sich die Trinker laufend vergiften, wünschen sie sich gegenseitige Gesundheit? Obwohl auch das einen Widerspruch beinhaltet.“

„Du hast ja zweifellos Recht Nibirus. Aber die Menschheit ist nun mal widersprüchlich und dazu sind die Meisten von ihnen untereinander verfeindet. Das scheinen sie auch immer schon gewesen zu sein. Ich habe schon lange aufgegeben mir über Menschen Gedanken zu machen.“, sprach Gustav denkend.

 

Hinter dem Tresen stand der Wirt, blickte sogleich zu den Neuankömmlingen hinüber und meinte:

„Das gibt’s doch gar nicht. Gustav schlurft mit einem Hund als Begleiter durch die Gegend. Das ist doch mal was ganz Neues. An welcher Parkbank ist dir denn der Köter zugelaufen? Aber du weißt doch sicher, in meinem Laden herrscht Leinenzwang. Das gilt also auch für dich Gustav.“

Kaum hatte er seinen Satz ausgesprochen, da lag auch schon ein grünes Band um Nibirius Halskrause und Gustav hatte plötzlich wie von Geisterhand eine Hundeleine in der linken Hand. Der registrierte das sofort und raunzte den Wirt an:

„Was willst du denn Theo, läuft mein Hund etwa frei rum?“

„Entschuldige Gustav, die Leine hab’ ich ja gar nicht gesehen.“

„Dann sieh in der Zukunft etwas genauer hin oder trag ’ne Brille, denn so was scheinst du allem Anschein nach schon zu brauchen.“, wehrte sich Gustav und gab sich dabei äußerst empört.

„Spuck hier keine großen Töne Gustav. Sei froh, dass ich dich überhaupt hier hereinlasse.“, konterte der Wirt überheblich.

„Ja, ja beruhig dich wieder. Ist ja schon gut.“, sagte der Alte und schlurfte hinüber zu seinem angestammten Platz. Der Wirt brachte ihm sein Bier und den großen Klaren und fragte:

„Braucht dein Hund ’ne Schüssel mit Wasser?“

Und Gustav antwortete:

„Kann auf keinen Fall schaden.“

Plötzlich fand eine Gedankenübertragung des Alien statt:

‚Gustav, verstehst du mich?’

‚Laut und deutlich.’, dachte der nur, um ja nicht aufzufallen.

‚Was ist das denn für ein seltsamer Kübel, an dem dieser Wirt laufend hantiert? Ist in diesem Kübel auch roter Wein?’

Und Gustav dachte antwortend:

‚Nein, das was du da siehst ist ein so genanntes Bierfass. Und in ihm befindet sich ein alkoholisches Getränk das Bier genannt wird.’

Und der Außerirdische fragte:

‚Ist denn bei euch jedes Getränk mit Alkohol verseucht, damit ihr euch jederzeit vergiften könnt?’

Doch bevor Gustav zurückdenken konnte kam der Wirt wieder an ihren Tisch und trug einen riesigen Kalbsknochen mit sich.

„Hier Gustav, der Knochen ist für deine Töle.“

„Mein Hund ist keine Töle und er hat einen Namen.“, wehrte sich der Alte.

„So? Wie heißt er denn?“

„Er heißt Nibirus?

„Nibirus? Hm... Soviel Fantasie hätt’ ich dir gar nicht zugetraut Justav. Na ja.“, sagte der Wirt und lief zu seiner Theke zurück. Sofort kam eine gedankliche Frage des Alien:

‚Was ist denn das, was dieser Wirt mir da vor meine Pfoten gelegt hat?’, wollte er wissen.

‚Das ist ein Kalbsknochen, also von einem jungen Tier das man Kalb nennt. Erst tötet man das Kalb und nachdem man das Fleisch entfernt hat, bleiben seine Knochen übrig. Auf solchen Knochen kauen unsere Hunde herum. Also gebe dir etwas Mühe und tue wenigstens so als würdest du auf ihm rumkauen. Denn kein Hund würde solch einen Knochen verschmähen. Aber sag mir, hast du nun schon genug gesehen?’, dachte Gustav konzentriert.

‚Fürs erste ja. Mich wundert nur, dass die meisten Trinkenden scheinbar schon nach kurzer Zeit Gleichgewichtsstörungen zu haben scheinen und wild durch die Gegend torkeln.’

‚Das geschieht weil sie betrunken sind.’

‚Betrunken? Was ist denn das?’, dachte der Alien erstaunt.

‚Das ist die Nebenwirkung des Alkohols, denn der macht nicht nur glücklich, sondern er verwirrt auch erheblich die Sinne.’

‚Schon wieder solch ein Paradoxem. Zunächst trinkt man Alkohol, um sich damit zu vergiften. Doch schon vor seinem Tod verwirrt der Alkohol dermaßen die Sinne, dass alle Trinkenden  verwirrt und ohne Orientierung durch die Gegend torkeln müssen. Das menschliche Leben scheint mir äußerst kompliziert und anstrengend zu sein.’, dachte Nibirus und schien plötzlich vollkommen verwirrt zu sein, denn er dachte sofort:

‚Komm Gustav, lass uns jetzt lieber gehen. Das Erlebte muss ich nun erst einmal verarbeiten.’

Gustav kippte seinen Schnaps hinunter, löschte ihn mit seinem restlichen Bier ab, rief den Wirt, beglich seine Rechnung und der Zwei und der Vierbeiner verließen daraufhin die Kneipe und strebten wieder der Parkanlage zu. Während Gustav auf seiner Bank Platz nahm, verwandelte sich der Alien in seine ursprüngliche Gestalt zurück.

„Das war alles sehr interessant Gustav. Obwohl euer Tun so viele Widersprüche beinhaltet, dass ich rein von der logischen Seite betrachtet noch nicht so recht damit klarkomme. Nun muss ich aber wieder weg, um neue Energie zu tanken. Wir sehen uns dann irgendwann wieder Gustav.’, sagte der Alien und löste sich auf. Sofort griff Gustav in seinen Rucksack, holte sein Schreibzeug hervor und begann sich hektisch Notizen zu machen...

 

Am frühen Morgen des folgenden Tages, wollte der Autor Charly Wasyl hinaus in die Stadt. Beim Blick aus seinem Fenster sah er die Sonne, die vom Firmament herunterstrahlte und machte sich auf den Weg. Verschloss seinen Wohnraum im ersten Stock des Hauses, und stieg die achtundzwanzig Stufen zum Erdgeschoss hinab. Unten im Treppenhaus putzte, so wie an einem jedem Mittwochmorgen, laut schnaufend und auf ihren maroden Knien herumrutschend, die alte Frau Küster die vorletzte Stufe des Treppenabsatzes. Sie tat ihm leid, denn trotz ihres hohen Alters ging sie noch regelmäßig dieser Kraftraubenden Tätigkeit nach. Charly suchte selbst jemanden, der auch sein Apartment für einige Münzen, jede Woche reinigen und dazu seine Wäsche pflegen würde. Aber dieser schon von ihrem harten Leben gezeichneten alten Dame, wollte er das einfach nicht zumuten, obwohl sie ihm schon öfters ihre Dienste angeboten hatte. Dafür steckte er ihr ab und an einige Münzen in ihre Kitteltasche und sagte sich dabei: ‚Tue jeden Tag eine gute Tat. Das lernen ja schon die Pfadfinder.’

Die alte Frau sah ihn die Treppe herunter kommen und rief:

„Oh verzeihen Sie mir bitte, ich mache Ihnen sofort Platz.“

Daraufhin ergriff sie mit ihren, schon stark von Gicht geplagten Händen den Putzeimer und versuchte sich mühsam mit der anderen Hand am Geländer hochzuziehen. 

 „Aber nicht doch, liebe Frau Küster. Machen Sie sich jetzt nur nicht noch mehr Mühe. Ich stehle mich auch so vorsichtig als möglich an Ihnen vorbei.

„Das ist aber nett von Ihnen.“, sagte sie dankbar und löste gleich darauf wieder ihre klammen Finger von der Strebe des Geländers. Charly schob sich an ihr vorbei und war gerade im Begriff seinen Postkasten zu öffnen, als ihn die Dame erneut ansprach:

„Darf ich Sie etwas fragen, Herr Wasyl?“

„Nur zu. Fragen Sie, was immer Ihnen auf dem Herzen liegt.“

„Halten Sie mich jetzt bitte nicht für allzu neugierig. Aber es interessiert mich brennend, ob Sie schon einen Verlag für Ihr zweites Buch gefunden haben.“, fragte ihn die alte Frau und sie wirkte dabei sichtlich gehemmt.

„Da muss ich Sie nun leider wieder mal enttäuschen. Die Suche nach einem neuen Verlagshaus ist sehr schwierig. Vergleichbar mit der harten Knochenarbeit der damaligen Digger[2], oben am Fluss Klondike, im kanadischen Territorium Youkon. Wenn sie nicht von wilden Tieren zerrissen wurden, dann sind viele von ihnen in der Kälte auf diesem extremen Breitengrad jämmerlich erfroren oder verhungert. Aber auch ein Schriftsteller, der nicht regelmäßig vom Hungergefühl geplagt wird, der ist nun mal während seiner literarischen Arbeit einfach nicht in der Lage, sich laufend weiterzuentwickeln. Das scheint ein kosmisches Gesetz zu sein, dem er sich nun mal zu beugen hat.“

„Schade, ja das ist sehr schade. Aber lassen Sie trotzdem nur nicht den Kopf hängen. Kämpfen Sie weiter, denn gut Ding will Weile haben. Kennen auch Sie diese goldene Weisheit?“, fragte sie, und trotz ihres vorgeschrittenen Alters versprühten ihre Augen dabei verheißungsvoll sehende Blicke.“

„Ihre Antworten sind wie gewohnt sehr aufmunternd liebe Frau Küster. Ja, ich hatte schon des Öfteren das Gefühl, einfach alles hinschmeißen zu müssen. Vielleicht schreibe ich ja wirklich viel zu derbe.“

„Sie wollten einfach alles hinschmeißen? Tun Sie das nur nicht. Sie haben mir doch damals ihr erstes Buch mit der persönlichen Widmung geschenkt. Erinnern Sie sich noch daran?“

„Natürlich gnädige Frau. Wie könnte ich das denn vergessen? Haben Sie Nitro Xtine gelesen, obwohl ich sie eindringlich davor gewarnt habe?“

„Ja, genau das habe ich getan. Und zwar deshalb, weil Sie mich davor gewarnt haben. Das hat mich letztendlich sehr neugierig gemacht. Und was soll ich Ihnen sagen? Oberflächlich gesehen ist es phasenweise schon in einem rüden Ton verfasst. Aber nur oberflächlich betrachtet. Liest man es dann in Folge öfters, dann erkennt man die Philosophie des realen Lebens darin. Das was wir alle tagtäglich erleben, aber vor dem die meisten Menschen aus panischer Angst vor sich selbst ihre Augen verschließen. Sie aber haben das Problem erkannt und dazu noch den Mut aufgebracht es niederzuschreiben.“ 

„Danke Lady. Darauf war ich jetzt gar nicht vorbereitet. Aber das geht runter wie Öl.“ 

„Bitte schreiben Sie auch in Zukunft genau in solch einem Stil weiter. Und lassen Sie sich dabei von niemandem beirren.“

Sofort war das Interesse von Charly geweckt, und er fragte die Dame:

„Liebe Frau Küster. Können Sie sich vorstellen, dass ich zurzeit schon an meinem zweiten Märchenbuch arbeite? Ist das nicht total paradox?“ 

„Natürlich kann ich das nachvollziehen. Denn Ihre ersten Werke waren doch nur eine Art harter Vergangenheitsbewältigung. Und nun wenden Sie sich einem neuen Betätigungsfeld zu. Das ist doch äußerst positiv.“

„Woher wissen Sie das denn alles?“, fragte sie Charly äußerst erstaunt. Und Frau Küster antwortete:

„Bitte glauben Sie nur ja nicht, ich wäre immer mit dem Putzen von bürgerlichen Treppenhäusern beschäftigt gewesen. Es gab auch in meinem Leben einmal eine sehr stabile Zeit, in der ich über zwei Jahrzehnte den Beruf einer examinierten Psychologin ausübte. Aber das ist schon lange her. Dann gab es urplötzlich einen gravierenden Einschnitt in meinem Leben und ich bin aus freien Stücken wieder aus meinem Beruf ausgeschieden. Aber nun will ich weitermachen, denn sonst schaffe ich mein heutiges Pensum nicht.“, sagte sie und wand sich wieder ihrem Putzgeschirr zu.

„Darf ich Sie noch etwas fragen Frau Küster?“

„Natürlich dürfen Sie das. Gerade Sie als praktizierender Autor haben ein unverblümtes Recht dazu. Was möchten Sie denn von mir wissen?“

„Darf ich Sie noch fragen was denn der ursächliche Grund ihres frühzeitigen Ausscheidens aus der Berufswelt war.“

„Tja, das war so... Ich war damals die stolze Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Und während ich meinen Beruf ausübte, ist er beim Spielen vor unserem Haus auf die Fahrbahn gelaufen, wurde von einem zu schnellen Fahrzeug erfasst und verstarb darauf noch an der Unfallstelle. Als mich die Polizei an meinem Arbeitsplatz aufsuchte und mir die Nachricht vom Tod meines einzigen Kindes überbrachte, da erlebte ich einen schweren seelischen Schock. Daraufhin wurde ich für einige Zeit in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie verbracht. Nach der Entlassung gab ich freiwillig meinen Führerschein zurück, denn Fahrzeuge waren von jenem Zeitpunkt ein Gräuel für mich. Und auch meinen Beruf als Kinderpsychologin gab ich sofort auf, denn ich konnte ihn von jener Zeit an nicht mehr ausüben. Dann folgte gleich ein Ortswechsel in die hiesige Stadt. Und hier nahm sich dann mein Ehemann einige Wochen darauf das Leben. Denn er hat unseren Sohn abgöttisch geliebt und wurde mit seinem plötzlichen Ableben nicht fertig. Das war eine sehr harte Zeit, aber da das Leben nun mal weitergeht, nahm ich einige Monate darauf meine erste Putzstelle an und verdinge mir seitdem meinen Lebensunterhalt mit dieser Tätigkeit.“

„Oh ha... Dann ist ja auch Ihnen einiges an Härte widerfahren.“

Charly wollte sie nicht weiter stören, verabschiedete sich, verließ gleich darauf das Gebäude und dachte:

'Ist schon eigenartig, wie sehr man sich in manchen Menschen doch täuschen kann.’, sinnierte er philosophierend und begann darauf seinen Spaziergang fortzusetzen. Bestieg den Stadtbus und ließ sich von ihm ins Zentrum bringen. Er schlenderte über die Prachtstrasse Königsallee, überquerte die letzte Strasse, die ihn von der Parkanlage Hofgarten abschnitt und betrat darauf die in voller Blüte stehende Anlage. Sofort kamen aus dem See, der sich dort befand, eine Schar laut schnatternder Enten und elegant schreitender Schwäne auf ihn zu, um nach Futter zu betteln. Doch Charly beachtete sie nicht, da er noch zu sehr mit seinen Gedanken mit den Erlebnissen dieser alten Frau Küster beschäftigt war. Er lief weiter den sich am Ufer des Gewässers dahinschlängelnden Parkweg entlang, als ihm in einiger Entfernung, ein alter und verwilderter Obdachloser ins Auge fiel, der sich dort unten an der Uferböschung wohl zu waschen schien und er dachte:

‚Wohl auch wieder so einer, der aus der aktuellen Gesellschaft ins Abseits gestolperter Outlaw[3], der sich nun von alternativen sanitären Anlagen abhängig gemacht hat und der seitdem den missachtenden Blicken bürgerlicher Spaziergänger ausgesetzt ist. Charly registrierte eine auf einem Hügel gelegene blühende  Kastaniengruppe, unter der sich eine Reihe von Parkbänken befand. Er nahm auf einer der Sitzgelegenheiten Platz und drehte sich eine Zigarette. Kurz darauf kam auch schon der anscheinend Obdachlose herauf und er schien mit sich selbst zu reden:

‚So, das war es wieder einmal. Das schien aber auch dringend nötig. Und nun gibt’s erstmal ein gutes Frühstück.“

Daraufhin griff er in die ausgebeult und löchrige Tasche seines alten Mantels, zauberte eine Schnapsflasche zum Vorschein, genehmigte sich einen tiefen Schluck, wendete sich daraufhin Charly zu und fragte:

„Auch einen Frühstücksschluck, Herr Nachbar?“

Charly sah auf und erwiderte:

„Nein danke, ich frühstücke immer erst etwas später. Aber da wir ja miteinander sprechen, darf ich Sie etwas fragen?“

„Nur zu.“, antwortete der Gefragte, während er erneut einen tiefen Schluck durch seine Kehle rinnen ließ.

„Darf ich Sie fragen, wie Sie in diese etwas missliche Situation geraten sind?“

„Missliche Situation? Och, so misslich wie Sie das vielleicht sehen ist meine Lage eigentlich gar nicht. Ach wissen Sie, das ist eine schon mehr als tragische Geschichte. Angefangen hat das eigentlich alles mit dem Tod meiner Frau Witha, vor genau zwölf Jahren. Eigentlich hieß sie Roswitha. Aber in ihrer Familie, und von ihren Freunden wurde sie seit jeher Witha gerufen. Ich habe sie geliebt. Abgöttisch geliebt. Und von einem auf den anderen Tag war sie plötzlich nicht mehr da.“, sagte der Alte bekümmert. Griff in seine verschlissene Manteltasche, zauberte zwei schon angerauchte Kippen hervor und bot Charly eine davon an. Der griff seinerseits in seine Tasche und holte ein volles Päckchen Tabak zum Vorschein und sagte:

„Sparen Sie sich die Kippen für später auf. Jetzt drehen wir wohl besser ’ne Frische.“

Der Alte ließ die Kippen wieder in seiner Tasche verschwinden und nahm dankbar an. Und verblüfft sah Charly dem Alten beim Drehen zu. Der drehte seine Zigarette mit nur einer Hand. Zwischen Daumen und Zeigefinger rotierten Tabak und Blättchen, und der Alte war so perfekt in seiner Tätigkeit, dass er für die Fertigstellung der Selbstgedrehten auch nur wenige Sekunden brauchte. Während die Zigaretten qualmten, suchte Charly das Gespräch wieder neu anzuknüpfen:

„Erzählen Sie ruhig weiter.“, sagte er zum Alten.

„Ach ja, so war das. Von ein auf den anderen Tag war sie mit einem Mal weg. Lag plötzlich in einem Sarg aus Eiche, und ich musste mit ansehen, wie sie in diese Grube versenkt wurde.“, sagte der Alte, kaum noch vernehmbar. Er schien sich gerade in seiner Vergangenheit wieder zu finden, denn er stierte nur stur auf den Boden vor seinen Füßen und hatte dabei scheinbar das Sprechen verlernt. Charly nahm einen tiefen Zug aus seiner schon halb abgebrannten Zigarette und fragte:

„Und wie ging es dann weiter?“

„Anfangs ging rein gar nichts mehr weiter. Zunächst nahm ich Urlaub und ließ ich mich endlos hängen oder treiben, oder wie das immer heißt. Wollte mich nur einfach noch einmal an all jenen Orten wieder finden, an denen ich mit meiner Witha so glücklich war. Ich löste unsere alten Konten auf, verhökerte all unsere erworbenen Aktien und Immobilien und versilberte sie. Das war ein Vermögen. Sogar ein riesiges Vermögen. Aber nun, ohne meine Witha hatte das alles keinen Wert mehr. War nur noch schmieriges Papier und wurde von mir als Mittel zum Zweck benutzt. Habe es regelrecht verpulvert. Das ging dann soweit, dass mich sogar mein eigener Sohn sofort entmündigen lassen wollte.“

„Bestimmt hast du damals den größten Teil deines Vermögens in bordellähnlichen Betrieben verschmoren lassen.“, sagte Charly, ohne selbst die Geschmacklosigkeit seiner Frage registriert zu haben. Der Alte sprang sogleich von der Bank auf und funkelte den Gesprächspartner aus zusammengekniffenen Augen an.

„Wie bitte? Eine Lady wie meine Witha hatte einfach zuviel Stil, um sie auch nur ein einziges Mal zu betrügen. Auch nach ihrem Ableben noch nicht.“, fauchte der Alte und schien völlig außer Kontrolle zu geraten. Verlegen versuchte Charly die Situation wieder zu schlichten.“

„Pardon Sir, so war das doch gar nicht gemeint. Ich meinte doch nur…“

„Ihr meint alle immer nur…! Ihr verfluchten Klugscheißer denkt doch alle immer nur in den falschen Parametern.“

„Nein, nein. Nur mir selbst ist, nach einer unerfüllten Liebe, so etwas passiert.“, sagte Charly gehemmt.“

„Unerfüllte Liebe. Das ist doch ein Lapsus, ein reines Nichts. Da geht’s nur um Sex und ums Geld. Da hat dich eine Schlampe voll nach oben gejubelt, mit dir gespielt und dich dann wieder fallengelassen. Und natürlich inständig gehofft, dass du Trottel weiter auf ihrer Fährte herumstolperst. Und das hätte sich dann immer wiederholt. Aber das war ein Spiel, jedoch keine Liebe.“, fauchte er wissend und wirkte äußerst betreten.

„Liebe, dieses seltsame Phänomen ist dagegen etwas ganz anderes. Etwas Endgültiges.“

Charly, der sich gerade seine Finger am Kippenrest zu verbrennen schien, schmiss sie angewidert weg. Der Alte schien genau zu wissen wovon er sprach, dachte er und griff in seinen Rucksack nach der Flasche Whisky, die er immer mit sich führte, wenn er sich in der zivilisierten Gesellschaft bewegte und sagte nun auch duzend:

„Entschuldigt hab’ ich mich schon bei dir. Kann ich dir nun auch ’nen guten Schluck anbieten?“

„Da sag ich natürlich nich’ nein.“, meinte der Alte, nahm die Flasche an, setzte sie an seinen Hals und genehmigte sich einen tiefen Schluck.

„Oh... Was war denn das für ein guter Tropfen. So was hat Gustavs Kehle nur sehr selten gestreichelt.“

„Das war flüssiger Marzipan. Ein schottischer Malt Whisky.“

„Wo hast du denn den her? Finanziell scheint es dir doch auch nicht so gut zu gehen.“

„Hab ’nen Freak[4] getroffen, den ich schon lange aus den Augen verloren hatte. Und der war der Meinung ihn mir noch zu schulden. Was soll’s.“

„Wooow... Solche Leute braucht das Land.“, antwortete Gustav, wischte mit dem Handrücken über den Flaschenhals und gab sie dankbar nickend zurück. Charly nahm seinerseits einen tiefen Schluck und versuchte einen neuen Ansatz.

„Darf ich dich noch was fragen?“, sprach er den Alten wieder an.

„Nur zu, der laufende Schnaps hat meine Zunge gelockert: „Was hast du denn vor deinem Ausscheiden aus der Berufswelt gemacht?“

„Ich hab’ lange Zeit als Banker und Devisenmakler spekuliert. Du kannst mich jetzt ruhig auslachen, aber ich habe damals mit etlichen Millionen, ach was heißt schon Millionen, mit Milliarden hab’ ich gepokert. Und ich hatte einen sehr guten Namen in der Branche. Nicht nur hier bei uns in Europa. War auf dem internationalen Parkett schon mehr als ein gefürchteter Wolf im Schafspelz, mit stets gefletschten Fangzähnen. Wenn ich Optionen kaufte oder verkaufte, dann schlurfte meist ein ganzer Tross von gierigen Spekulanten hinter mir her und stieg oder fiel mit den Schwankungen an der Börse. Etliche Morddrohungen hat man gegen mich ausgestoßen, aber dann auch wieder wahre Lobeshymnen, wenn bestimmte Aktien innerhalb weniger Tage in astronomische Höhen hinauf katapultierten. Das war ein ewiges Kommen und Gehen. Ein hartes Spiel aus dem Bauchgefühl heraus. Witha und ich waren ganz oben in der materiell orientierten Gesellschaft. Besaßen damals soviel Geld, dass wir eine eigene Privatbank eröffnen wollten. Kannst du dir das vorstellen, wenn du mich heute hier auf einer Parkbank sitzend und Schnaps aus der Flasche frühstücken siehst?“, fragte er und machte dabei durchaus keinen verbitterten Eindruck.

„Du musst deine Frau sehr geliebt haben.“, sagte Charly nachdenklich, der der Story des Alten gespannt gefolgt war. Er wischte über den Flaschenhals und reichte sie wieder hinüber. Der Alte nahm sie und gönnte sich erneut einen Schluck.

„Wie lange hast du denn dafür gebraucht, um dein ganzes Vermögen durchzubringen?“

„Ich hab’ die Tage nicht gezählt. War eigentlich immer im Vollrausch. Hab’ mir derweil viel lieber über die ganze Zeit hindurch ein vierundzwanzig Stunden Taxi erlaubt, und fuhr mit den Drivern quer durch Europa. Allein in den Spielkasinos von Nord nach Süd habe ich Unsummen im Millionenbereich verloren. Aber irgendwann war es damit vorbei. Bin damals mal wieder zu meiner Hausbank, um ein paar Zehntausende abzuheben. Aber da hieß es sofort: Stop. Rien ne via plus[5]… 

Mein Konto war so blank wie mein heutiger Hintern. Und der Direktor dieser Bank meinte:

„Ja mein Herr. Nun haben Sie wohl oder übel das Ende vom Gelände erreicht. Alle Achtung. Ich zeuge Ihnen einen großen Respekt vor dieser Höchstleistung. Es ist Ihnen tatsächlich gelungen, in der Kürze von nur etwas über zwei Jahren, ihr gesamtes Vermögen von knapp einhundert Millionen DM auf den Kopf zu hauen. Eine Leistung, zu der Sie sich nun selbst beglückwünschen dürfen und zu der nicht ein jeder fähig ist. Die restlichen dreihundertundzwölf Euro, die Sie nun noch im Plus stehen, können sie sich gleich vorn an der Kasse auszahlen lassen. Alles Gute für ihre weitere aber sehr wahrscheinlich auch marode Zukunft.“

Nun stand ich da, trug einen seidenen zweitausender Anzug, in dessen Taschen sich noch kümmerliche Dreihundert befanden, von denen ich jedoch noch das dieselnde Taxi vor der Tür zu zahlen hatte.“

„Wow.“, sagte sich Charly und ließ seinen Gaumen wieder mit einem tiefen Schluck Whisky aufglühen. Denn wenn das alles, was der Alte da gerade von sich gegeben hatte stimmte, dann ging es ihm selbst doch gar nicht so schlecht. Denn sein erstes Buch war verlegt und sein Märchenbuch lag derweil im Lektorat eines klassischen Verlages und war bis jetzt noch nicht abgelehnt. Da sich die erste Flasche nun Schluck für Schluck geleert hatte, griff Charly erneut in seinen Rucksack, holte eine Neue zum Vorschein und meinte:

„Keine Panik Gustav, denn ich hab’ noch so’n flüssigen Nugget in meiner Tasche.“

„Mit dir kann man ja arbeiten Charly. Wenn das so ist, dann erzähl’ ich dir auch etwas von meinem Geheimnis. Und zwar eine Story die mir hier tatsächlich passiert ist und die noch nich’ vorbei zu sein scheint.“

Der Autor entkorkte die Flasche, reichte sie Gustav gleich darauf hinüber und sagte:

„Wenn sie interessant ist höre ich gerne zu.“

„Die Story ist weit mehr als interessant und ich habe schon einige Seiten davon aufgeschrieben.“

„Du betätigst dich als Schriftsteller Gustav?“

„Das wollte ich schon immer werden, aber hab’ es bis heute nicht geschafft. Aber seit einigen Wochen erlebe ich hier im Park einige Aufsehen erregende Dinge. Ach, was sag’ ich da? Die sind schon mehr als Aufsehend erregend.“

„Spann mich nicht unnötig auf die Folter, Gustav.“

„Okay. Dann hör’ mir genau zu. Glaubst du an Außerirdische, Charly?“

„Das Thema kann man nicht ganz und gar ausschließen.“

„Ich hab’ hier einen von ihnen persönlich erlebt. Glaubst du mir das auch?

„Rede weiter, dann wird sich das finden. Aber auch wenn es nur ein Hirngespinst sein sollte, dann beweißt du damit wenigstens, das du eine blühende Fantasie hast und dein Wunsch Autor zu werden hat seine Basis.“

Und dann erzählte Gustav von seinen beiden Treffen mit dem Alien. Nachdem er geendet hatte meinte Charly:

„Sehr interessante Geschichte, Gustav. Und das hat alles hier und in einer Kneipe im Old Town stattgefunden?“

„So wie ich es dir gerade erzählt habe. Hatte selbst schon einmal die Vermutung - wegen meiner ewigen Sauferei - an Halluzis zu leiden. Deswegen hab’ ich alles so gut als es mir möglich war aufgeschrieben.“, antwortete er, griff dabei in seinen verschlissenen Rucksack und förderte den Schreibblock ans Tageslicht.

„Sieh dir meine Aufzeichnungen einfach mal an, Charly.“

Der nahm das Heft entgegen, blätterte es gewissenhaft durch und meinte.

„Zwar mit einer Reihe von Fehlern behaftet, aber das ist nebensächlich. Jedenfalls hast du mich jetzt sehr neugierig gemacht. Gibst du mir dein Manuskript mit damit ich es in Ruhe lesen und auch korrigieren kann?“

„Wenn du mir versprichst es nicht zu kopieren.“

„Das lässt meine Ehre als Autor nicht zu.“, sagte Charly.

„Dann nimm es mit, aber pass gut darauf auf.“, antwortete der alte Mann.

„Bei mir ist es in den besten Händen. Für wann hat sich der Alien denn wieder angekündigt?“, wollte Charly wissen.

„Dafür gibt es keine Regeln. Er kommt immer ganz unverhofft. Das nächste Mal will er als Fahrrad erscheinen, um gemeinsam mit mir die Stadt zu erkunden. Und er will nicht, dass sonst jemand etwas davon erfährt. Das musste ich ihm versprechen und dieses Versprechen hab’ ich nun gebrochen. Wenn du das nächste Mal hier auftauchst, dann halte dich etwas fern von mir und warte darauf das ich dich von mir aus anspreche, denn das ist sicherer.“, klärte der Alte den Autor auf.

„Okay Gustav. Ich komme in ein paar Tagen wieder vorbei und bringe dir dein Manuskript zurück. Alles hat seine Zeit. Trink  noch einen Schluck und steck die restliche Flasche in deine Tasche, denn ich habe heute wieder eine ganze Menge dazu gelernt.“, sagte Charly.

Darauf verabschiedeten sie sich voneinander und Charly verließ den Hofgarten, bestieg einen Bus und ließ sich zunächst zum Moorenbrunnen an der Uniklinik bringen. Er holte sich zwei Flaschen Bier, setzte sich am Brunnen nieder, öffnete eine Flasche, hörte das Brunnenwasser plätschern und vertiefte sich in die schmuddeligen Romanseiten. Danach fuhr er zu seinem Apartment nach ‚Reißaus’ zurück. Für die Korrektur brauchte er nur einen Tag. Doch er fuhr erst eine Woche später zurück zum städtischen Hofgarten. Er durchlief die Parkanlage, ging dann hinauf zu den Bänken unter den Kastanien, konnte aber Gustav nirgendwo entdecken. Nachdem er mehrmals dessen Namen gerufen hatte, wurde er plötzlich von einem ihm Fremden Mann angesprochen:

„Du suchst den Gustav?“, wurde er gefragt.

„Ja, denn meines Wissens soll er sich täglich hier rumtreiben.“

„Da hast du aber Pech.“

„Wieso.“

„Den Gustav den gibt es seit dem letzten Freitag nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr in lebender Gestalt, denn er hat ins Gras gebissen.“

„Gustav ist tot?“

„Ja. Ich bin der Besitzer der kleinen Trinkhalle, gegenüber dem See und hab’ ihn frühmorgens tot auf seiner gewohnten Bank gefunden. Hier war richtig was los. Überall streunten die Bullen rum und suchten nach irgendwelchen Spuren. Aber das war sinnlos. Nach Aussage des Notarztes soll der Gustav an einen natürlichen Herzinfarkt verendet sein. Somit war ein Gewaltverbrechen gleich auszuschließen. Aber sag mir wie du heißt Fremder.“, wurde Charly gefragt.

„Ich heiße Charly Wasyl.“

„Und was machst du beruflich?“

„Ich bin Schriftsteller und schreibe unter dem Namen Wasyl.“

„Darauf griff der Besitzer der Trinkhalle in seine Brieftasche, holte einen Zettel hervor und meinte:

„Dann ist dieser Wisch wohl für dich Charly. Ich fand ihn neben der Parkbank, bevor die Bullen eintrafen und hab’ ihn gleich eingesteckt. Tja, auf den lustigen Gustav werden wir zukünftig wohl verzichten müssen.“

„Jetzt brauch ich einen großen Schnaps.“, sagte Charly.

„Den bekommst du bei mir. Kannst gleich mitgehen, denn ich hatte Mittagspause und öffne jetzt wieder mein Kiosk.“

„Okay, ich komme mit.“, antwortete der Autor und gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Nachdem sich Charly gestärkt hatte, fuhr er zermürbt zum Moorenbrunnen und sah sich noch einmal diesen Zettel an. Auf ihm stand in Gustavs krakeligen Schriftzügen zu lesen:

 

Hallo Charly Wasyl.

Ich spüre dass es zu Ende geht. Nimm mein

Manuskript und schreibe es selbst weiter, denn

ich kann es nun nicht mehr. Ob du aber wieder

mit dem Alien zusammentreffen wirst, das steht

wohl in den Sternen. Viel Glück.

Gustav der Berber

 

Charly las den Zettel mehrere Male. Doch bis auf die wenigen Wortfetzen die darauf standen, brachte er keine große Aussage. Und Charly sagte sich:

‚Diesen Zettel werde ich in meiner Brieftasche aufbewahren, denn sollte der Außerirdische - sofern es ihn tatsächlich gibt - noch einmal auftauchen und nach Gustav suchen, dann hab’ ich zumindest einen kleinen Hinweis, was aus dem alten Mann geworden ist. Bin gespannt, ob sich in dieser Richtung etwas entwickelt. Darauf fuhr er in sein Zuhause und las in endloser Folge Gustavs Manuskript durch. Aber auch in ihm fanden sich keinerlei Anhaltspunkte.

In der Folgezeit fuhr Charly nun fast täglich zum Stadtpark und setzte sich auf Gustavs Parkbank in der Hoffnung es würde etwas passieren. Aber rein gar nichts geschah. So vergingen die Wochen.

 

An einem frühen Mittwochvormittag geschah dann plötzlich doch etwas Ungewöhnliches. Charly kam so wie gewohnt in die Parkanlage und erblickte überrascht, das an einer der Kastanien neben den Parkbänken, ein Fahrrad stand. Und zwar ein ganz herkömmliches jedoch unverschlossenes Fahrrad. Zunächst dachte er:

‚Wer lässt denn hier draußen sein unverschlossenes Fahrrad stehen. Das ist ja schon mehr als leichtsinnig. Aber vielleicht ist das ja ein gestohlenes Rad, für das der Dieb keinerlei Pflicht mehr sah es zu sichern. Charly nahm wie gewohnt auf der Bank Platz, drehte sich seine übliche Zigarette und wartete. Aber worauf, das war ihm zu jenem Zeitpunkt nicht bewusst. Doch nach einem geraumen Zeitraum bildete er sich ein, eine helle Stimme vernommen zu haben. Er sah sich verblüfft um, konnte aber kein Lebewesen entdecken. Nach einer weiteren Zeit hörte er erneut diese Stimme:

„Hallo Fremder, darf ich dich ansprechen?“

Erneut sah sich Charly um, aber auch dieses Mal war niemand zu entdecken.

‚Wo kommt das nur her.’, fragte er sich und war aufs Höchste konzentriert. Dann ein erneuter Anlauf von unbekannter Seite:

„Kennst du einen alten Mann namens Gustav?“

Obwohl niemand zu erkennen war ging Charly auf dieses Spiel ein und antwortete:

„Ja, ich kannte vor einiger Zeit mal einen Gustav, der hier oben

an dieser Parkbank stand.“

Nach einer kurzen Pause kam die Frage:

„Weißt du auch wo sich dieser Gustav im Moment aufhält?“

„Wenn du den gleichen Gustav meinst wie ich, dann muss ich dich nun enttäuschen, denn diesen Gustav gibt es nicht mehr.“

„Woher willst du das wissen, Fremder?“

„Das erfuhr ich von dem Besitzer eines kleinen Geschäftes, gleich gegenüber dem See.“

„Und wohin ist Gustav gegangen.“

„Er ist von uns gegangen, denn er ist gestorben.“

„Mein Freund Gustav ist gestorben?“, fragte die Stimme.

„Ja, auch ich war überrascht, denn ich habe ihn hier kennen gelernt, aber nur für einen Tag. Und als ich ihn dann erneut besuchen wollte, da erfuhr ich nur wenige Tage nach unserem ersten Treffen, das sein Herz stehen geblieben ist. Er mir aber vor seinem plötzlichen Tod noch eine Information hinterlassen hat.“

„Wo befindet sich diese Information jetzt, damit ich deinen Worten auch trauen kann.“

„Sie befindet sich hier in meiner Tasche.“

„Dann hole sie bitte heraus und lege sie auf den Boden vor deinen Füßen.“

Dieser Aufforderung kam Charly äußerst gespannt nach. Kurz darauf erhob sich der Zettel in die Luft und schwebte dem Fahrrad entgegen. Und das unbekannte Wesen fragte:

„Bist du dieser Charly Wasyl von dem hier berichtet wird?“

„Ja das ist richtig.“, antwortete Charly verblüfft.

„Dann werde ich mich dir jetzt zeigen.“

Daraufhin verschwand das Fahrrad in Sekundenschnelle und stattdessen tauchte, wie damals beim Gustav, der Alien Nibirus plötzlich auf. Charly war so überrascht, dass ihm seine Zigarette aus der Hand fiel. Und Nibirus sagte:

„Gustav ist also nicht mehr auf dieser Welt. Das ist sehr schade. Denn ich fing gerade an mich an ihn zu gewöhnen.“, sagte das fremde Wesen, kam vorsichtig auf Charly zu und meinte:

„Wenn es den Gustav nun nicht mehr gibt und du sein Freund warst, dann möchte ich in Zukunft mit dir kommunizieren.“

„Auch mir wäre daran gelegen.“, antwortete Charly.

„Trinkst auch du Alkohol Charly?“

„Tja, ich bin Schriftsteller und die tun das fast alle.“

„Wärst auch du bereit mir die Stadt zu zeigen? Denn das wollte auch Gustav. Deshalb bin ich diesmal ja auch als Fahrrad erschienen.“, sagte Nibirus.

„Wenn ich in seine Fußtapfen treten darf, übernehme ich sehr gerne seine Rolle.“, sagte Charly erwartungsvoll.

„Wir werden sehen. Sofern du des Öfteren hier sein solltest werde ich mich wieder bei dir melden.“, sagte Nibirus.

„Zu diesem Ort werde ich nicht mehr kommen.“, sagte Charly.

„Wo kann man dich denn erreichen?“, fragte der Fremde.

„In Zukunft werde ich mich wieder täglich am Moorenbrunnen aufhalten. Weißt du wo das ist?“

„Wir Nibiruaner finden einen jeden Treffpunkt.“, sagte der Alien und löste sich gleich darauf wieder auf. Und Charly dachte:

‚Nun bin auch ich soweit an Halluzinationen zu glauben, obwohl ich momentan noch ganz nüchtern bin.’

Er sah keinen Sinn darin noch länger zu bleiben und verließ gleich darauf die Parkanlage. Von jenem Moment an, da übernahm der Moorenbrunnen wieder die Funktion die bis dahin dem Hofgarten vorbehalten war. Wieder vergingen endlose Wochen in denen rein nichts geschah. Und auch Charly fing mit einem Mal an zu verzweifeln und dachte:

Vielleicht konnte ich für diesen Alien Nibirus, die Rolle Gustavs nicht ersetzen. Obwohl zwar sehr schade, werde ich wohl  nichts daran ändern können. Doch mit diesen Gedankengängen lag Charly völlig falsch. Denn das nächste Treffen sollte sich kurz darauf auf eine neue und vollkommen ungewohnte Art einfinden. Und zwar dieses Mal wieder in Form eines Fahrrads, welches am Moorenbrunnen stand.

„Sag mir Charly, nach welcher Person ist dieser Moorenbrunnen denn benannt?“, wollte das Fahrrad Nibirus wissen.

„Nach einem bekannten Augenarzt, einem Professor Mooren, der vor vielen Jahrzehnten hier einmal gelebt und gearbeitet hat. Ihm ist der Brunnen zum Dank gewidmet.“

„Sehr interessant. Und was kommt nun?“

„Gleich gegenüber befindet sich ein Friedhof. Der so genannte Stoffeler Friedhof.“

„Was ist denn ein Friedhof?“

„Das ist ein Platz, an dem nach dem Tod der Menschen ihre Körper bestattet. Damit sie nach ihrem Ableben von Freunden und Angehörigen besucht werden können.“

„Aber wozu? Sie sind doch tot.“

„Ja, das stimmt schon. Aber auch nach ihrem Tod wird nun mal zu ihrem Gedenken eine Grabstätte konstruiert. Und dazu, wird

noch regelmäßig Geld mit ihren letzten Ruhestätten verdient.“

Sie fuhren bis zum Eingang des Friedhofs, dann stieg Charly vom Rad. Verwundert fragte der Außerirdische:

„Warum fährst du nicht weiter?“

„Auf Friedhöfen darf man nicht Fahrrad fahren. Das geschieht aus Respekt vor den Toten. Also werden auch wir uns an diese förmliche Regel halten.“

Von nun an schob Charly das Rad durch die Grabreihen. Und der Alien fragte:

„Auf fast jedem dieser Gräber steht ein Licht. Warum?“

„Die Lichter und auch die Blumen werden von den Angehörigen aufgestellt. Auch das ist eine Respektbezeugung. Aber meiner Meinung ist das alles nur ein Geschäft so wie alles auf unserer Welt.“

„Nun gut. Und was zeigst du mir jetzt?“

„Ich habe vor dir eine Kirche zu zeigen.“

„Eine Kirche? Und wozu braucht man sie?“

„Diese Häuser existieren, damit die Gläubigen zu ihrem Gott beten können, an den sie glauben. Ein Gebet ist ein Gespräch mit ihrem Gott, den man zwar nicht sehen kann, aber an den die Gläubigen glauben.“

„Und dieser Gott wohnt in den Kirchen?“

„Ja, aber nur symbolisch. Sehen kann ihn niemand.“

„Menschen sprechen zu einem Wesen was sie nicht sehen? Tust du das auch Charly?“

„Nein, ich bin da eine Ausnahme. Ich bin ein Atheist, also ein nichtgläubiger Mensch, denn ich glaube nur an Dinge die ich auch sehen kann.“

„Warum bist du ein Atheist?“

„Weil mein leiblicher Vater nicht von der Kirche beerdigt wurde, nachdem er Selbstmord begangen hatte. Das hat mich schon als Kind sehr verbittert. Aber jetzt genug von Friedhöfen. Lass uns nun ins Zentrum fahren.“

Und dann fuhren das Fahrrad Nibirus und Charly gemeinsam in die Innenstadt, und der Autor zeigte dem Alien all das was ihm wichtig erschien. Am Ende der Fahrt sagte der Alien:

„Das war schon sehr aufregend Charly. Nun muss ich wieder fort, denn meine Energie ist fast aufgebraucht. Aber ich werde mich schon bald wieder bei dir melden.“

„Machs gut Nibirus.“

„Du auch Charly. Und Danke für die Informationen. Damit werde ich wohl eine zeitlang arbeiten müssen.“

„Das glaub’ ich auch mein Freund.“

Charly stieg vom Fahrrad und in Sekundenschnelle löste es sich wieder in Luft auf. Die Geschichte schien langsam Gestalt anzunehmen und so fuhr der Autor nach Hause, setzte sich an seinen PC, schrieb sie auf und kombinierte sie gleich mit den Eindrücken, die vor ihm der verstorbene Gustav gesammelt hatte.

‚Das scheint mir interessanter als all meine Fantasie die täglich in meinem Kopf herumschwirrt.’, dachte er zufrieden.

‚Bin gespannt was mich beim nächsten Besuch erwartet.’

Das dauerte nicht allzu lange, denn Nibirus erschien am Moorebrunnen und überraschte Charly mit einer Bitte:

„Ich habe etwas von Zoos erfahren, die von der Menschheit betrieben werden. Weißt du etwas mehr darüber.“, wurde er vom Alien gefragt.

„Du willst wissen was ein Zoo ist?“

„Ja, dort sollen sich Tiere befinden. Zeigst du mir solche Tiere?“

„Du warst doch selbst schon ein Tier, als du mit Gustav in der Kneipe warst. Damals warst du ein Hund.“

„Ja, das stimmt. Ein Hund ist also ein Tier?“

„Ja, und in Zoos leben eine Menge unterschiedlicher Tiere. Hauptsächlich exotische Tiere aus weit entfernten Ländern. Aber ich mag eigentlich keine Zoos.“

„Warum magst du sie nicht?“, wollte Nibirus wissen.

„Weil Zoos unseren menschlichen Gefängnissen gleichen. Und wer sich in solchen Territorien befindet, der fühlt sich wie ein Gefangener. Von Natur aus sind Tiere frei. Dann werden sie von den Menschen eingefangen und in Zoos eingesperrt. Müssen dann ihr ganzes Leben hinter Mauern oder Zäunen verbringen. Brauchen zwar nicht wie in der Natur, um ihr Futter zu kämpfen, aber sie leben dafür im Gefängnis Zoo auf wenigen Quadratmetern. Ich kenne diese Situation aus meinem eigenen Leben. Ich war selbst für drei lange Jahre in einem Gefängnis.“

„Warum Charly? Du bist doch kein Tier.“

„Ach, das ist eine lange und traurige Geschichte. Ich wurde mal inhaftiert, weil ich angeblich gegen menschliche Regeln verstoßen hatte. Aber das war auf eine Lüge aufgebaut und hat mich sehr bitter gemacht. Vielleicht werde ich dir einmal etwas darüber erzählen Nibirus. Aber im Moment noch nicht. Okay?“

„Okay mein Freund. Zeigst du mir trotzdem einen Zoo?“

„Warum nicht, aber dazu müssten wir in eine andere Stadt fahren. Hier in D.D. gibt es solch eine Einrichtung nicht.“

„In Ordnung, verschieben wir das auf einen meiner nächsten Besuche. Aber du scheinst dich hier in dieser Stadt nicht sehr glücklich zu fühlen. Habe ich da Recht?“

„Ja, da hast du garantiert Recht. Mir fehlt die See, ja mir fehlt der tägliche Blick aufs Meer, das es bei uns nun mal nicht gibt.“

„Und warum gehst du dort nicht hin?“

„Ganz einfach, weil das schon aus finanziellen Gründen nicht machbar ist. Solch ein Umzug kostet viel Geld, was ich nun mal nicht besitze.“

„Bei euch Menschen scheint sich alles nur ums Geld zu drehen.“

„Tja, leider ist das so. Aber egal. Bereiten wir uns erst einmal auf deinen nächsten Besuch und den Besuch eines Zoos vor.“

„Okay. Ich bin dann erst mal wieder weg, Charly. Bis bald.“

Daraufhin verschwand der Alien in seinen Flugapparat, der sich gleich danach wieder auflöste.

Die Tage vergingen nur langsam, so wie fast alles auf das man gespannt wartet. Doch auch diese Zeit neigte sich irgendwann dem Ende entgegen. Nibirus tauchte auf, und er zeigte sich nicht als Fahrrad, sondern in seiner natürlichen Gestalt.

„Heute komme ich nicht in Form des gewohnten Fahrrads, weil wir doch einen Zoo in einer anderen Stadt besuchen wollten, und da würde ein Fahrrad doch nur hinderlich sein.“

„Da hast du schon Recht mein kleiner Freund. Wir müssen nach Duisburg. Das ist eine nördlich gelegene Nachbarstadt. Dorthin fahren wir besser mit einem Zug.“

Und so machten sie sich gleich auf den Weg. Zunächst ging es mit dem Bus zur Mainstation. Dort bestiegen sie die S-Bahn die sie nach Duisburg bringen sollte. Während dieser Reise hatte es sich Nibirus in der Jackentasche von Charly bequem gemacht, um nur ja nicht aufzufallen. Aber Nibirus war ein Profi, der genau wusste was ein Fehler seinerseits bedeuten würde. Und ein Alien, mit all seinen Fähigkeiten, hatte in diesem Thema nun mal keine Probleme. Duisburg wurde erreicht, man verließ die Bahn und wechselte in den Bus Richtung Zoo.

„Wir sind gleich da Nibirus.“, dachte Charly, der mittlerweile die gedankliche Kommunikation mit dem Alien - genau wie auch sein Vorgänger Gustav - praktizierte...

Zunächst ging es hinüber zum Ticketschalter, um eine Karte zu besorgen.

„Bring mir auch eine Eintrittskarte mit Charly.“

„Du brauchst kein Ticket Nibirus, denn dich sieht man ja nicht.“  

 

Fortsetzung folgt…

 

 

 

 

 



[1] Altstadt

[2] Goldwäscher

[3] Außenseiter

[4] Verrückter

[5] Nichts geht mehr

 

Und schon wieder wollte mich irgendjemand über das Netz zum Millionär machen, obwohl seine Deutschkenntnisse einiges an Wünschen offenließ. Ich bin ja so glickliiii, i bin ja so grüüührt. Ist dieser Blödsinn nicht geil? Aber lest ihn nun selbst.

 

 Sehr geehrter Herr,

Lassen Sie mich durch die Einführung von my self starten. Ich bin eine Portion US Army Major und der kommandierende Sicherheit der irakischen Nation und auch mit Afghanistan als Berater für nationale Sicherheit, die Länder-Sicherheit.

Ich und einige andere hochrangige Offiziere haben einige viel auf Ölgeschäft im Irak vor meiner Abfahrt nach Afghanistan derzeit die Unterstützung Co-General Stanley Mc Chrystal. Derzeit in den Staaten.

Der Deal im Wert von $ 45 US-Dollar und nachdem wir alle teilen das Geld habe ich später feststellen, $ 17,5 Mio., die meine persönlichen Anteil an der Sache ist, aufgrund meines Status als US-Major, ich kann nicht in der Lage sein, diese riesige Mittel zu bewegen, um mein Land zu vermeiden, weitere Abfrage oder im Gesicht jede Art von Probezeit von meinem Land Regierung.

Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich Vereinbarung mit den Vereinten Nationen Sicherheitsfirma im Irak für die Bewegung der Sendung an geeinte Nation Regional Head Office in den Nahen Osten, die im Nahen Osten
befindet gemacht.

Ich werde Ihnen 35% des Gesamtpreises und wir haben auch ein niedriges Profil der Kommunikation zu halten, bis wir unsere Ziele und ultimativen Ziele zu erreichen.

Können Sie in der Lage sein, mir zu helfen erhalten diese riesige Mittel in your name? So, dass ich weiterhin den Prozess der Bewegung des Kartons an Sie und bitte beachten Sie, dass wir auch halten diese ehrenvolle Geschäft eine streng geheime, weil ich nicht wollen, dass jemand darüber auf Grund meiner jetzigen Position in der US-Armee kennen.

Wenn Sie wissen, dass Sie mit mir in einmütig arbeiten, dann sind Sie mir Ihren vollen Namen, Home-und Office-Adressen einschließlich Ihrer Privat-und Bürobereich Telefonnummern zu senden. Sie sind mit Ihrem Alter sind, scannen Kopie Ihrer internationalen Reisepass und ID für die Identifikation, Beruf und Familienstand.
Ich freue mich auf Ihre Antwort und Kooperation, und ich danke Ihnen im Voraus, wie ich Ihre Mitarbeit rechnen.



erwarteIch
Mit freundlichen Grüßen, Ihre dringende Antwort, wie am ehesten, wie Sie können



Große Rayna

Bitte antworten Sie BACK TO MY PRIVATE EMAIL sehr schnell (riena.adum2010 @ gmail.com)

 

 

 

 

Rock and Roll im Eistee…

Sonja, ein übergewichtiges Weib im extremen XXXL Format - so'n Purzelbaum kurz vor der Ernte - hatte ich in einer kurzzeitigen Obdachlosigkeit kennen gelernt. Ihr Volumen besaß das Ausmaß der Insel Rügen an der Ostsee. Dazu trug sie feuerrotes Haar, was überhaupt nicht mit ihren Ausmaßen kombinierte. Ach, was sollte es.

Jedenfalls besaß sie in jenem Moment das Charisma eines Engels. Manche Engel sind nun mal fett. Es muss auch solche geben.

Ich hatte sie - in vollem Nikotinschmacht einherhechelnd - einfach auf irgendeiner Szene Straße angequatscht:

Hi Baby, haste mal ’ne Lulle für einen - ohne eigene Schuld - kurzzeitig in Not geratenen heimatlosen Poeten übrig?“

"Hahaha... Du siehst mir auch gerade wie ein Dichter aus. Abgelatschte Schuhe, zerrissenes Hemd, an dem die meisten Knöpfe fehlen und Gesichtszüge wie ein Alkoholiker, der irgendwann in dieser todesmutigen Zone kleben geblieben ist.“, meinte sie spöttisch. Griff dann aber ohne Umschweife in ihre Manteltasche, zauberte ’ne Schachtel hervor und gab mir gleich drei Zigaretten. Während ich mir - mit zittrigen Händen - die Erste ansteckte, fragte mich die kampfähnliche Maschine:

Du siehst ziemlich verdurstet, ja fast schon vertrocknet aus. Kann ich dir auch ein Bier spendieren?“

Eine, die einem heruntergekommenen, wildfremden Freiluftamateur in verdreckten Bluejeans, großzügig Zigaretten und ein Bier spendiert, die ist auch zu anderen Schandtaten bereit. Nach dem dritten Freibier und der sechsten oder siebten Lulle sagte sie zu mir:

Komm mit, ich habe da ’ne bezahlte Mietwohnung. Und in der gibt’s ’ne Dusche, 'ne Küche und ein Bett. Du siehst nämlich aus, als hättest du mal wieder 'ne Mützche Schlaf nötig.“

Also folgte ich ihr - genauso brav wie ein kastrierter Dackel - in ihre Behausung. Die Wohnung war einfach aber sauber eingerichtet. Für 'nen zeitweise dahinvegetierenden Köter unten im Straßendreck, nahezu ein prächtiger Palast, bestückt mit cromblitzenden Wasserhähnen und 'ner funktionellen Toilettenspülung. Luxus pur. A la Bonsoir.

Ihre Küche war riesengroß. Ja sie hatte sogar die Ausmaße von Sonja selbst und der Gasherd war von allen Seiten begehbar. Auf diesem Herd köchelte eine einladend duftende Goulaschsuppe vor sich hin. Ich schaffte nur einen Teller dieses Gerichts, während Sonja drei riesige Pastateller mit einer Suppenkelle in sich hineinschaufelte. Was dann zum ‚Dessert’ folgen würde war mir zu jenem Zeitpunkt schon klar. Charly mit Sahne. Man muss in diesem Scheißleben eben für alles zahlen.

Nach dem Essen rülpste Sonja laut und zufrieden und deutete wortlos aber sehr bestimmt auf eine Tür zu einem angrenzenden Nebenraum. Und was sich dahinter verbarg, das ist wohl auch sonst jedem klar. Na ja, das obligatorische Schlafgemach. Und das war bestückt mit einem Wasserbett in Übergröße und zartem Blueton...

Ich hatte sofort die Assoziation: Auch ich muss wohl irgendwann einmall sterben. Aber hoffentlich nicht durch Ertrinken wie so eine unerwünschte Hundewelpe kurz nach ihrer Geburt. Fürsorglich in einem Jutesack deplaziert und dann ganz jämmerlich in einem nahe gelegenen Gewässer ertränkt.

Dann sah ich mir nochmal die Ausmaße meiner Gastgeberin an und das endlose Grauen nahm Besitz von mir... Noch erheblich schlimmer, als damals unsere MS Köln, unten in der Magelanstrasse an der Südspitze Südamerikas mit Kolbenfresser festlag...

Kurioserweise sprach Sonja während jener Zeremonie fast kein einziges Wort. Dieser ganze Zirkus schien wohl selbstverständlich für sie zu sein.. Ohne umständliches Gequatsche...

Während sie sich ihrer planenähnlichen Kleidung entledigte, nahm das Grauen bei mir ständig zu. Ihre riesigen Fettpolster - bis dahin noch notdürftig durch irgendetwas zusammengehalten - verspürten plötzlich ein unbändiges und lang ersehntes Freiheitsgefühl und düsten - dem physikalischen Gesetz der Gravitation folgend - in Richtung Fußboden.

Niemand, der nicht selbst schon einmal solch einen optischen Horrortrip erleben durfte, der kann sich wohl ausmalen, was in jenen Momenten in mir vorging. Denn ich mag nur schlanke Frauen, so wie meine Traumfrau Xtine. Mit denen kann man in jeder Richtung arbeiten. Und dazu hatte ich nur zwei Möglichkeiten. Entweder von Sonjas Dreizentnerkörper - über den Weg des Erstickens - gekillt zu werden, oder durch Ertrinken in den Tschunamiflutwellen des gerade geplatzten Wasserbettes. Und es ging lustig weiter. Sonja nahm auf dem wabbelnden Rand des Bettes Platz, griff in eine der Schubladen des Nachttischs, holte etwas Grünzeug zum Rauchen hervor, drehte ein Tütchen und forderte mich auf, die noch verbliebenen Bierflaschen von nebenan aus der Küche zu holen. Wir rauchten den Joint, vernichteten den restlichen Fruchtsaft der Gersten und dann ging es auch schon zur Sache. Ich liebe Sex. Aber was nun folgte, das war Knochenarbeit. Vergleichbar mit der harten Maloche in den Bleibergwerken in Sibirien, gleich nach dem letzten Krieg. Während das riesige Wasserbett unter uns mit ungewohnt verdächtigen Geräuschen dahinblubberte, suchte ich verzweifelt nach 'ner stabilen Schwimmweste. Aber dort war keine greifbar. Also die Augen zu, todesmutig durch die tobende Biskaya und dann weiter durch die brodelnde Gicht des östlichen Atlantiks. Aber nur nicht in der Rückenlage. Die Stellung schien mir einfach zu gefährlich. Es dauerte noch eine geraume Zeit bis ich mich einigermaßen in ihr plazierte, doch dann erinnerte sich Sonja wohl an die Urschreie des Lebens und die Post ging ab...

Während diesem schweißtreibenden Kampfspiel, verfluchte ich jede noch existente Nikotinnette auf dieser Welt. Denn unseres Wissens nach gibts sie nur hier auf dieser Welt, die mehr und mehr im eigenen Chaos zu versinken scheint...

Sonjas überdimensionale Schamlippen schmatzten so überlaut wie das Endrohr eines Industrienaßsaugers nach einer Überschwemmung. Und das Monster unter mir keuchte, als wolle es mich jeden Moment komplett verschlingen. Ich fühlte mich wie ein Söldner in der vordersten Linie. Zum Abschuß ausgebildet und den nahen Tod vor Augen, ohne auch nur die geringste Chance aufs Überleben...

Ihre verbalen Geräusche ließen zwar darauf schließen, aber ob dieser Buckelwal tatsächlich fertig wurde, das läßt sich im Nachherein nur vermuten. Sie gab ein paar kurze Stöße schwefelnder Abgase von sich, ohne das wohl selbst registriert zu haben. Und dieser summende Fliegenschwarm über unseren Häuptern nahm ununterbrochen an Stärke zu. Denn dort sausten nach einer vorsichtigen Schätzung etwa einhundert der schwarzen Fluginsekten ihrem lukullischen Vergnügen entgegen. Und die Schadstoffe um uns herum verflüchtigten sich nur sehr langsam. Mir war jedenfalls nach einem Erlebnis in Richtung Orgasmus, vollkommen die Lust vergangen. Ich kam mir vor wie ein ausgelutschter Jogger, der den allerletzten noch existenten Grashalm vor seinen platt gelatschten Füßen erspähte, um sich verzweifelt daran festzuklammern, doch ohne die geringste Chance. Und draußen vor den schwarzen Jalousien, da blitzte lächelnd die Mittagssonne. Jedenfalls hatte sich einer ihrer Strahlen mitleidig in dieses kriegsähnliche Szenarium verirrt...

Wenn ich nun der Meinung war meine Aufgabe erfüllt zu haben, dann hatte ich weit gefehlt. Denn nach der Knochenarbeit der letzten halben Stunde waren jetzt Überstunden angesagt. Der wabbelnde Fleischberg im blubbernden Bett schien nun erst recht auf den Geschmack gekommen zu sein, schaltete den Turbo ein und es ging laut röhrend weiter, auf dem Highway zur Hölle. Und niemand sprach ein Vater Unser. Auf jeden Fall war die Ruhestätte anscheinend immer noch äußerst stabil. Hatte demonstrativ durchgehalten und diesen extremen Rambotest grandios bestanden...

Nach der zweiten Runde - im südfranzösischen Rahmen - kippte Sonja ultimativ in ein bohrmaschinenähnliches Schnarchen ab und verließ die dampfend heiße Szene. Und meine ohnehin schon schwarz gefärbte Seele, schien gerade im Begriff sich jeden Moment von mir zu verabschieden...

Diamonds are for ever. Doch der neben mir liegende 'Edelstein' schien gerade dabei sich in ordinäres Fensterglas zu verwandeln. Trotz dieser enormen Anstrengungen blieb ich noch ganze zwei Tage bei ihr. Denn als praktizierender Genussmensch muß ich echt zugeben, Sonjas Kochkünste waren mehr als fantastisch...

 

 

 

,Hallo, Bonjour Sally...

 

Der Sommer hatte sich selbst gerade verlassend, dem frühenden Herbst mit kürzeren Tagen und kühlender Frische ein neues Outfit verabreicht.

Es hatte eine geraume Zeit gedauert, bevor mich das Antlitz von Sally wieder zu Streicheln gedachte. Aber es war von jener gedeckten Trauer umhüllt, die sich mir in der Vergangenheit nur selten zu begegnen wagte. Ihr von sonst her gewohnt verzauberndes Lächeln offenbarte sich nun in einer Art verhaltenem Schrei, der sich offenkundig nicht zu zeigen imstande war. Zwar verhalten, aber schmerzhaft und lautlos weinend und von jener spürbaren Melancholie umhüllt, die dieses Szenarium auf eine negative Art zu bereichern versuchte. Ihr selbst wohl noch unbewußt, schien sich in ihr ganz langsam ein verhärmendes Antlitz zu offenbaren. Sie fragte beiläufig, um dabei ihr kommendes Schluchzen zu kontrollieren:

"Hi, wie geht es dir denn, Charly.“

"Danke und dir selbst?"

"Auch danke. Es könnte zwar um einiges besser sein, aber ich komme zurzeit noch zurecht. Ein ewiges rauf und wieder runter. Du kennst das ja selbst. Was soll ich dir vormachen, Charly. Du warst schon seit jeher ein guter Beobachter. Dir macht man ja doch nichts vor.", versuchte sie zwar ausweichend, aber doch auf eine flehende Art irgendeinen Halt zu finden. Dabei verformte sich ihr - von Melancholie - umhüllter Blick in ganz verschiedene Richtungen, ohne dabei jedoch ein wirklich sehendes Ziel zu finden. Die innere Anspannung die sie äußerlich umgab, schien in diesem Moment für uns beide mehr als peinlich zu wirken. Wir standen dort auf eine gehemmt verhaltene Art, auf dem  vom herbstlich welken Laub -  gemischt mit leichtem Sprühregen - geschmückten Pflaster. Und zwar genau an jenem Ort, an dem wir uns vor langer Zeit einmal kennenlernen durften, uns dann jedoch wieder aus den Augen verloren und nun plötzlich überrascht voreinander standen. Wir sahen uns an, jedoch leider nicht in die gleiche Richtung zielend. Trotzdem ein Moment, angefüllt voll unergründlicher Sehnsucht wie sonst nur selten erlebt. Ohne zu erwartende Höhepunkte, jedoch in sich selbst reisend und nach irgendetwas suchend, das jedoch eigentlich nie wirklich vorhanden war. Und die Minuten verloren sich in der fliehenden Kürze einer Zeit, die nichts und niemanden zu halten imstande war. Doch mein Verlangen nach ihr steigerte sich in sich selbst in einer fragenden Unaufhörlichkeit, ohne das mich jedoch nun eine ihrer Gesten, so wie lange zuvor zu motivieren vermochte. Dann sagte sie, während sie dabei war sich in einem kleinen Spiegel zu renovieren:

Möchtest du einen Becher heißen, schwarzen Kaffee? Genauso wie damals während unserem ersten Date an diesem Platz?“

Ja, den könnt’ ich jetzt garantiert vertragen Sally. Aber heiß und schwarz muss er sein. Du weißt ja wie ich ihn mag.“, habe ich ohne dabei Emotionen zu versprühen geantwortet.

Warte einen Moment, ich bin gleich zurück. Oder komm doch mit und lass uns in irgendeinem Lokal etwas trinken gehen. Denn hier draußen, auf diesem miesen Halteplatz, da ist es doch wohl schon etwas zu frisch. Na, was meinst du dazu, Charly.“, bedeckte sie sich fragend. Ohne eine Antwort abzuwarten, wandten sich ihre Schritte und entfernten sich in Reichweite eines nahe gelegenen Bistros. Ich glaube ich habe nur genickt und bin ihr dann einfach gefolgt.

Damals, vor dieser langen und leider verlorenen gegangenen Zeit, da hatten ihre Schritte geradezu eine majestätische Erhabenheit. Nun aber, nach all den sinnlos verflossenen Jahren, da zeigte ihr Gang - zwar von hektischer Unruhe angetrieben - jedoch ein spürbar hilfloses Verlangen, das zu verbergen sie nicht imstande zu sein schien. Eine unerklärliche Angst schien ihre Schritte zu beflügeln...

Wir betraten das Bistro, suchten uns einen Platz an einem der kleinen runden Tische, riefen nach dem Kellner und ich bestellte, ohne dabei den Blick von Sally abzuwenden unsere Kaffees, während sie mehr beiläufig sagte:

Ich möchte dir etwas sagen. Habe dein Buch gelesen, und war zunächst ziemlich schockiert, Charly."

"So, warst du das? Dabei sagtest du mir immer wieder, du würdest auf Verbal-Erotik stehen. Und dann war ich plötzlich so frei und habe sie ganz einfach aufgeschrieben. War das etwa falsch? Aber warum hast du dann eigentlich dein Foto für das Buchcover verkauft? Dazu für den schwachen monatlichen Lohn eines Taxidrivers? Für schlaffe achthundert Mücken? Sally, jetzt einmal ganz ehrlich, da hätte ich dir schon etwas mehr Geschäftssinn zugemutet."

"Ich brauchte Geld. Und da kamen die acht Scheine gerade recht. Aber woher weißt du das alles?"

"Och, das ist eigentlich ganz einfach. Ich gehöre zu der maskulinen Sorte menschlicher Wesen. Und die arbeiten nunmal nach einer ganz anderen Logik wie Frauen es tun. Die abgebildete Lady war extrem schlank. So wie du und Xtine. Also ganz genau auf meiner sexuellen Wellenlänge. Da sieht man dann eben zweimal hin. Dazu wurde mir gleich klar, dass die Haarpracht der Lady auf dem Foto nichts anderes als eine oberflächlich hergerichtete blonde Perücke war, denn die passte ganz und gar nicht zum natürlichen Outfit der abgebildeten Person. Blond steht dir nunmal nicht Minou. Und dann meinte der Verleger auf meine Frage, wer denn dort abgebildet sei ganz trocken:

"Dieses Modell wird sich nie vor Ihnen outen."

Jetzt wurde es richtig interessant. Und so legte ich das Buchcover auf den Scanner meiner Sponsorin. Und plötzlich kristalisierten sich bei einer sechshundertfachen Vergrößerung einige markannte Details heraus. Unter anderem zum Beispiel eine untrügliche Narbe an ihrem rechten Oberschenkel. Meinen Verleger darauhin angesprochen, hüllte der sich - obwohl in Rhetorik sehr bewandert - ultimativ ins Schweigen. Von diesem Moment an schien unsere bis dahin intensive Kommunikation, von ein auf den anderen Moment gestorben zu sein. Du siehst also. Eins und Eins ist immer noch Zwei. Und zwar solange sich kein neuer Adam Riese zeigen wird. Aber sag mir bitte, war denn mein Schreibstil wirklich so brutal? Obwohl ich zugeben muß, solche Trivialliteratur ist nun mal nichts für jeden."

"Ja, dachte ich jedenfalls ganz zu Anfang. Diese derbe Offenheit, mit der du das alles oder dein eigenes Leben beschrieben hast, die hat mich anfangs schon sehr getroffen. Aber nachdem ich es dann mehrmals in Folge gelesen habe, da traf mich plötzlich ein ganz neues und bis dahin unbekanntes Verständnis für deine Art des Ausdrucks und ich hab’s mit einer vollkommen neuen Toleranz in mich aufgesogen. Denn ich mußte zugeben, Charly hatte ja irgendwo recht. Das reale Leben ist nun mal so hart. Sofern man nicht oberflächlich seine Augen nicht davor verschließt. Aber gerade diese Härte, in solchen von dir des Öfteren geschilderten Situationen, die war schon gewöhnungsbedürftig. Denn so knallhart und offenherzig wie du es tust, so können nur ganz Wenige schreiben. Woher nimmst du eigentlich den Mut dazu her? Und parallel möchte ich dir noch etwas sagen. Du hast eine geradezu unglaublich Beobachtungsgabe.       

“Das erste Buch Nitro Xtine war mein literarisches Abitur. Und es  beinhaltet die Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Da mußte ich einfach durch. Aber woher ich den Mut dazu nehme so zu schreiben? Das kann ich dir nich' sagen, denn das weiß ich selbst nicht. Oder vielleicht weiß ich das doch. Denn um das gleiche Thema ging es während eines Gesprächs mit einem Kumpel, beim trinken von reichlich Whisky im Hofgarten. Er fragte mich was eigentlich Fantasie wäre."

"Und was hast du ihm geantwortet?"

"Ich habe es wieder mit dem Phänomen Fantasie zu erklären versucht. Ich hab' ihm gesagt, Fantasie ist nichts anderes als trockener Regen."

"Hä? Wie bitte? Trockener Regen? Was für ein Blödsinn!"

"Nein Angel, ganz und gar nicht. Hör mir zu. Da es im Kosmos nun mal keine Atmosphäre gibt, also auch keine Feuchtigkeit, ich aber überzeugt bin unsere Fantasie aus dem Kosmos kommt, habe ich dieses Phänomen eben trockenen Regen genannt. Der trifft eigentlich jeden von uns. Und da ich niemals einen Regenschirm benutze, knallt er bei mir gleich durch die Schädeldecke. Aber nur die Wenigsten können damit arbeiten. Von ihren Schirmen geschützt und vom täglichen Stress so sehr gebeutelt, dass es ihnen schwerfällt sich auf imaginäre Dinge wie Fantasie zu konzentrieren. Menschen brauchen immer etwas greifbares. Fantasie ist zunächst imaginär, also nicht greifbar. Kannst du mir noch folgen?"

"Soeben noch, Charly. Aber ich wollte dich gerade fragen, was du vor unserem Gespräch für ein Zeug geraucht hast."

"Nichts Angel. Ich rauche nur noch Tabak. Außer ein bißchen Alkohol in Form meines täglichen Liter Rotwein brauche ich so gut wie nichts. Es ist nunmal einfach alles da. Schwirrt wie Milliarden Planeten durch mein Gehirn und diese Trabanten warten darauf sortiert zu werden. Und jeder dieser Himmelskörper hat seine eigene Geschichte. Wie in so einem Pokerspiel. Hast du die richtige Kartenkombination gefunden, dann bewegst du dich schon auf der literarischen Route 66. Und die Sätze, die schreien regelrecht danach aufgeschrieben zu werden. Die aktuelle Leserschaft scheint jedenfalls meine derben Formulierungen zu mögen. Minou, du glaubst mir garnicht wieviele Komplimente ich allein im Internet erhalten habe. Mittlerweile ist mein zweites Buch zwar noch nicht auf dem Markt, aber es scheint kurz vor der Veröffentlichung zu stehen. Danach kommt noch 'Stragrami' und 'Born to be high'. Zurzeit arbeite ich paradoxerweise an einer Serie von Märchenbüchern mit den Titeln: 'Amilla im Nibiruanerland' I-III. Was sagst du nun? Weiter denke ich im Moment nicht voraus. Aber es sollen noch einige Stories folgen. Sofern meine Augen nicht zu früh stehen bleiben, so wie ein guter - meiner wenigen Freunde - es einmal treffend formulierte. Na ja, warten wir es einfach ab. Zurzeit bin ich jedenfalls laufend in der Augenklinik von D.D."

"Was ist denn mit deinen Augen, Charly? Muß ich mir ernsthafte Sorgen machen?"

"Ach, das ist so Minou. Ich hatte bis vor zirka drei Monaten eine neue Freundin. So'ne harte Amance. Und die schickte mich gleich zu Anfang auf diesen berühmt berüchtigten Arzttourismus. Wochenlang wurde ich von ihr von einer zur nächsten Praxis geschickt. Anfangs habe ich mich noch heftig dagegen gewehrt, denn bis dahin habe ich mein ganzes Leben lang medizinische Einrichtungen - auf Anraten eines Docs - gemieden. Und mein stabiles Immunsystem gab mir immer wieder recht. Bis auf wenige Ausnahmen wurde ich niemals ernsthaft krank. Und dann kam die Rumänin Salina und meinte:

"Charly so geht das aber nicht. Lass dich mal gründlich durchschecken, auch wenn du wohl ansonsten ein Chaot zu sein scheinst, aber so geht es nun wirklich nicht. Schließlich warst du über eine lange Zeit im Milieu. Und da ist eine Gonorhö an der Tagesordnung. Und daraufhin wurde ich in einem halben Dutzend Arztraxen von Kopf bis zum Fuss durchgescheckt. Doch dort stellten alle Docs wohl unerfreut fest, dass ich im Hinblick auf mein fortgeschrittenes Alter eine mehr als hervorragende Gesundheit besaß. Ich hatte weder Aids noch Tripper, Syff oder Schanker oder sonstige Geschlechtskrankheiten. Und trotz meiner harten Schluckspecht-Mentalität habe ich noch immer astreine Leberwerte. Und auch mein eiskaltes Herz und  meine Nieren arbeiteten so gut wie bei einem Vierzigjährigen. Obwohl ich im Laufe meines Leben mindestens einmal den Bodensee leergesoffen und meine Lunge deftiger verqualmt habe als sechszehn Schornsteine eines mittleren Stahlwerks. Soweit und so gut. Aber dann, letztendlich, da bekam dann auch ich den berüchtigten Wermutstropfen eingeflöst. Der letzte Besuch der fand bei einem russischen Augenarzt statt. Und dieser Doktor diagnostizierte eine Trübung meines rechten Auges. Tief hinunter auf schwache sechzig Prozent der ursprünglichen Sehstärke. Ich kann dir sagen Minou, das war vielleicht ein Schock. Ein Autor der allmählich sein Augenlicht verliert, der fühlt sich plötzlich wie ein hilfloser Säugling, der noch nicht selbständig auf seinen zwei Beinen stehen kann. Naja. Danach wurde mein Auge zweimal geleasert, und dann hieß es:

"Aber nur keinerlei Panik Herr Wasyl. Ihre Netzhaut haben wir durch das Leasern schon wieder stabilisiert. Und noch eine positive Nachricht habe ich für Sie. Seit drei Monaten ist ein neues Mittel namens Avastin auf dem Markt. Das werden wir Ihnen von nun an alle vier Wochen direkt in ihre Pupille spritzen. Vielleicht kann diese Substanz die uralten und verhärteten Blutgerinnsel hinter ihrer Netzhaut wieder auflösen. Jedenfalls ist Avastin das Fortschrittlichste was der Stand der heutigen Augenmedizin Ihnen bieten kann. Voraussetzung ist allerdings, das Ihre Krankenkasse da mitspielt und den Antrag genehmigt. Denn diese Spritzen sind enorm teuer. Aber in der Regel werden unsere Anträge von den Kassen bewilligt."

"Habe ich Sie da gerade richtig verstanden? Sie spritzen mir dieses Zeug direkt in die Pupille? Und das bei vollem Bewußtsein? Ich bin an und für sich relativ schmerzunempfindlich. Aber direkt in meine Pupille hinein spritzen, das ist auch für mich unbekanntes Neuland, vor dem ich mich zunächst einmal sperre. Ist das verständlich?"

"Ja, ich verstehe Sie ja. Ihre Abwehr ist auch ganz natürlich.", sagte die Ärztin.                                                                                                    "Das ist jedoch unumgänglich. Aber nur keine Sorge, denn vorher wird ihr Auge natürlich örtlich betäubt. Wir träufeln Ihnen vor diesem Eingriff einige starke Narkosetropfen ins Auge. Dann verspüren Sie nur einen leichten Druck. Glauben Sie mir, wir sind nun mal Profis und wissen genau was wir tun."

Pupillenspritzen. Ein paar Augentropfen träufeln, das hörte sich für mich nach einer mehr als marzialischen Foltermethode an. Doch da es keine Alternative gab, lag ich schon eine Woche später halbnackt in einer OP-Liege und sah zum allerersten Mal die Nadel der Spritze auf mein Auge zudüsen. Und die OP-Ärztin meinte ganz cool:

"Jetzt ganz ruhig bleiben und ihr Auge nicht bewegen. Sehen Sie hoch zur Decke und fixieren Sie dort einen Punkt. Dann ist es auch ganz schnell vorbei."

"Und wie war diese Aktion?"

"Es war wirklich ganz harmlos. Hätte ich nicht gedacht. Und nach drei Monaten und vor der dritten Spritze, da fühlte ich mich selbst wie ein perfekter Profi und düste ungeduldig und nahezu mit sportlichem Ehrgeiz gewappnet auf die OP-Liege."

"Woher kamen denn diese Blutgerinsel? Und wann ist das endlich alles vorbei?"

"Das weiß man bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Das werden erst die Nachuntersuchungen ergeben. In der kommenden Woche bekomme ich erneut 'ne volle Ladung Avastin gespritzt. Jedenfalls meinte mein nachuntersuchender Augenarzt vor ein paar Wochen, dass dieses Mittel gut wirkt. Da ich mich früher oft und gern geprügelt habe - allein schon aus Milieugründen - scheinen diese Blutgerinnsel wohl aus jener Zeit zu stammen, meinte jedenfalls der Arzt."

"Naja, dann hoffe ich für dich das Allerbeste. Aber ist es eigentlich nicht schade, dass du nicht schon viel früher mit dem Schreiben angefangen hast.“

"Ach Sally. Darüber habe ich auch schon des Öfteren nachgedacht. Aber hätte ich schon früher damit angefangen, dann wäre wohl nichts daraus geworden, Prinzessin. Da hatte ich wie die meisten von uns Freaks noch den 'Writers Block', die berüchtigte Schreibblockade. Alles hat oder braucht nunmal seine Zeit. Und ich, ich war erst vor fünf Jahren soweit. Da lief mir plötzlich meine Muse über den Weg und inspirierte mich sofort auf eine ungewohnte Art. Aber leider nur platonisch. Bis auf einen Kuss ist da nie etwas spektakuläres vorgefallen. Habe bis zum heutigen Tag noch nie mit ihr geschlafen. Und ehe ich mich damals versah, da war sie auch schon wieder verschwunden. Wie seit jeher gewohnt auf eine ganz andere Art und dazu nur auf sich selbst orientiert. Ich habe endlos lange gebraucht, um sie einigermaßen zu vergessen. Glaub mir. das war schon eine äußerst bittere Erfahrung. Damit hatte ich garnicht mehr gerechnet. Vielmehr war ich der Meinung, hätte schon alles durch, mir kann nichts mehr passieren. Aber weit gefehlt, denn in ihrer Nähe, da hatte ich jedesmal sofort das Gefühl endlich frei und angekommen zu sein. Aber sie wich mir immer wieder aus und hinterlies in mir ein Gefühl der Minderwertigkeit. Plötzlich bauten sich Komplexe ungeahnten Ausmaßes auf und die ließen mich fast auf der Strecke. Sowas kannte ich seit meiner Kindheit nicht mehr. Doch das ist ja hinlänglich bekannt. Die meisten großen Lieben enden einfach tragisch.“

Du hast sie also wirklich geliebt, jedoch niemals besessen?“

Tja, genauso war das. Das war ganz einfach so. Vielleicht hatten die kosmischen Gottheiten etwas dagegen. Die, die unser scheinbar unreifes Hirn wieder zu regulieren versuchen. Und dazu weil ich als überzeugter Atheist mit ihnen immer auf Kriegsfuß stand. Die Einen sagen: Seine Muse küsst man nicht. Die Anderen meinen dagegen sie seien von ihrer Muse geküsst worden. Das habe ich irgendwann einmal gelesen. Aber lange nicht wirklich begriffen, bis ich selbst meine Muse traf. Das war nunmal die berüchtigte Nitro Xtine. Wir reden aber nur von mir Sally. Erzähl mir nun bitte etwas von dir. Wie lange ist es eigentlich her seit unserem letzten Treffen?“

Ich glaube, das ist bestimmt schon drei oder vier Jahre her. Damals waren wir beide zusammen in der Rockkneipe Blende. Und da dein Buch noch nicht verlegt war, da trugst du immer dein Manuskript mit dir rum und hast es mich lesen lassen. Erinnerst du dich noch daran? Nachdem wir die Kneipe wieder verlassen hatten, haben wir uns draussen auf der Rue das erste Mal geküsst. Weißt du das auch noch?"

"Ob ich das noch weiß? Und ob ich das noch weiß. Vor allem das, was tags darauf auf der Brunnenstreet passierte. Ich stand wie so oft dort oben am Düsseltrail. Und zwar um dich abzuholen. Und plötzlich kamst du mit diesem Tütenclown angedackelt. Er hielt dich im Arm und küsste dich endlos. In diesem Moment ist in mir etwas sehr großes, ja sogar eine ganze Welt zerbrochen. Und zum ersten Mal verlor ich die Achtung vor dir. Und diesen Respekt den ich vor dir hatte, der hat sich danach nie wieder aufgebaut. Das du angeschafft hast wußte ich ja. Aber das du als hundsgemeine Hure, statt als Nutte dein Geld verdient hast, das war ein brutaler Schock. Das war wie der letzte Tag vor dem Weltuntergang. Und dann gab sich dieser Wichser am Handy auch noch als ein Bulle vom SEK aus. Das war Amtsanmaßung und gab mir endgültig den Rest. Hab' ich dir denn nie etwas bedeutet Minou? Aber lassen wir das verfluchte Thema lieber. Denn das ist Schnee von gestern und regt mich nur auf."

"Du sagtest eben ich hätte als Hure statt als Nutte angeschaft. Was gibt es denn da für einen Unterschied?"

"Du fragst mich was es da für einen Unterschied gibt? Das hat mich die Rumänin Salina auch mal gefragt. Einen gewaltigen Unterschied gibt es da. Aber den scheinst du - genauso wie die meisten klugen bürgerlichen Leute - nicht zu kennen. Eine saubere Nutte, das ist eine eiskalte Geschäftsfrau. Deren Blick sich ausschließlich an der Kohle ihres Freiers orientiert. Und ihr Geld verdient sie nicht mit Vögeln, sondern mit Kobern und Falle schieben. Dazu besitzt sie noch den alten Ehrenkodex. Eine richtige Nutte würde nie einen fremden Freier küssen. Und sie würde auch nie ohne Gummi Vögeln. Eine Hure dagegen nimmt Geld, pfeift höhnisch auf die Lümmeltüte und hat auch noch ihren Spaß bei den Aktionen. Ist nichts anderes als ein ordinärer Gullydeckel. Und stinkt genauso ekelhaft. Zwischen Nutte und Hure liegen ganze Welten. Aber jetzt genug davon. Ich kann von diesem verfluchten Thema nichts mehr hören. Habe mich damals nicht umsonst aus dieser Szene abgeseilt. Danach fühlte ich mich mit Rita zum ersten Mal wirklich frei. Aber auch sie konnte ich nicht halten. Und sie sich auch nicht bei mir. Denn die Spuren die das Rotlicht hinterlassen hatten, die saßen noch zu tief bei uns beiden. Aber das war mir damals noch nicht bewußt. Klar wurde mir das erst beim Schreiben. Denn da führt man sich all das Erlebte noch einmal brutal vor Augen und das ist sehr hart."

"Ich hab' da nur noch eine Frage, Charly. Was bedeuten eigentlich die Begriffe Kobern und Falle schieben?"

"Das war mir schon klar Sally, das diese Fragen kommen würden. Aber nun gut. Kobern bedeutet, 'nen Freier Anbaggern um ihn abzuschleppen. Und den rhetorisch solange mit geilen Sprüchen heißzumachen, das es ihm schon kommt, bevor er seinen Hosenschlitz öffnet. Falle schieben ist dagegen eine ganz spezielle Fingertechnik. Der Hummelsack glaubt zu Bumsen, aber die Nutte hat gelernt ihre Finger auf ihrem Rücken wie eine Pussi zu formatieren. Und der Freier hechelt sich bis zum Ende durch. Sogar ich bin bei meiner Stammfrau Vera mal auf diesen Trick reingefallen. Aber nun ist endgültig Schluss. Ich will nichts mehr davon hören, ist das klar?" 

Sally schien begriffen zu haben und lenkte unser Gespräch in eine ganz andere Richtung: 

"Ja, die Zeit läuft uns viel zu schnell durch die Hände.", sagte sie, und unser direkter Blickkontakt schienen mein Blut und meine Libido automatisch wieder zum Sieden zu bringen. Verfluchte Libido...

Umständlich und sehr nervös fingerte sie eine Zigarette aus irgendeiner Schachtel, zündete sie an und reichte sie mir herüber. Dann zündete sie sich selbst eine an und sagte vorsichtig:

Bei mir ist eigentlich nicht allzuviel passiert. Zwei meiner Kinder sind mittlerweile aus dem Haus und führen ihr eigenes Leben. Und ich jobbe mal hier und dann mal wieder da. Eine stabile Beziehung habe ich auch niemals aufbauen können. Dazu war ich einfach zu oberflächlich. Habe oft die Männer gewechselt und wollte mich nicht allzu lange binden. Jetzt bin ich sechsundvierzig und denke öfters darüber nach. Nachdenklich wird man wohl erst wenn man älter wird. Warum auch immer, Charly.“

"Dafür bewegst du dich in letzter Zeit als Single in diesen sogenannten Chaträumen. Das habe ich mitbekommen als damals von KNF deine beiden Flirtnachrichten eingetrudelt kamen. Und auf deinem Foto hieltest du ein Handy in der rechten Hand. Hatte das einen Grund?"

"Ja, denn ich hatte keine Telefonnummer mehr von dir. Die hattest du wohl irgendwann einmal geändert, stimmts? Dabei hätte ich dich so gerne mal wieder angerufen."

"Ja das stimmt Sally. Denn ich verlor - als ein von allen Seiten titulierter Chaot - meine damalige und sehr spendable Sponsorin - die alte Frau Maria Ryder - und damit auch die bis dahin von ihr finanzierte   Handynummer.", und Sally antwortete:

"Aber da ich noch deine alte Visitenkarte mit dem Titel: Verlagsuchender Autor besaß, habe ich dir doch in jener Zeit eine E-Mail geschickt. Warum hast du denn nie darauf geantwortet?"

"Habe ich doch sofort, Sally. Bin aber anstatt bei dir, auf einer US-Plattform gelandet. Danach war auch dieser hoffnungsvolle Kontakt nichts weiter als lauwarme Luft. Damals, da war ich unglaublich verliebt in dich, Minou. Wie noch niemals zuvor in meinem Leben. Obwohl, erlebt habe ich in punkto Verliebtheit und einiges noch härtere so 'ne ganze Menge. Ja, unter anderem saß ich einmal wegen des Faktums Mordversuch 'ne ganze Woche in U-haft. Aber dem zuständigen Untersuchungsrichter viel dann schnell auf, dass es sich bei den von etlichen Zeugen gemachten Aussagen, um ein primitiv gebasteltes Lügengeflecht handelte,  entließ er mich schon nach einer Woche wieder aus der U-Haft und übergab den mysteriosen Fall einem Schiedsmann. Und das alles ohne Rechtsanwalt. Stell dir das nur mal vor Engel. Vom Mordversuch zum Schiedsmann. Das war wie Wellenreiten auf sandigem Land, ohne die salzige See...

"Oh je. Dann hast du ja einiges durchgemacht."  

Das kannst du mir bedenkenlos glauben, Angel. Und dabei begleitete mich immer mein blauer Pass für heimatlose Ausländer. Jedenfalls warst du seit unserem Kennenlernen die einzige Lady, für die ich mich jederzeit hätte Killen lassen. Hätte dich jemand erschießen wollen, dann hätte er zwei Kugeln gebraucht. Eine für mich und erst dann eine für dich. Aber da von deiner Seite so gut wie rein garnichts kam, hab' ich dann irgendwann aufgegeben. Sinnlose Kämpfe führt man nicht. Dazu konnte ich auch diesen miesen Typ von der Brunnenstrasse nicht vergessen. Aber egal. Minou, sag mir lieber, was machst du eigentlich zurzeit beruflich? Hab' mal von irgendeinem Taxidriver erfahren du würdest in Derendorf in einer Spielhalle arbeiten. Ist das noch aktuell?“

"Ja, das ist noch immer der Status Qou. Aber den Job habe ich nur zweimal in der Woche auf vierhundert Euro-Basis. Vielleicht werde ich in der Zukunft wieder Taxi fahren, denn sonst bleibt mir ja nicht viel."

Sie legte wieder ihr verzauberndes Lächeln auf und strich mir leicht über den Arm.

"Ja, so laufen die Jahre dahin und lassen uns altern. Wie alt bist du jetzt eigentlich, Charly?“, fragte sie neugierig.

"Dieses Jahr habe ich meinen neunundfünfzigsten Geburtstag ganz alleine und total betrunken überlebt und ich hab' dabei jeden Schnaps auf dein Wohl getrunken. Obwohl ich mich noch garnicht so alt fühle, sondern eher wie ein Vierzigjähriger. Nur wenn ich in einen Spiegel sehe, dann schlagen mich die vielen Jahresringe. Falten sind nun mal so real wie meine schmutzigen Stories und meine schwarz gefärbte Seele. Auch mir fehlt gerade in der letzten Zeit eine stabile Beziehung, in der man sich gegenseitig aufbauen kann. Ich brauchte eine Frau wie dich, die mich endlich vom exessiven Saufen abbringt. Denn wenn ich zurzeit auch noch gesund bin, aber auf Dauer gesehen wird das wohl nicht gutgehen. Vielleicht finde ich ja noch das passende Gegenstück, denn du gibst mir ja doch keine Chance. Eventuell kommt das ja noch. Das heißt, wenn ich irgendwann einmal etwas berühmter werden sollte. Wer weiß das schon? Und wenn auch das Geld stimmt, dann würde ich gern auf einer Motoryacht in den Niederlanden leben und bis zu meinem Lebensende nur noch Bücher schreiben. Ich bin in letzter Zeit regelrecht süchtig auf das Schreiben von Stories geworden. Und meine Fantasie schlägt dazu täglich Purzelbäume. Man braucht eigentlich gar nicht viel, wenn man seine Berufung gefunden hat. Mir jedenfalls geht das so. Ich brauch’ nur ein paar Kleinigkeiten. Meinen stabilen Rechner, täglich ’nen Liter Rotwein, etwas passenden Ziegenkäse, weißes Brot und dazu etwas guten Tabak. Mehr brauche ich nicht. Das heißt, um das alles abzurunden, da brauch’ ich noch - wie schon erwähnt - eine liebende Beziehung. Eine Beziehung bei der man wirklich das Gefühl hat nach langer Zeit endlich angekommen zu sein, um danach nichts mehr zu suchen. Gesucht habe ich ohnehin schon viel zu lange. Aber das endliche Finden scheint bei mir einfach nicht zu funktionieren. Warum auch immer. Vielleicht bin ich deshalb nicht dazu in der Lage, weil ich auf die ein oder andere Art zu sehr milieugeschädigt bin. Es gab damals tatsächlich mal eine Zeit, da habe ich tatsächlich den Absprung aus der Rotlichtszene bereut. Denn diese Welt kannte ich. Sie war mehr als überschaubar und es kamen keine negativen Überraschungen mehr auf mich zu. Hatte mich frei geschwommen. Alles hatte sich nach vielen Jahren in einem klaren Rythmus gefunden. Und dann hau ich der Charly mit der Tusnelda 'Rita' ab. Leute die Jahrzehnte lang in der halbseidenen Welt lebten, die scheinen einfach nicht mehr für ein solide gestaltetes Leben zu gebrauchen zu sein. Eine Freundin sagte einmal zu mir:

"Man kann zwar einen Boxer aus dem Milieu herausholen, aber niemals das Milieu aus einem Boxer.“

Währenddessen sah mich Minou nachdenklich an und fragte:

"Bist du schon von deiner Frau geschieden?"

"Ja, seit zirka zwei Jahren. Nach der langen Trennung wollte ich einfach wieder frei sein. Und da ich noch arbeitslos war, hat mich die Scheidung keinen müden Dollar gekostet."

"Dann bist du also wieder ganz frei?"

"So wie es aussieht zurzeit schon noch. Und dazu auch seit dem Jahr 1997 eingebürgert."

"Aber warum fragst du? Denkst du an eine Heirat mit einem Chaoten wie mir?

"Warum nicht? Hört sich auf jeden Fall sehr interessant an. Trinken wir noch einen Kaffee?“

Wenn eine Frau einen Mann zu einem zweiten Kaffee einlädt, dann hat das seinen Grund. Also hab’ ich versucht ihr 'ne Antwort zu geben:

"Ja natürlich. Aber sag mir, kannst du etwas Zeit erübrigen? Ich würde dich gern zum Essen einladen.“

Ein kurzer verstohlener Blick auf ihre Armbanduhr und fast im gleichen Moment kam die Antwort:

"Ja, sehr gerne Charly. Denn ich habe heute Morgen noch garnicht gefrühstückt, und nun tierischen Hunger. Gehen wir also und trinken den Kaffee etwas später?“

Eine leichte Röte hatte sich in ihrem Gesicht, und in ihren Augen dieses lang vermisste Funkeln platziert. So wie ich sie noch in Erinnerung hatte. Der Moment schien sich seinem Genuß hinzugeben. Ich rief nach dem Kellner, zahlte und dann verließen wir das Bistro. Das, was früher niemals eintrat, erlebte ich nun zum ersten Mal. Minou ergriff meine Hand und wir gingen total entspannt zu ihrem Fahrzeug.

"Fahren wir zudem kleinen Italiener von damals? Erinnerst du dich noch daran? Das war doch drüben am Oberbilker.“, fragte sie mich.

"Den gibt’s leider nicht mehr. Das Lokal ist schon seit einigen Monaten geschlossen.“

Och, das ist aber sehr schade, Charly. Aber vielleicht hast du ja einen anderen Vorschlag?“

Ich hatte, und so fuhren wir über die Mainstreet - quer durch die City - und dann über die Rheinbrücken in den westlichen Teil von D.D. zu einer Tratotteria...

Während Minou einparkte, spürte ich wieder dieses Prickeln, von damals her gewohnt. Die verwirrende Unruhe einereuen Verliebtheit. Nichts von ihrem Charisma hatte sich verloren. Ja ihre Ausstrahlung hatte sich - obwohl sie deprimiert zu sein schien - sogar noch verstärkt und mich sofort wieder in ihren Bann gezogen. Und das welke Blätterwerk an den Allebäumen die uns umgaben, strahlte trotz des Herbstes den Duft und die Schönheit von frühjährlichen Blüten aus. Das war sie, das war meine geliebte Minou. Und sie war fast so wie damals, als ich mich so unsterblich in sie verliebte...

Liebe das ist wie eine psychische, jedoch auch unheilbare Krankheit. Sogar die internationale Wissenschaft surft auf diesem Trip. Wer erst einmal von ihr infiziert ist, der ist auf immer und ewig von ihr gefangen, so sehr er sich auch dagegen zu wehren versucht. Und ich erlebte erneut diese zerstörende Angst die mich fast schon einmal vernichtet hatte.

Minou schien das zu spüren. Denn ihre Worte wurden plötzlich zärtlicher, und die Art ihrer Bewegungen weich und verspielter. Wahrscheinlich begann der Liebesbann und das alte Spiel wieder von neuem...

Sie ergriff meine Hand, ohne das ich mich dagegen zu wehren im Stande war und wir betraten den kleinen Italiener im westlichen Stadtteil von D.D.

Dieses feminin zuckersüße Phänomen Sally, übte noch immer eine unerklärliche Macht auf mich aus, der sich zu entziehen ich einfach nicht in der Lage zu sein schien. Oh Sally...

Nach dem Essen bummelten wir über die Rheinallee, setzten uns unten am Strom auf eine der Parkbänke und plauderten über die vergangenen Tage...

 

Fortsetzung folgt

 

 

 

 

Summertime Blues...

Tags darauf schnappte ich mir einen gegen Mittag - ganz ohne Trauer -verfassten Abschiedsbrief an Rita und brachte ihn zur nächsten Post. Ob er aber jemals auf der Hindenburghauserstraße - im damaligen Westen Berlins - ankam, weiß auch wieder nur ein Gott...

Danach hatte ich unendlich Langeweile plus Nachdurst und fuhr deshalb schon am frühen Nachmittag mit dem Bus in Richtung der Kneipe ‚Blende’.

Habe mich dort an einen der runden Tische in die pralle Sonne gesetzt, ein Dutzend Bierchen genascht, währenddessen versucht die Story der 'Asphalt Cowboys' aufzuschreiben und mich ununterbrochen an den vorbeidüsenden provozierend leicht bekleideten Ladies erfreut...

Dann bin ich ziellos durch die Stadt getorkelt, als plötzlich eine knusprig goldbraun frittierte Languste, oder 'ne saftig gegrillte Weinbergschnecke neben mir herjumpte. Bei nahezu dreißig Grad im Schatten. Oh je...

Und die ätherischen Öle die sie verströmte, bestanden aus perlendem Schweiß, Kopulinen und schwerem Parfum, in einer nahezu optimalen Mischung. In ihrer linken Hand hielt sie eine Hundeleine, an deren vorderem Ende so’n vierbeiniger Orgasmusbeschleuniger im Miniformat, tippelnd und hechelnd sein Leben genoss...

Ihr Gang glich dem der Wölfin Xtine. Sie tänzelte animalisch provokativ und schien jeden Moment zur Flucht bereit... Jedoch gestylt in der Hoffnung auf einen harten und zähen Verfolger. Aber schon nach zirka sechshundertsechsundsechzig Metern, im zivilen, flachen Gelände zeigte sich wiederholt eine Feme fatal im perfiden Borderline Stretching...

Ein geifernder, designierter Milchbubikonkurent, verpackt in Papas grell schwarzem Porsche Outfit, übernahm augenblicklich die Favoritenrolle, ließ seinen Auspuff laut drohend röhren und die noch unbekannte Lady entschwand sofort, ohne auch nur eines sündigen Blickes zurück. Zivile Natur, kaum zu beherrschen. Ich hatte plötzlich Sand in meinen Augen und sah alles nur noch vernebelt. ‚Medusas’ Blick hatte mich soeben gestreift und radikal geblendet. Hoffentlich hält diese Blindheit nicht allzulange an, dachte ich. Denn es war wieder Frühsommer und überall erwachten die uns immer und ewig verführenden Weiberschenkel aus ihrer Winterdepression und erblühten in voller Pracht. Na ja...

Wenn es Nacht wird, wenn es Nacht wird in D. D...

Irgendwie musste ich mich ablenken. Und so dachte ich ans Arbeitsamt und an meine mir monatlich zustehende, von ihm aber noch immer nicht überwiesene Apanage - trotz blaublütigem Blutbild. An diese muffige und abgegriffene Speckschwarte ‚Who is who’. Jährlich neu in edlem Leder gebunden und permanent röchelnder Neuauflage. An meine riesigen, zurzeit aber noch immer brachliegenden Ländereien, weit, weit im Osten und daher nahezu unerreichbar in einem Land hinter zwei mentalen Grenzen und dazu an meine dortigen braven, nahe an ihrer Armutsgrenze ganz unten im dreckigen Staub dahinvegetierenden Pachtbauern. Die geistig schon seit ewigen Zeiten niemandem mehr verpflichtet waren. Denen man aber - warum auch immer - sporadisch ein Wodka oder Rotweinfass über den Weg laufen ließ und zum Stolpern animierte...

Als dann urplötzlich etwas weiter südöstlich Sokrates reinkarnierte, und stockbesoffen meckernd und rülpsend von sich gab:

„Hört doch alle nur noch auf mich und philosophiert kotzend weiter...“

Derweil, seine holde Xanthippe hysterisch im Internet surfend, ihre Flat rate ausreizte und total verzweifelt über die Google Suchmaschine die Option, Schlösser und Burgen am südlichen Zipfel der Loire zu finden gedachte. Rebellion in dieser Breite oder anderen Größenordnungen schien geradezu 'ne römische Orgie zu genießen.

Und ich versuchte zu Reihern. Doch mein Magen war zu leer...

„Sokrates, du verfluchter Laberflash. Was willst du mir denn beichten? Und wo liegen eigentlich deine versteckten Kellerleichen?“, versuchte ich ihn ultimativ zu einer Entgiftung zu animieren. Doch der reagierte zunächst aggressiv, orientierte sich dann aber um und überraschte mich mit dem Song:

„Ik heff mol in Hamburg en Veermaster seen, To my hoo da: To my hoo da...Te Masten so scheef as den Schipper sein Been: To my hoo da ho da ho. Blow Boys blow..."

Sekundenlang hörte ich fasziniert zu. Parkte dann jedoch unseren Dialog in irgendeiner gebührenfreien Warteschleife, sah mich erneut um und entdeckte plötzlich den erotischen Überlebenstanz zweier Butterflys, in irgendeinem stacheligen Straßengestrüpp, am äußersten Rande einer abgasgeschwängert, geteerten Fahrbahn. Nur kuze Zeit vor der dann anstehenden Kopulation. Das total verstörte, sich dabei permanent selbst strapazierende Männchen war ununterbrochen in einer flatternden Bewegung. Wie so’n sich selbst aufgebender Kamikaze Kampfflieger, kurz vor dem obligatorischen Suizid...

Sturzflug... drosselnd abfangen... danach wieder brutal hinauf in den Senkrechtflug... wieder Sturzflug, um sich dann weiter flatternd für kurze Momente lächelnd und muskelspielend vor ihr zu präsentieren. Und dann begann dieser perfide Zirkus wieder von vorne. Der Balztanz der Papillons. Irgendwann zur Siestazeit...

Plötzlich und unerwartet tauchte die zweifarbige Flatterlady wieder auf und ließ auch ihre gelbschwarz getönten Schwingen erzittern. Flog ein paar kokette jedoch knallharte Manöver und war kurz darauf im Blätterwerk versteckt einfach nicht mehr auszumachen. Der berauscht Gehörnte suchte total verstört und unter vollem Flügeleinsatz seine von Natur aus perforiert Angebetete und umrundete verzweifelt Blatt für Blatt, fast diesen gesamten, saftiggrünen, 'stachelnden Busch’... Kurz bevor er verzweifelt aufzugeben versuchte, erinnerte sich scheinbar instinktiv das feminine Gegenstück dieses Dramas des Lebens an seine Existenz, schwang sich voller Toleranz in die lauernd lauen Sommerlüfte und ließ sich von ihm schwängern. Ganz ohne jeglichen Protest...

Und ich versuchte zu Denken. Ist das Leben nicht schön? Und auch so herrlich einfach, natürlich und unkompliziert...

Währenddessen schien sich Denkvater Sokrates in einer schmieriggrau gekachelten Ausnüchterungszelle zu befinden und über die Phänomene Durst, Nachdurst und all die anderen stabilen Unpässlichkeiten des die Menschheit täglich beutelnden Lebens philosophierend zu zerbrechen. Und als dann endlich die Realität bereit war, zu akzeptieren was ich ersann, verließ ich mich über den Genuss eines Flachmanns erneut.

Und auf der noblen Kings Avenue präsentierten sich - laut rülpsend - die miefigen Statussymbole mit Preisschildern in dezent gehäckseltem Klopapieroutfit und dazu überteuer duftendem Charmincharakter für manipulativ agierende, neureiche Scheißer. Oh je...

Auch meine Visitenkarten hatten sich plötzlich kräuselnd tätowieren lassen. Besaßen auf einmal einen Titel mit dem Kürzel MdO. Und beim überreichen solch eines Stück Pappkartons stellte mir ein so genannter ‚Denker’ ultimativ die Frage:

"Was bedeutet denn MdO? Ich weiß doch schon alles. MdL heißt Mitglied des Landtages. MdB, das bedeutet meines Wissens nach Mitglied des Bundestages. Aber MdO? Das ist mir vollkommen neu. Das weiß ich bis heute leider noch nicht.“, meinte der anscheinend manisch depressiv, angepasste Alleswisser mit tränenerstickter Stimme. Und ich fragte ihn lauernd versteckt:

„Titel ist Titel... Etwa noch immer nicht darauf gekommen?“

„Nee, bis jetzt noch nicht.“, beteuerte der nun sichtlich Betrübte.

„Sokrates hatte wohl Recht mit seiner Erkenntnis.“, sagte ich.

„Ich verstehe Sie nicht.“, antwortete er fragend.

„Ach... Nun ja, dieser große griechische Philosoph erkannte schon vor nahezu dreitausend Jahren:

‚Seitdem ich weiß, das ich alles weiß, weiß ich, das ich nichts weiß’.

Moment mal... Oder war es der große Grieche Platon?“

„Aber ist ja auch egal. Jedenfalls scheint sich in dieser Richtung und in all der Zeit danach geistig noch nicht allzuviel geändert zu haben. Aber um es für Sie etwas kürzer zu gestalten... MdO bedeutet nichts anderes als ‚Mitglied der Ortskrankenkasse’."

Ich selbst, bin ein gebührenfreies und langjähriges und dazu mit vielen imaginären Orden überschmücktes Ehrenmitglied. Obwohl mir bis zum heutigen Tage noch niemand die Türen aufhält. Die muss ich immer noch selbst brutal eintreten. Und ich habe in jener privilegierten Institution fast schon Gewohnheitsrecht. Weil ich einfach zu viel zu wenig erkranke. Aber was soll ich nur tun? Habe diese Organisation wissentlich (oder auch unwissentlich) niemals wirklich über Gebühr beansprucht. Wie lange das aber noch sein wird, das weiß nur wieder ein Gott. Sofern es ihn gibt. You know...“

„Ach so meinen Sie das.“, antwortete der Fragesteller und gab sich dazu überaus geistreich irritiert. Und scheinbar auch sichtlich ermattet. Er drehte noch eine Pirouette in sich selbst und seinen geistig beschränkten Möglichkeiten und machte sich letztendlich nachdenklich dünne. Er lief einfach weg. Ohne ein Tschüß...

Und ich fragte mich zum wiederholten Male selbst: Was ist eigentlich wirklich ideeller Intellekt? Was ist denn das? Und wer hat eigentlich das ‚unnatürliche Recht’ ihn zu fragen:

„Willst du wahrhaftig mit mir Schlafen? Ohne dabei gleichzeitig an einen opulent und sonntäglich weiß gedeckten Frühstückstisch am Morgen danach zu denken?“

Und da ich schon hochgradig betrunken und paralell griechisch orthodox philosophierend orientiert keine Antwort finden konnte, dachte ich fast selbständig an ein anderes solides Seemannslied aus längst, längst verblichenen Tagen. Ohne die ich nicht wär’...

Während meine laut klappernden Zähne im Hintergrund lauthals ihre Existenz in pastellfarbenem Regenbogenoutfit verblasst zu zeigen versuchten...

‚Siebzehn Mann auf des Totenmannskiste... oh ho ho... und die Buddel voll Rum...’

Und ich dachte an die Szenarien wie Kino, Theater, Opern, Volksbühnen, Sektengestank und andere Glaubensrichtungen und deren überlaute Sprecher, Minnesänger und devote Lakaien. An solide Heimatvereine, Chöre, Talkshows, Wahlen und andere künstlich gebastelte, hierarchisch geordnete Strukturen und ihr so unglaublich großes, bildungspolitisches Auftragsvolumen im Namen der Macht. Die sich selbst jedoch noch viel zu wenig kennt. Dafür perfekt versteckt agierend hinter Begriffen wie Moral, Ethik und Ästhetik, unter dem humanistischen Overdrive Kultur. Künstlich inszeniert, jedoch nie wirklich überzeugend dagebracht, sofern man sie denkend begleitet...

Und ich dachte an die weltweit agierenden Medienstrukturen und deren übermächtige Steuerelemente. Allerbestens dafür geeignet, die ewig schlafenden Massen zu jeder Zeit und in jede Richtung suggestiv zu beeinflussen. Und ich dachte an den geliebten Sandmann, der uns tagtäglich kleine Kristalle in die Augen streut. Und ich dachte an den kleinen Prinzen, der seine Rose schützend, noch immer verzweifelt und Schulter zuckend durch die laufend wechselnden Reihen menschlicher Generationen latscht und latscht, ohne ihre total chaotische Denkweise jemals wirklich zu begreifen. Und dann dachte ich an die römischen Multifunktionswerkzeuge Brot und Spiele (Panem et circenses) des römischen Denker und Dichters Juvenal und ihren stets betäubenden Ablenkungscharakter. Und ich dachte an diese vielen künstlich erzeugten Kriege in der Vergangenheit und an ihre permanent reinigende Wirkung auf die Weltwirtschaft. Und ich dachte und dachte und kam kaum noch zum Kotzen...

Und dazu auch nicht weiter. Drehte mich laufend analisierend im Kreise, auf der steten Suche nach seiner Quadratur. Und erlebte auf diesem tiefen, sumpfigen Weg den Wunsch nach einer neuen Bescheidenheit. Im Einklang mit der Natur, als wohl einzig wahrer Freund. Und ein schöner, sonnig lauernder Frühsommertag neigte sich seinem Ende entgegen. Währenddessen zog sich Xtinchen, um nicht ganz zu vertrocknen, auch weiterhin diese bunten, perfiden Antibabysmartis rein. Obwohl ihre Gebärmutter leider schon vor langer Zeit entsorgt und somit keinen Wert mehr besaß, um einen alternativen Einstein zu basteln. Eigentlich sehr, sehr schade. Und ich selbst konnte mir aus diesem Grund schon seit ewiger Zeit meine Fußnägel nicht mehr schneiden, ohne dass mir dabei unglaublich übel wurde. Ist das ein Wunder? Wozu auch? Denn wirklich begehbare Ziele schien es schon seit langer Zeit keine mehr zu geben...
Wieviele Keulen schwingende Neandertaler hausieren auch heute noch in der angeblich 'zivilisierten' menschlichen Welt?

 

Übrigens, noch ein Nachwort.

Die orale Befriedigung mit dem Mund heißt nicht - so wie allgemein angenommen - Blasen, sondern Picknick. Begründung: Im Duden ist Picknick beschrieben als eine kleine Mahlzeit aus dem Sack. So bekommt die Frage:

"Schatz, hättest du Lust auf ein Picknick?", eine vollkommen neue Bedeutung. Naja, den geilen Satz hab ich irgendwann mal auf Facebook gelesen. Wer den wohl geschrieben hat...?

 

 

 

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Noch 'en Witz, auf Facebook gefunden...

Setzt sich ein Junge neben ein Eis essendes Mädchen und sagt:
"Ich möchte dich gern etwas fragen, bin mir aber sicher, dass du's falsch verstehst."
"Frag ruhig, dann sehen wir weiter."
"Nein, du könntest es falsch verstehen."
"Los, frag..."
"Darf ich mal lecken?"
Das Mädchen hält dem Jungen das Eis hin.
"Ich habe doch gesagt, du würdest es falsch verstehen."

 

Charly Wasyl,

der brennende Eiswürfel

 

Flämmsche Eiswürfele

 

 

 


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